Augenklinik

Die Zitterpartie um die Augenklinik Aarau wegen unzufriedener Ärzte

Am 12. Mai gingen sie an die Öffentlichkeit: Die Chefs der Pallas-Klinik (links) und des Kantonsspitals Aarau gaben ihr Zusammengehen an einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bekannt. Emanuel Freudiger.

Am 12. Mai gingen sie an die Öffentlichkeit: Die Chefs der Pallas-Klinik (links) und des Kantonsspitals Aarau gaben ihr Zusammengehen an einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bekannt. Emanuel Freudiger.

Die Ärzte der Augenklinik am Kantonsspital Aarau wehren sich mit Händen und Füssen gegen das geplante Ambulatorium am Bahnhof. Dies offenbar mit Erfolg.

Es tönte nach Win-win am 12. Mai, als die Chefs des Kantonsspitals Aarau (KSA) und der Solothurner Privatklinikgruppe Pallas die Eröffnung einer gemeinsamen Augenklinik am Bahnhof Aarau verkündeten. Hohe Spezialisierung und tiefe Fallkosten, Qualität und Wirtschaftlichkeit hiessen die Trümpfe, die an der Pressekonferenz ausgespielt wurden. Der «Poleposition» auf einen Spitallistenplatz, also der Mitfinanzierung des Ambulatoriums in privatem Mehrheitseigentum durch die öffentliche Hand, war man sich sicher.

Rapport bei Regierungsrätin

Jetzt ist alles infrage gestellt. Schon an der Medienorientierung sprach der CEO des Kantonsspitals Urs Karli auf Anfrage von «gemischten Reaktionen» seiner Mitarbeiter in der hauseigenen Augenklinik. Diese waren am Vorabend über die neue Holding für die «Augenzentren» in Aarau und Olten informiert worden.

Karli hat, gelinde gesagt, untertrieben: «Der Sonntag» berichtete am 22. Mai über einen «bösen Brief» an den KSA-Verwaltungsrat und Susanne Hochuli, Vorsteherin des kantonalen Gesundheitsdepartements, am 29. Mai dann über «Antreten zum Rapport» bei der Regierungsrätin.
Am gleichen Sonntag richtete sich der Aarauer Ophthalmologe Philippe Guignard in seiner Funktion als Präsident der Vereinigung der Aargauer Augenärzte an den Gesamtregierungsrat. Das kantonal besoldete Personal der Augenklinik, heisst es in dem besorgten Schreiben, das der
az Aargauer Zeitung vorliegt, sei «de facto fristlos entlassen» worden. Und die freien Augenärzte habe man «praktisch vor ein ‹fait accompli›» gesetzt.

Vorwurf der «Kannibalisierung»

Eine vollendete Tatsache, welche die ambulante Versorgung durch eine ausserkantonale Privatklinik «monopolisiere» und die freie augenärztliche Praxis «kannibalisiere». Die «rein gewinnorientierte Organisation» sei auf eine «Umsatzsteigerung aufgrund von Mengenausweitung» aus. Dies werde ihr auf 2000 Quadratmetern und im 365Tage-Betrieb auch gelingen. Die selbstständigen Ärzte hingegen seien seit Jahren mit einem Praxisstopp belegt, um ebendiese Mengenausweitung und die damit verbundene Kostenexplosion zu verhindern.

Das KSA sagt derzeit nichts: weder zu den Vorwürfen der freien noch zu den Bedenken der eigenen Augenärzte. Diese haben sich mithilfe eines Anwalts offenbar erfolgreich gegen den «Ausverkauf» gewehrt, wie am Mittwoch zu vernehmen war. Gleichentags hatten weitere Krisensitzungen stattgefunden, wieder unter Einbezug des Departements Gesundheit und Soziales (DGS).

Ringen um den richtigen Wortlaut

Für heute Freitagmorgen war eine gemeinsame Medienmitteilung von Spitalleitung, Ärzten, Pallas-Gruppe und DGS angekündigt. Dann hiess es: Es wird Nachmittag. Um 15 Uhr verlautete aus dem Kantonsspital: Wir kommunizieren frühstens am Montag. Um 17 Uhr: doch noch heute Abend! Diesmal will man auf Nummer sicher gehen und nur veröffentlichen, was von allen Beteiligten abgesegnet ist. Offensichtlich sind sich diese über den Wortlaut noch nicht einig.

Ob die Augenklinik kommt oder der Deal platzt (worauf einiges hindeutet): Klar ist, dass die stationären Eingriffe, zum Beispiel an Mehrfachverletzten, so oder so weiterhin im Kantonsspital behandelt werden. Unklar ist hingegen, ob die Pallas-Gruppe angesichts des Praxisstopps im Kanton Aargau ohne Kantonsspital Aarau mit augenheilkundlichem Leistungsauftrag überhaupt eine Zulassung bekommen würde.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1