Im Tierpark Roggenhausen musste vor rund zwei Wochen eine Damhirschkuh geschossen werden. Das Tier hatte Symptome einer Herpes-Virus-Erkrankung gezeigt – der Erkrankung, die man im Dezember mit dem Abschuss der Mufflon-Herde hatte ausrotten wollen. Nach dem Abschuss kam die Entwarnung: «Bei der Untersuchung der Kuh an der Uni Zürich konnte das Virus nicht nachgewiesen werden», sagt Wildparkleiter Christoph Fischer. Das ist zwar eine gute Nachricht, und doch hinterlässt die kranke Damhirschkuh Fragezeichen. «Wir wissen nicht, woran sie erkrankt ist», sagt Fischer.

Im Dezember mussten im Tierpark Roggenhausen 17 Mufflons geschossen werden. Die Wildschafe waren Träger des Herpes-Virus, einer hochansteckenden Krankheit. Während das Virus den Schafen nichts anhaben kann, ist es für Hirsche tödlich: Drei Rothirsche und
16 Axishirsche starben am Virus. «Für Schafe ist das Virus ungefährlich, sie alle sind Träger», sagt Fischer. «Wenn das Virus aber auf einen Fehlwirt übergeht, bricht es aus und verläuft tödlich.» Nachdem die Krankheit ausgebrochen war, mussten die Mufflons abgetan werden – zu gross wäre die Gefahr einer Verschleppung gewesen.

Bisher war man davon ausgegangen, dass Damhirsche resistent gegen das Virus sind. Vor zwei Wochen dann zeigte eine Kuh die typischen Symptome: tränende Augen, schwankender Gang, Absondern von der Herde. «Zeigen Tiere diese Symptome, sind sie so krank, dass sie wenige Stunden später sterben», sagt Fischer. Für umfassende Abklärungen blieb keine Zeit. Die Kuh wurde geschossen, zu gross wäre die Gefahr eines erneuten Krankheitsausbruchs auf dem Gelände gewesen.

Das kleine, unbekannte Virus

Auch wenn die Damhirschkuh nicht am Virus erkrankt war, so ist die Gefahr noch immer nicht gebannt. Das Roggi-Personal muss weiterhin strenge Hygiene- und Quarantänevorschriften einhalten: «Wer ein Gehege verlässt, muss die Stiefel desinfizieren und sich umziehen», sagt Fischer. Auch wurde das Gelände im Mufflon-Gehege mit Kalk behandelt, um das Virus auszurotten. Möglich wäre theoretisch, dass Besucher das Virus einschleppen. Das sei das Restrisiko, das unvermeidbar sei, sagt Fischer. «Würden wir die Tiere komplett schützen wollen, müssten wir den Park schliessen.» Man hoffe jetzt, mit den Vorsichtsmassnahmen und guter Fütterung das Immunsystem der Tiere zu stärken und die Krankheit in den Griff zu bekommen. Das tönt vage – und ist es auch.

Das Problem: Über das Herpes-Virus ist kaum etwas bekannt. «Man kann das Virus nicht züchten und demnach auch nicht daran forschen», sagt Fischer. «Wir wissen kaum etwas darüber.» Warum das Virus, das in den Schafen ständig schlummert, bei einem Tier plötzlich ausgebrochen ist und die Roth- und Axishirsche angesteckt hat, ist bis heute nicht klar. Sicher ist nur, dass es ausbricht, wenn die Tiere geschwächt sind. «Wir arbeiten eng mit der Veterinärmedizin der Uni Zürich und unserem Park-Arzt Marc Bono zusammen», sagt Fischer. So hofft man, weitere Erkenntnisse zu gewinnen.