Der Velofahrer im gelben Trikot ist gar nicht begeistert über das Wahlplakat, das gerade neben dem Regierungsgebäude aufgehängt wird. Beim Vorbeifahren lässt er einen entsprechenden Kraftausdruck fallen. Suzanne Marclay-Merz macht einen Moment lang ein betretenes Gesicht, schaut rüber zu Hanspeter Hilfiker, dann lachen beide. Dass die regelmässig wiederkehrende Plakatflut nicht allen passt, ist klar.

Die Stadtratskandidatin und der Stadtpräsidiumskandidat (beide FDP) sind am Sonntagvormittag mit Veloanhänger, Leiter und vielen Kabelbindern unterwegs. Der Countdown für die Kommunalwahlen vom 24. September läuft, nicht nur in Aarau. Bezahlte Plakate sind schon länger zu sehen, aber seit gestern dürfen die sogenannten «wilden» Wahlplakate an Kandelabern oder auf eigenen Ständern an den Strassenrändern platziert werden. Dabei gilt: «De Schnäller isch de Gschwinder».

SP Aarau plakatiert ab Mittwoch

Das hat sich in Aarau vor allem die FDP zu Herzen genommen. Marclay-Merz und Hilfiker sind in der Innenstadt überall zu sehen. Fünf freisinnige Helferteams haben in der Nacht auf Samstag gegen 100 Plakate der beiden Kandidaten aufgestellt. Diese waren natürlich auch mit dabei: «An der Bahnhofstrasse hat sich jemand ganz erstaunt gezeigt, dass wir die Plakate selber aufhängen», erzählt Hilfiker lachend.

Am Sonntagmorgen in Aarau ebenfalls zu entdecken waren die Plakate von Angelica Cavegn Leitner (Pro Aarau) und Werner Schib (CVP). Die der anderen Parteien dürften bald folgen, etwa von der SVP (Kandidat Simon Burger) oder der Grünen (Kandidat Hanspeter Thür).

Bei der SP Aarau kümmern sich laut Stadtparteipräsidentin Gabriela Suter «etwa zehn aktive Parteimitglieder» um die Wildplakatierung. Am Freitag wurden die Plakatständer beklebt, am nächsten Mittwoch werden sie aufgestellt. Auch durch die beiden Kandidaten, Franziska Graf-Bruppacher (Stadtrat) und Daniel Siegenthaler (Stadtpräsidium). «Sie haben zudem viele private Unterstützerinnen und Unterstützer, die ihre Plakate an Balkongeländern, Gartenzäunen oder Garagen aufhängen», so Suter. Sie betont: «Die Plakatierung ist nur ein Element unserer Kampagne zu den Stadtratswahlen. Am wichtigsten ist unseren Kandidierenden der direkte Kontakt mit der Bevölkerung.»

Ein Helfer der SP Aarau trägt den Kleber auf die Plakate auf

Ein Helfer der SP Aarau trägt den Kleber auf die Plakate auf

Auch in Lenzburg wurde gestern Morgen fleissig plakatiert. «Der frühe Vogel fängt den Wurm», schrieb FDP-Kandidat Andreas Schmid unter ein Bild, das ihn beim Aufstellen eines Plakats von sich und Mit-Kandidat Martin Steinmann zeigt. Erstaunlich: Von den anderen Parteien war gestern Mittag in Lenzburg nichts zu sehen.

Am besten gross und präsent: FDP-Stadtratskandidat Andreas Schmid stellt sein Wahlplakat auf

Am besten gross und präsent: FDP-Stadtratskandidat Andreas Schmid stellt sein Wahlplakat auf

Laut dem entsprechenden Merkblatt des Kantons dürfen die «wilden» Plakate frühestens acht Wochen vor dem Wahltermin aufgehängt werden. Spätestens sieben Tage nach dem Urnengang müssen sie entfernt werden.