Aarau
Diese Böllerschüsse weckten die Stadt am Maienzug aus dem Schlaf

Um sieben Uhr morgens knallt es beim Alpenzeiger. Die Mitglieder des Artillerievereins Aarau schiessen mit einer historischen Kanone 23 Schüsse ab, die in ganz Aarau zu hören sind.

Janine Gloor
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Morgens um halb sieben ist es in der Stadt ganz still. Die Rufe derjenigen, die den Weg nach Hause erst am frühen Morgen gefunden haben, sind verklungen und der Maienzug-Trubel hat noch nicht begonnen. Beim Aussichtspunkt Alpenzeiger haben sich eine Gruppe Männer und eine Frau eingefunden. Sie stehen um die historische Kanone, Marke Krupp. Kurz vor sieben sind aus der Stadt Kirchenglocken zu hören. «Es läutet», sagt einer. «Die Stadtkirche zählt», sagt ein anderer.

Spürbare Druckwelle

Dann sitzt die junge Frau hinten auf die Kanone und zieht auf das Kommando «Feuer» an einem Knüppel. Die Wirkung ist gewaltig: Ein gleissend heller Blitz schiesst aus dem Kanonenrohr und es knallt ohrenbetäubend. Selbst einige Meter neben der Kanone ist die Druckwelle noch zu spüren.

Ein Schuss für jeden Kanton

Die Mitglieder des Artillerievereins Aarau haben es sich zur Tradition gemacht, die schlafende Stadt zum Maienzug zu wecken. Die Kanonierin heisst Ramona Leuenberger, ihre Familie sorgt schon seit Generationen für die Böllerschüsse am Maienzug. Ganz ruhig sitzt sie auf der Kanone, während der laute Schuss so manchen Aarauer unsanft aus dem Schlaf reisst. Doch das gelingt ihr nur, wenn sie selbst abziehen kann. «Wenn ich daneben stehe, erschrecke ich auch», sagt sie lachend.

Nachdem alle Böller – einer für jeden Kanton – abgefeuert worden sind, genehmigen sich die Kanoniere ein Frühstück. Das Putzen der Kanone kann bis Montag aufgeschoben werden.

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