Region
Die Zukunft des «Zukunftsraums Aarau» ist unsicher

Der «Zukunftsraum Aarau» ist ein eigenes Gebilde, dem einzelne Gemeinden anderen Bezirken oder dem Kanton Solothurn angehören. Vor allem für letztere käme eine Fusion mit einer Aargauer Gemeinde aus staatsrechtlichen Gründen gar nicht erst infrage, eine Zusammenarbeit allerdings schon.

Hubert Keller
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Mit Gränichen, Buchs und Küttigen machen nun drei wichtige Gemeinden nicht mit.

Mit Gränichen, Buchs und Küttigen machen nun drei wichtige Gemeinden nicht mit.

Aargauer Zeitung

«Als ich eine Bekannte in Rohr anrufen wollte, musste ich im Telefonbuch unter Aarau suchen. Rohr gibt es nicht mehr.» Dies sagte eine Frau am 4. Dezember an der Gemeindeversammlung in Küttigen und stimmte zusammen mit 109 weiteren Stimmbürgerinnen und -bürgern gegen den Kredit von 12 000 Franken, mit dem sich die Gemeinde weiter am Projekt «Zukunftsraum» beteiligt hätte.

Mit ihrer Absichtserklärung hatten Gemeinden des Planungsverbandes Region Aarau (PRA) im Herbst 2012 ihren Willen bekundet, gemeinsam nach neuen Wegen der Zusammenarbeit zu suchen und diese zu verstärken. Diese Absichtserklärung hatte der Gemeinderat Küttigen Ende August 2012 ebenfalls abgegeben. Buchs und Gränichen hatten sich bereits damals geweigert.

Stadt Aarau sucht Fusionspartner

Angestossen wurde der Prozess, der eine Fusion nicht ausschliesst, von der Stadt Aarau. Der Stadtrat hatte in seinem Entwicklungsleitbild im August 2011 das Ziel so definiert: «Die Vision des Stadtrats ist, dass die bereits heute intensiv verflochtenen und baulich zusammengewachsenen Gemeinden im Raum Aarau in 10 bis 12 Jahren eine lebenswerte und wettbewerbsfähige Stadt mit gesamtschweizerischer Ausstrahlungskraft bilden.»

Auch wenn eine Fusion ins Auge gefasst wurde, ist das Projekt «Zukunftsraum» darauf angelegt, dass jedes Ergebnis möglich ist. Der Weg ist in «Meilensteine» unterteilt. Nach der Startphase und der Vorbereitungsphase soll die Prüfungsphase folgen. Eben in dieser dritten Phase sollten die Optionen zur Stärkung des funktionalen Raums Aarau detailliert geprüft werden: verstärkte Kooperation oder Fusion. Wie wirkt sich die eine oder andere Option aus auf Siedlungs-, Infrastruktur- und Landschaftsentwicklung, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Demokratie und Identifikation, Finanzen und Steuern?

Nach dem Ausscheiden von Küttigen ist der Emmentaler Käse noch löchriger geworden. Buchs und Küttigen, zwei der engsten Nachbarn von Aarau, sind nicht mehr dabei (siehe Grafik und Text unten). «Das ist schade», sagt Stadtpräsident Marcel Guignard, da ja die Einsicht vorherrsche, dass die Kooperation verbessert werden könne. Welche Konsequenzen aus der neuen Sachlage zu ziehen sind, dies zu entscheiden überlässt er dem neuen Stadtrat unter der Leitung von Jolanda Urech und den Gemeinderäten der anderen Gemeinden.

Buchs und Küttigen fehlen

Der Gemeinderat Suhr hat die Absichtserklärung (noch) nicht unterzeichnet, über das Budget von der Gemeindeversammlung aber den Gemeindebeitrag beschliessen lassen. Gemeindepräsident Beat Rüetschi: «Wir verschliessen uns der Diskussion nicht.» Das Entwicklungsleitbild Suhr, das zusammen mit der Bevölkerung erarbeitet worden ist, sieht laut Rüetschi die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden explizit vor.

Im «Zukunftsraum» wären Buchs und Küttigen besonders wichtig. Was ohne die beiden Gemeinden noch zu erreichen ist, ist offen. «Die Gemeindeversammlung hat die Türe nicht zugeschlagen», sagt Küttigens Gemeindeammann Dieter Hauser. Die Angst, dass die Gemeinde ihre Selbstständigkeit verliere, habe zum Nein geführt. Bereits vor der Versammlung hatte sich abgezeichnet: SVP und FDP würden dagegen votieren, CVP und SP dafür.

Ein späterer Wiedereinstieg in den «Zukunftsraum» wäre zwar möglich. Ob Wiedereintritte aber tatsächlich erfolgen werden, ist fraglich.

Der Küttiger Gemeinderat hatte in seiner Botschaft an die Gemeindeversammlung die Frage gestellt, ob die mit dem Projekt «Zukunftsraum» beabsichtigten Zielsetzungen nicht auch mit dem Regionalen Entwicklungskonzept (REK) und dem neu ausgerichteten PRA erreicht werden könnten. Gut möglich: Bloss sperrt sich Erlinsbach AG gegen die neuen Statuten, die den PRA schlagkräftiger und flexibler machen sollen.

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