Schwingen
Diese Bösen verdanken wir dem Eidgenössischen Schwingfest in Aarau 2007

Aus dem Westaargau dürfen acht Männer ans Eidgenössische. Und gerade Aarau reist mit einer speziell grossen Delegation

Urs Helbling
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Tiago Vieira (25, 160 Kilo), Kaj Hügli (19, Attelwil), Oliver Hermann (19), Stephan Studinger (32) und Tobias Widmer (20, v. l.) posieren im Schwingkeller.

Tiago Vieira (25, 160 Kilo), Kaj Hügli (19, Attelwil), Oliver Hermann (19), Stephan Studinger (32) und Tobias Widmer (20, v. l.) posieren im Schwingkeller.

Chris Iseli

Dienstagabend, Schwingkeller im Pestalozzischulhaus, Training des Schwingklubs Aarau: Fünf Männer nehmen es vergleichsweise locker. Sie wollen sich jetzt unter keinen Umständen verletzen. Drei Tage bevor sie in der Fliegerkaserne Payerne ein Mehrbettzimmer beziehen. Vier Tage vor dem Start des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests.

Seit Menschengedenken konnte der Schwingklub Aarau nie mehr eine so grosse Delegation an ein Eidgenössisches schicken. Fünf Mann, die beiden jüngsten 19, der älteste 32 Jahre alt. Zwei Geburtstagskinder: Tiago Vieira (Biberstein) wurde vorgestern 25, Tobias Widmer (Rupperswil) gestern 20. Drei der fünf waren noch nie an einem Eidgenössischen. Alle träumen vom Königstitel – und wissen, dass alleine schon der Kranz-Gewinn ein Riesenerfolg wäre.

«Es müsste einer über sich herauswachsen», erklärt Matthäus Huber. Er ist Präsident des Schwingklubs Aarau und gleichzeitig dessen erfolgreichstes Mitglied. In den 86 Jahren seines Bestehens konnte der Verein erst zehn eidgenössische Kränze feiern. Fünf davon gewann Matthäus Huber. Er war im Alter von 18 Jahren ein erstes Mal an einem Eidgenössischen. 1986 in Sion (es siegte der Freiämter Harry Knüsel). Huber sagt: «Als Junger bei einem solchen Fest zu sein, ist eine gute Sache. Das motiviert.»

Das Glück eines 19-Jährigen

Der 19-jährige Oliver Hermann aus Muhen ist so ein Junger – und ein Last-Minute-Teilnehmer. Hermann war bis vor zwei Wochen erster Ersatzschwinger des Nordwestschweizerischen Verbandes. Dann verletzte sich der Baselbieter Marc Stoffel und Hermann konnte nachrücken. Für ihn ist es das erste Eidgenössische.

Schon zum fünften Mal dabei ist Stephan Studinger (32) aus Däniken. Unter den Aarauer Schwingern hatte er bisher die erfolgreichste Saison. Er gewann am Bergfest auf dem Stoos den Kranz. Sein Bruder Christian ist der letzte «Eidgenoss» der Aarauer Schwinger: Er holte das Eichenlaub 2010 in Frauenfeld.

Wie erklärt sich Matthäus Huber das Hoch seines Vereins? «Die konsequente Arbeit im Nachwuchsbereich beginnt Früchte zu tragen.» Sie hätten wöchentlich 30 bis 35 Jungschwinger im Training. Der Verein hat 130 Aktive und 380 passive Mitglieder. Warum das grosse Interesse? «Das Eidgenössische, das 2007 in Aarau stattfand, mobilisierte die ganz Jungen. Sie entdeckten den Schwingsport.»

Aus dem Aargau sind am Wochenende 17 Schwinger mit dabei. Das Freiamt kann wie die Aarauer fünf Böse nach Estavayer-le-Lac FR schicken. Mit Nick Alpiger (Staufen) und Mario Thürig (Möriken) stellt der Schwingklub Lenzburg zwei Kranzanwärter. Seit er diese Saison König Matthias Sempach bezwungen hat, wird auch Patrick Räbmatter (Uerkheim, Schwingklub Zofingen) sehr hoch gehandelt.

Aus dem Fricktal werden drei Böse ans Eidgenössische reisen und vom Schwingklub Baden-Brugg ist der «Eidgenosse» Christoph Bieri wieder mit dabei.