Musik

Diese Aarauer Rockröhre setzt voll auf Youtube – trotz schlechter Erfahrung mit der Videoplattform

Kleines Konzert für die weltweite Youtube-Gemeinde: Ihre Videos nimmt Sara McLoud, die richtig Sara Birchler heisst, in den eigenen vier Wänden auf. pme

Kleines Konzert für die weltweite Youtube-Gemeinde: Ihre Videos nimmt Sara McLoud, die richtig Sara Birchler heisst, in den eigenen vier Wänden auf. pme

Das Videoportal Youtube hat Sara McLoud vor fünf Jahren den Einzug in den Schweizer Final des Eurovision Song Contest gekostet. Die 24-jährige Musikerin surft trotzdem weiterhin auf der Youtube-Welle.

Die Vorfreude dauerte gerade mal 14 Stunden, bis an einem Freitag im Herbst 2011 die Bombe platzte: Disqualifikation!

Das damalige Radio DRS 3 entzog Sara McLoud überraschend das Direkt-Ticket für die Schweizer Ausscheidung zum Eurovision Song Contest 2012, das ihr der Sender zuvor zugesprochen hatte.

Die Sängerin, von der DRS-3-Jury als «tolle Newcomerin» und «ein Mädchen von nebenan mit starker rauer Stimme» gelobt, hatte ihren Song «Lost» bereits 2009 auf der Online-Videoplattform Youtube veröffentlicht – ein Reglementverstoss.

Für Sara McLoud, die richtig Sara Birchler heisst, brach eine Welt zusammen. «Ich habe im Zimmer geweint», sagt die Sängerin heute – in jenem Zimmer, wo sie im Frühjahr 2009 spontan zur Gitarre gegriffen hatte, ihre Eigenkomposition «Lost» sang und ein Handyvideo davon für ihre Freunde auf Youtube veröffentlichte.

Diese Spontanität hat sie womöglich die Reise zum Eurovision Song Contest in Aserbaidschan gekostet.

Musik zum Autowaschen

Wenn Sara McLoud heute über damals spricht, ist noch immer Wehmut spürbar. Doch die 24-jährige Sängerin aus dem Aarauer Stadtteil Rohr, die im Hauptfach Geschichte studiert und im Historischen Museum Baden arbeitet, ist eine Kämpferin.

Diesen Herbst wird sie bereits zum fünften Mal einen Song für den Eurovision Song Contest einreichen. «Ich lebe für die Musik seit ich 14 bin und möchte damit vielen Menschen eine Freude machen.»

Das neueste Youtube-Video: Sara McLoud mit «Treat You Better» von Shawn Mendes

Das neueste Youtube-Video: Sara McLoud mit «Treat You Better» von Shawn Mendes

Dafür setzt Sara McLoud auf jenes Medien, das ihr die vielleicht grösste Chance ihrer Karriere gekostet hatte: Youtube.

Seit 2009 hat sie etwa 120 Musikvideos auf die Videoplattform geladen. Dafür zieht sich die Sängerin jeweils in ihr Zimmer zurück, nimmt mit Gitarre auf einem Stuhl platz, atmet tief durch – und legt dann vor der Videokamera los.

Ihre Stimme ist kräftig, laut und löst schnell Gänsehaut aus. Oft auch bei den Nachbarn. Sara McLoud hat sich zum Ziel gesetzt, jede Woche eine neues Video zu veröffentlichen; mit Nachbearbeitung ein Aufwand von mehreren Stunden.

Das lohnt sich. Sara McLouds Youtube-Kanal hat rund 1500 Abonnenten, die Coverversion von Christina Perris «Jar of Hearts» ist als beliebtester Clip in den vergangenen fünf Jahren über
45'000-mal aufgerufen worden, durchschnittlich 25-mal pro Tag.

In den etwa 200 Kommentaren zum Video wird vor allem die starke Stimme gelobt. «Diese ist besser für diesen Song als jene von Christina Perris», schreibt jemand. Beliebt ist auch Sara McLouds Coverversion von Natalie Imbruglias «Torn».

Natalie Imbruglia - Torn (Coverversion von Sara McLoud)

Natalie Imbruglia - Torn (Coverversion von Sara McLoud)

«Das beste Cover dieses Songs, das ich bislang gehört habe», heisst es in einem Kommentar. Und ein Amerikaner schreibt: «Ich wasche gerade mein Auto und höre deinen tollen Sound!»

Sara McLoud hält CD die Treue

Coverversionen bekannter Künstler setzt Sara McLoud bewusst auch als Werbemittel ein. Wer über Youtube auf einen ihrer Coversongs stösst, interessiert sich vielleicht auch für Eigenkompositionen, hofft die Sängerin. Das funktioniert auch teilweise.

Eigenkompositionen hat Sara McLoud mit ihrem Vater Ruedi Birchler, in der Schweizer Musikszene als Charlie Midnite bekannt, bereits einige geschrieben. Nach dem ersten Album «Hide Your Heart» 2012 ist nun die CD «Handmade» mit zehn akustischen Pop-/Rock-Songs und Balladen erschienen.

Sara McLoud - Lost

Sara McLoud - Lost

Diese hat Sara teilweise mit Studiomusikern in der US-Country-Metropole Nashville eingespielt. «Die Band meines Vaters hat dort Kontakte zu Musikern, die professionell arbeiten.» Von der CD wurden 500 Stück gepresst.

Eine CD in Zeiten von Youtube, Spotify und iTunes? Ist das noch zeitgemäss? «Es gibt immer noch viele Leute, die CDs lieben», sagt Sara McLoud, die selber ein selten gewordenes CD-Gestell im Zimmer stehen hat.

Zudem sei ihr Album «Handmade» mit dem selber gestalteten Cover auch ein Geschenk für sich und ihre Band. «Wir halten gerne etwas in den Händen.» Bei Konzerten der seit 2009 bestehenden Band laufe der Verkauf von CDs zudem gut. Und: «Es hat doch viel mehr Stil, einer Radiostation eine selber gestaltete CD zu schicken als einen USB-Stick.»

Das scheint anzukommen. Der Sommerfeeling-Song «Feel So Fine» läuft derzeit bei Radio Swiss Pop, «Girls Night Out» ist bei Radio Zürisee zu hören. Für Sara McLoud ist das nebst Youtube eine tolle Erfahrung: «Es ist schon sehr cool, beim Shoppen im Telli-Einkaufszentrum meinen eigenen Song auf Radio Swiss Pop zu hören.»

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