Aarau

Diese Aarauer heben mit Drohnen ab – und mischen an der Weltspitze mit

Simon Wilks (l.) und Andreas Antener neben einer Drohne an der Rohrerstrasse in Aarau

Simon Wilks (l.) und Andreas Antener neben einer Drohne an der Rohrerstrasse in Aarau

Ihr Start-up hat schon sechs Angestellte. Warum das erfolgreiche Unternehmen ausgerechnet in Aarau seine Heimat hat.

Die Industrie ist jung und wild. Fast von Anfang an dabei ist der 54-jährige Australier Simon Wilks, der seit 25 Jahren in der Schweiz lebt. Beim Test einer Drohne für einen Forschungswettbewerb in Australien hat er im Aarauer Schachen den heute 35-jährigen Aarauer Andreas Antener kennen gelernt. Dieser war zum Vergnügen mit seiner eigenen kleinen Drohne auf die grosse Wiese gekommen. Den Software-Ingenieur und Aviatik-Fan begeisterten die Pläne von Wilks auf Anhieb. Gemeinsam optimierten sie dessen Drohne dafür, im australischen Outback vermisste Personen aufspüren zu können: völlig autonom, ohne Hilfe des Piloten.

Tests auf einer Wiese im Baselbiet

Ihr Produkt schnitt hervorragend ab und sie beschlossen kurz darauf, 2014 ihr eigenes Unternehmen zu gründen. «Schnell haben wir uns damals dazu entschlossen, in der teuren Schweiz nicht selbst Drohnen zu bauen, sondern die Software für diese zu entwickeln», erklären die beiden in ihrer Werkstatt an der Aarauer Rohrerstrasse. In dieser testen sie ihre Software an den Drohnen ihrer Kunden, bevor sie für weitere Tests auf eine grosse Wiese im Baselbiet gehen. Mittlerweile reist Antener um die ganze Welt, besucht Kunden, akquiriert Geschäfte, testet diese Woche vielleicht mit Kunden in einer Wüste in den USA und in der nächsten über Reisfeldern in China.

«Corona hat das sehr kompliziert gemacht. Ich erkläre den Kunden über Video-Chat, wie sie unsere Software anwenden, doch das ist alles viel ineffizienter, als wenn man vor Ort ist», sagt der Aarauer. Hier in der Kleinstadt sind die pfiffigen Unternehmer Exoten, Zürich ist nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit das Mass der Dinge in der Entwicklung von Drohnen. Es erstaunt deshalb wenig, dass sie auch von Branchen-Kollegen immer wieder gefragt werden: «Wieso Aarau?»

Wilks hat Verständnis: «Gute Software-Ingenieure haben ein Luxus-Problem: Sie können sich in Zürich aussuchen, wo sie arbeiten wollen. An Angeboten fehlt es nicht.» Und da sei es natürlich verlockend, einen Job anzunehmen, zu dem man von der Wohnung mitten in der Stadt mit dem Velo hinkommt. Und am Feierabend seine Bars und das Limmatufer gleich um die Ecke hat. «Dass es das alles auch in Aarau gibt, wissen viele nicht. Das braucht noch etwas Zeit.»

So haben die beiden die jüngste Verstärkung für ihr mittlerweile sechsköpfiges Team denn auch nicht in Zürich, sondern in Mailand gefunden: Marco ist der sechste Mitarbeiter und seit einem halben Jahr für die Testflüge verantwortlich.

«Auch er suchte sich sofort eine Wohnung in Zürich, kam von dieser Idee aber schnell ab, als er realisierte, wie hoch die Mieten dort sind. Nun ist er in Aarau und fühlt sich hier pudelwohl», lacht Wilks. Und dem Unternehmen kommt zugute, dass es dank Aarau schnell ins Übungsgelände bei einem Landwirt kommt, um Tests in der Luft durchführen zu können. «Währenddessen suchen die Kollegen in Zürich händeringend nach Möglichkeiten, um in einem vernünftigen Zeitrahmen in die Luft zu kommen», lacht Wilks.

Eben einen grossen Vertrag abgeschlossen

Ihre Software vertreiben sie im Lizenzverfahren: Je mehr Drohnen mit ihrer Software unterwegs sind, desto mehr verdient ihr Unternehmen UAVenture. Eben haben sie einen Deal für Transportdrohnen mit einem der weltweit grössten Logistik-Unternehmen abgeschlossen: Simon Wilks und Andreas Antener heben ab.

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