Oberentfelden

Die Vorderlader krachen weniger oft

Schützen

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Das Aargauer Verwaltungsgericht weist eine Beschwerde der Schützengesellschaft ab. Es bestätigt vielmehr die reduzierten Schiesszeiten der Anlage Römergut. Die Anwohner hoffen, dass die neuen Zeiten jetzt auch eingehalten werden.

Anwohnerinnen und Anwohner der Schiessanlage Römergut in Oberentfelden können aufatmen: Das Aargauer Verwaltungsgericht bestätigt die reduzierten Schiesszeiten, namentlich für die krachenden Vorderlader, und schützt damit das Ruhebedürfnis der Bevölkerung. Die betroffenen Anrainer hoffen, dass die Bestimmungen künftig durch die Schützengesellschaft Oberentfelden auch eingehalten werden.

Gemeinderat reduzierte Zeiten

Im Jahre 2002 kaufte sich die Gemeinde Oberentfelden in der Schiessanlage Obertel im benachbarten Suhr ein, für immerhin 816 000 Franken. Die bisherige Anlage im Römergut stand aber weiterhin Kleinkaliber- und Pistolenschützen auf Kurzdistanz zur Verfügung, wurde allerdings immer mehr zu einem Mekka der Vorderlader-Liebhaber. Als der Gemeinderat Oberentfelden 2008 das Baugesuch für die Sanierung des Kugelfängers bewilligte, verfügte die Behörde gleichzeitig klare Regelungen für reduzierte Schiesszeiten, nicht zuletzt auf Drängen der Anwohnerschaft. Offenbar handelte es sich bei der Definition um das Resultat von mündlichen Vermittlungen des Gemeindeammanns, die erst 2009 aktenkundig wurden. Der verbindliche Schiessplan muss den direkt Betroffenen jeweils zugestellt werden.

Zweifache Beschwerde der SG

Gegen diese Massnahme erhob die Schützengesellschaft Oberentfelden Beschwerde beim Regierungsrat, die im Herbst 2009 abgewiesen wurde. Die Schützen zogen die Angelegenheit weiter an das aargauische Verwaltungsgericht. Sie pochten unter anderem namentlich auf 30 Schiesshalbtage jährlich für die Vorderladersektion. Der vom Gemeinderat «erzwungene Kompromiss» mit 25 solcher Schiesshalbtage sei für die Einsprecher «kaum spürbar, für die Schützen aber verheerend», liess sich die Gesellschaft vernehmen. Während die Anwohner im Römergut auf die Einschränkung des Schiesslärms auf ein umweltverträgliches Mass pochten, hatten vor allem die Vorderlader-Kracher Mühe mit den reduzierten Schiesszeiten. Diese stammten zudem grossmehrheitlich nicht aus der Gemeinde, sondern reisten von auswärts an und hätten mit Breiten- oder Schulsport nichts zu tun. Die Anwohnerschaft betont denn auch, dass sie «grundsätzlich» nichts gegen den Schiesssport oder gegen die einheimische Schützengesellschaft habe.

«Schiesslärm wird von der Mehrheit der Bevölkerung als störend empfunden», heisst es in der Begründung des Verwaltungsgerichtes zum Urteil, die Beschwerde abzuweisen. Als «lästig» würde vor allem «die unregelmässige Abfolge einzelner Knalleffekte» wahrgenommen, primär am Feierabend und am Wochenende. Deshalb erscheinen dem Gericht «Massnahmen zur vorsorglichen Emissionsbegrenzung» durchaus auch im Falle Oberentfelden «möglich und zulässig». Deshalb hat es die Beschwerde der Schützen abgewiesen und den geplagten Anwohnern Schützenhilfe gegeben. Für die Vorderladerschützen bleibt es also in Oberentfelden bei 25 Schiesshalbtagen, für die Pistolenschützen gemäss Lärmgutachten bei deren 90.

«Erzwungener Kompromiss»

Der unterlegenen SG Oberentfelden bleibt eine saftige Rechnung für die Verfahrenskosten und für den Rechtsanwalt. Das Urteil ist rechtskräftig geworden, die Frist für einen allfälligen Weiterzug ist Ende Juni dieses Jahres abgelaufen. Für die Gemeinde ist die Rechtslage jetzt klar, der «erzwungene Kompromiss» dürfte mindestens verfahrensmässig im Dorf wieder für Ruhe sorgen.

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