Turnfest Aarau
Die wahre Kür am Eidgenössischen: 42'000 Menüs in acht Tagen zubereiten

Vorbereitungen für das Eidgenössische Turnfest laufen auf Hochtouren. Beat Thommen und Wanja Rauber kochen für die Turner insgesamt 18 Tonnen Essen

Janine Gloor
Merken
Drucken
Teilen
Wanja Rauber (links) und Beat Thommen. JGL

Wanja Rauber (links) und Beat Thommen. JGL

Janine Gloor

Choreografien gehören zum Turnfest. Hinter den Kulissen haben sie schon lange begonnen: Unter dem Dach der Pferderennbahn wird alles für die Verpflegung der Turner aufgebaut. 42 000 Mahlzeiten werden hier während acht Tagen ausgeschöpft.

Den Zuschlag hat die Thommen Gastronomie AG aus Niedergösgen erhalten. Das Unternehmen betreibt mehrere Restaurants, in Aarau unter anderem das «Go West» und das «Summertime». Geschäftsführer Beat Thommen und Catering-Küchenchef Wanja Rauber sind im Schachen mit den Vorbereitungen für die riesige Turnfest-Mensa beschäftigt. 2700 Leute werden hier gleichzeitig essen können. «Die Leute kommen aus dieser Richtung», sagt Küchenchef Rauber und zeigt in Richtung Stadt. Die hungrigen Turnerinnen und Turner müssen sich auf sechs Fassstrassen aufteilen. Fünf mit Fleisch, eine Vegi. «Sie nehmen selber Besteck und Servietten und erhalten einen Teller mit dem Menu.» Getränke gibt es dahinter, dann geht die Suche nach einem freien Sitzplatz los.

Schichten im Schachen

Der Andrang bei den Fassstrassen wird unterschiedlich gross sein, kein Tag ist wie der andere. «Ein Grosskampftag mit 13 000 Mahlzeiten ist der 22. Juni», sagt Rauber. An einem solchen Tag wird das Team von Beat Thommen und Wanja Rauber die Turner in fünf bis sechs Schichten verköstigen. Je nach Tag haben die Athletinnen und Athleten 45 bis 60 Minuten Zeit für ihre Mahlzeit. Die Choreografie beginnt jedoch schon lange vor den Fassstrassen und Schichten. Im Hauptquartier der Thommen Gastronomie AG in Niedergösgen werden die Mahlzeiten vom dortigen Küchenchef und seiner Crew vorgekocht und haltbar gemacht.

Im Schachen hat Rauber seine Satellitenküche: Sechs Hochleistungsöfen mit vertikalen Blechen. An den Grosskampftagen wird er alle brauchen. Aber auch mit vieren kann Rauber in 20 Minuten eine halbe Tonne Bolognese wärmen. Und was gibt es sonst noch auf die Mehrweg-Plastikteller? Ein Blick auf die Menükarten von Wanja Rauber zeigt ein Spektrum an Klassikern aus der Lager- und Volksfestküche: Riz Casimir, Truten-Piccata mit Tomatensauce und Teigwaren, Voressen mit Kartoffelstock, Erbs und Rüebli. Oder die Vegi-Varianten: Gemüse-Piccata, Gemüse-Curry, Pilz-Quorn-Ragout. Ungefähr 17 bis 18 Tonnen Essen für das gesamte Turnfest, hat Wanja Rauber ausgerechnet. Für das Riz Casimir sind 2227 Kilogramm Pouletgeschnetzeltes und 1700 Kilo gekochter Reis vermerkt.

Beat Thommen hat schon an vielen Grossevents gecatert. Zum Beispiel an den Eidgenössischen Schwingfesten in Frauenfeld, Burgdorf und Estavayer. «Doch das hier ist eine andere Dimension», sagt er. Die grösste Herausforderung sei das Abkühlen der vorgekochten Speisen, damit sie bis zum Aufwärmen in der Satellitenküche haltbar sind. Die Verpflegung der Turner ist für den Gastronomen genau das, was er wollte. «Hier weiss ich, was auf mich zukommt.»

Auf den Plänen von Rauber steht, wann wie viele Turner das Verpflegungszelt fluten werden. An einem Schwingfest könne sich das Zelt innert Minuten füllen – und die Tische seien bedient. Während den Wettkämpfen werden die Turner vermutlich auf leichte Kost setzen, nach der sportlichen Leistung stärkt man sich mit einer warmen Mahlzeit. Was ist mit denjenigen, die nach einem Teller immer noch Hunger haben? «Pro Person ist eine Portion vorgesehen», sagt Wanja Rauber. Er nimmt an, dass beim Anblick der Schlangen vor dem Zelt von einer zweiten Portion abgesehen wird.

Wo helfen Sie beim Aufbau?

Urs Hüssy, 66, Biberstein, pensioniert.
11 Bilder
Emil Wallimann, 68, Rentner, Burgdorf «Damit alle Stände mit Strom versorgt werden, verlege ich heute Kabel. Am Donnerstag bin ich in Buchs im Service. Zudem werde ich auch beim Abbau mithelfen. Vor sechs Jahren war ich bereits in Biel dabei.»
Ramona Herzog, 28, Fachfrau Betriebsunterhalt, Hellikon «Ich habe mich als Helferin gemeldet, weil ich es interessant finde, mal hinter die Kulissen zu schauen. Ich bin am Aufbau der Kunstturngeräte beteiligt. Mit meinem Verein nehme ich am Fit&Fun teil.»
Mohseni Mohammad, 20, Textilpfleger, Frick «Ich bin seit zwei Tagen als Helfer im Einsatz. Heute stelle ich Abfalleimer auf. Ich habe noch vier Tage vor mir. Ich gehe an die UMA-Schule im Telli. Mein Einsatz hier ist Teil eines Projekts der Schule. Ich werde das ETF sicher besuchen.»
Lukas Stadelmann, 35, Feuerwehrmann, Frick «Als Vereinsmitglied des TV Küttigen helfe ich gerne beim Aufbau mit. Ich bin mit zehn anderen für den Aufbau der Kunstturngeräte in der Reithalle zuständig. Insgesamt helfe ich an drei Tagen.»
Andrea Gugger, 51, Fachfrau Gesundheit, Küttigen «Wir haben heute Morgen die Recyclingvorrichtungen an sieben Standorten in und um Aarau aufgestellt. Am Donnerstagmorgen verkaufe ich Festabzeichen vor dem Wynecenter. Ans ETF komme ich als Besucherin.»
Jo Sager, 68, Rentner, Oberentfelden «Ich bin zum ersten Mal als Helfer dabei. Während neun Tagen bin ich im Einsatz, am 19. zum letzten Mal. Wo ich eingesetzt werde, war mir egal. Ich bin für den Audiobereich und die Unterkünfte zuständig.»
Ramona Keller. 23, Studentin, Dürrenäsch «Ich bin im OK, zuständig für die Helferverpflegung und -ausrüstung. Seit April bin ich jeden Tag hier. Die Helfer sind motiviert und gut drauf. Wir freuen uns sehr auf den Start, sind aber auch etwas nervös.»
Noemi Schneider «Ich bin zwei Tage als Helferin im Einsatz. Gestern habe ich im Schachen den Rasen gemäht - auch während es geregnet hat. Heute stelle ich Geräte für das Geräteturnen auf. Mithelfen macht Spass.»
Ursi Steinacher, 52, Hausfrau, Sulz «Ich bin bei der Essensausgabe. Leider bin ich nur heute im Einsatz. Am Donnerstag werde ich am Knie operiert. Meine beiden Töchter und mein Mann sind aber am ETF dabei – eine echte Turnerfamilie.»
Kurt Egloff, 71, Rentner, Zürich «Unsere Männerriege ist jedes Jahr an einem Turnfest. Dieses Jahr sind wir aber nicht aktiv dabei. Deshalb habe ich mich als Helfer gemeldet. Ich bin während sechs Tagen am Auf- und Abbau beteiligt.»

Urs Hüssy, 66, Biberstein, pensioniert.

Frederic Härri