Selbstbedienung

Diese Aarauer Band ist mehr als nur Punk

Langjährige Punkband mit drei Mitgliedern: Simon Graf, Simon Mäder, Luca Maurer (v.l.). Roman Gaigg

Langjährige Punkband mit drei Mitgliedern: Simon Graf, Simon Mäder, Luca Maurer (v.l.). Roman Gaigg

Aus einer Bieridee wurde ernst. Mittlerweile ist die Band Selbstbedienung erwachsen geworden. Doch dem Punk bleiben die Jugendfreunde treu.

Simon Mäder und sein Kindergartenfreund Nuno waren begeistert von der Idee. Als Jugendliche beschlossen sie bei einem Bier im Park, eine Band zu gründen. Inspiriert vom Punk – der Musik und dem dazugehörigen Lebensstil – und vielleicht auch ein wenig vom Bier. Denn ein kleines Problem präsentierte sich schon sehr bald nach der Bandgründung: «Wir spielten damals beide gar kein Instrument», sagt Simon Mäder rückblickend. Doch mit einer Leichtigkeit, die die Männer bis heute bewahrt haben, wurde dieses Hindernis in eine Chance umgewandelt. «So konnten wir uns ganz bewusst für ein Instrument entscheiden.»

Mäder (29) fand Bass cool, Nuno wählte das Schlagzeug. Weil zwei Musiker etwas wenig waren für eine ganze Punkband, musste ein Dritter her. Idealerweise einer, der Gitarre spielen konnte. Und sie fanden im Kollegenkreis Luca Maurer (29), der sogar «schon ein bisschen Gitarre spielen konnte». In dieser Konstellation spielten Mäder, Nuno und Maurer zehn Jahre lang als «Selbstbedienung».

Der jugendliche Übermut und die «Unzufriedenheit gegenüber dem System», wie sie auf ihrer Website schreiben, waren Antrieb für ihre Musik. «Die Musik war für uns ein Mittel, um ein Zeichen zu setzen.» Ein Zeichen gegen rechts, sagt Simon Mäder, gegen die «Scheiss-Nazis» – «das kann ruhig so in der Zeitung stehen». Die Band-Rüümli für die Proben wechselten sich ab, genau wie die Haarfarben. «Meine Mutter dachte damals, das sei eine Phase», sagt Luca Maurer. Die Bandmitglieder lachen herzlich. Bei den Haaren ist zwar wieder die Normalfarbe eingekehrt, doch die Tattoos, Piercings und Vorlieben für Bier und laute Musik sind geblieben.

Mitglied ausgewechselt

Nach ungefähr zehn Jahren machte Schlagzeuger Nuno den freundschaftlichen Ausstieg. Mit der gleichen Nonchalance wie bei der Bandgründung wurde ein Ersatz gefunden. Simon Graf aus Hägglingen, mit 27 etwas jünger als die anderen beiden. Kein Punk, dafür hat er Schlagzeug studiert. «Zuerst bin ich übergangsmässig für Konzerte eingesprungen», sagt Graf. Nach einem gemeinsamen Wochenende in Hamburg war klar, dass die Beziehung nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich funktionierte. Dass Graf noch einen längeren Auslandaufenthalt geplant hatte und sich noch nicht ganz sicher war, ob er wirklich Bandmitglied werden wollte, ignorierten die bestehenden Bandmitglieder konsequent und so trat Graf nach einer längeren Fernbeziehung definitiv der Band bei.

«Greenfield»-Notfalleinsatz

In den zwei Jahren zu dritt haben sie schon einiges erlebt. Im letzten Sommer waren sie an einem Workshop am Open Air Greenfield – quasi das Matterhorn in der Musikszene der jungen Männer. Während Graf das Glück hatte, ein Ticket für das Festival zu haben und bleiben konnte, fuhren Mäder und Maurer nach dem Festival wieder nach Hause. Kurz vor Kölliken rief ein Organisator an: «Ihr könnt am ‹Greenfield› spielen.» Eine Band war ausgefallen. Kleines Problem: Das Konzert sollte in wenigen Stunden stattfinden. Keine Frage, dass Mäder und Maurer sofort umkehrten und zurück nach Interlaken rasten. «Das war ein Riesendruck», erinnert sich Mäder. «Wir wussten, wenn wir zusagen, muss es klappen.» Nach der Zusage für das OK riefen sie ihren Bandkollegen Graf an. «Du musst sofort aufhören zu trinken», schärften sie ihm ein. «Ich dachte zuerst, die seien neidisch, weil ich noch am Greenfield war», sagt Graf. Am Schluss ging das Timing auf, «Selbstbedienung» spielte am Greenfield, schon zum zweiten Mal nach ihrem Konzert 2017.

Der Sound der Band ist im Laufe der Jahre melodiöser geworden. «Wir sind aber nicht brav geworden», betont Maurer. «Einfach erwachsener», sagt Mäder. Man mache sich mehr Gedanken. «Wir zeigen immer noch den Mittelfinger – einfach geschmacksvoller.» Im Mai haben sie ihre neue Single «Zu Hause» herausgegeben. Als Gastsängerin haben sie Fabienne Erni von der bekannten Folk-Metal-Band Eluveitie gewinnen können. Simon Graf kannte die Sängerin noch aus Schulzeiten und hat sie einfach mal gefragt.

Auftritt am «Vorabend»

So unverkrampft soll es mit «Selbstbedienung» auch weitergehen. «Die Freude an der Musik behalten», sagt Luca Maurer. Die Bandmitglieder haben eine Liste mit den Bands, mit denen sie spielen wollten und Festivals, an denen sie auftreten wollten. Im Laufe der Jahre konnten sie viele Häkchen setzen. Ein Höhepunkt wird auch dieses Jahr der Maienzug-Vorabend sein, wo «Selbstbedienung» vor ihrem Heimpublikum spielen wird. «Es ist viel mehr möglich, als wir anfangs gedacht haben», sagt Maurer. Das mussten sie sogar am eigenen Leib spüren. «Wir haben am Anfang gesagt, dass wir uns zum 10-Jahr-Jubiläum das Bandlogo tätowieren lassen», sagt Simon Mäder. Das Jubiläum kam schneller, als erwartet – und die Band hat Wort gehalten.

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