Aarau
Die Zirkus-Lamas liegen im Aarauer Schachen auf der faulen Haut

Zwischen dem Aufbau am Mittwoch und der ersten Vorstellung am Freitag gönnen sich Mensch und Tier beim Circus Knie im Aarauer Schachen erst einmal eine Auszeit. Dabei wird jede freie Minute genutzt.

Katja Schlegel
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Ein Kamel aus der Froschperspektive
15 Bilder
Die Zirkus-Lamas liegen im Aarauer Schachen auf der faulen Haut
Der Schachen wird zum Buffet für die Kameldamen
Bauern aus der Region haben den Elefanten frisches Gras gebracht
Elefantendame mit Grashaube
Die Männer falten die Zeltblachen auseinander
Die Männer wuchten die tonnenschweren Säcke aus dem Lastwagen
Zeit für eine Kaffeepause muss auch sein
Meter für Meter wächst das Zelt in die Höhe
Vor dem Zeltaufbau wird das Sägemehl verteilt
Kletterpartie in luftiger Höhe
Kaum steht das Zelt, werden die Lautsprecher und Scheinwerfer hochgezogen
Die Ponys auf dem Weg in ihre Ställe
Ein gwundriger Vollblutaraber beim Frühstück
Die Friesen werden in ihre Boxen geführt

Ein Kamel aus der Froschperspektive

Annika Bütschi

Dieser Blick. Hochmütig, kritisch, unbeteiligt guckt das Lama durch das vergitterte Fensterchen, in der Lippenspalte klemmt ein Strohhalm. Auf dem Kiesplatz vor seinem Stall wächst das Zirkuszelt in die Höhe, wie ein Pilz, der im Zeitraffer durch den feuchten Waldboden bricht.

Es ist Mittwochmorgen. Das Gras im Aarauer Schachen ist noch nass, die Luft kühl. Seit 6 Uhr schuften gegen 100 Knie-Mitarbeitende auf dem Gelände.

Wie eine Ameisenkolonie arbeiten sie zügig und konzentriert, karren zwischen Bahnhof und Schachen rund 1400 Tonnen Material herum, knüpfen Blachen zusammen und rammen Heringe in den Boden, verlegen Stromleitungen und ziehen Scheinwerfer in den Zelthimmel, schütteln das Stroh für die Pferde auf.

Ein paar Männer wischen mit Besen das Sägemehl der letzten Vorstellung vom Plastik, im Bistrowagen hält eine Frau prüfend ein poliertes Glas in die Morgensonne.

Sechs Stunden dauert so ein Aufbau – im Normalfall. Doch an diesem Morgen geht alles etwas schneller, etwas ringer: Vor den rund 200 Mitgliedern der Zirkusfamilie liegen fast zwei ganze Tage Sommerpause, bevor es am Freitagabend wieder ernst gilt. Eine willkommene Abwechslung bei 243 Tourneetagen in 43 Städten – für Mensch und Tier.

Bei nur rund 40 Stunden Freizeit zählt jede Minute. Einige Artisten sind bereits in der Nacht kurz nach der Abendvorstellung in den Kurzurlaub oder heim zur Familie gereist. So zum Beispiel Comedy-Jongleur Steve Eleky aus Deutschland, der die Sommerpause mit seiner Familie am Gardasee verbringt.

«Während der Tournee zwei Tage freizuhaben ist ungewöhnlich.» Er packe deshalb die Gelegenheit beim Schopf und fahre mit seiner Familie an den Gardasee.

Nach zwei Stunden Schwerstarbeit gönnt sich eine Gruppe Männer eine Pause, einer zirkelt mit einem Tablett voller Kaffeebecher um die Zeltstangen. «Immer nur am Kaffeetrinken», frotzelt einer auf Italienisch und schüttelt mit gespielt entrüsteter Mine die Faust.

«Man merkt es den Männern an, wie sehr sie sich auf die freie Zeit freuen», sagt Bianca Binder, Assistentin des Medienbüros. «Heute scheinen sie fast übermotiviert.» Je eher die Arbeiter fertig werden, desto eher können sie verreisen, in der Sonne liegen oder die Umgebung besichtigen.

Ausflüge seien bei den ausländischen Mitarbeitern sehr beliebt, sagt Binder. «Die Leute haben das Gefühl, als Zirkusmitarbeiter bekomme man die ganze Schweiz im Detail zu sehen. Aber eigentlich haben wir alle fast keine Zeit. An einigen Gastspielorten sehen wir nicht mehr als die grossen Wiesen vor der Stadt, auf denen wir gastieren.»

Das Lama liegt inzwischen der Länge nach im Gras. Schlapp von Kopf bis Huf, als wäre es aus Wachs und unter der Sonne zerflossen. Nur eines der krummen Ohren zuckt. Eigentlich möchte man sich gerne dazulegen und auch eine Sommerpause einschalten.

Doch die Pause ist von kurzer Dauer: Kaum kommt die Fotografin mit der Kamera zu nah, springt das Lama auf.