Küttigen hat kein Dorfmuseum – der Gemeinderat hat sich vor einigen Jahren dagegen entschieden. Prompt löste sich auch die Museumskommission auf. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, formierte sich aber eine «Kommission Kulturgut Küttigen», die sich seit 2012 um die historischen Schätze der Gemeinde kümmert. Sie hat in den letzten Jahren ein beeindruckendes Schaulager geschaffen, das am 21. Mai erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Die az durfte zusammen mit Kommissionspräsident Fred Schlatter und Aktuar Richard Wehrli schon einen Blick hineinwerfen.

Aufgemöbelter Zivilschutzraum

Der Eingang liegt gut versteckt in der Unterführung zwischen dem Gemeindehaus und der Schulanlage Stock. Durch einen kurzen Tunnel gehts in die Zivilschutzräume, wo das Schaulager untergekommen ist. Schon im Gang stehen Vitrinen, gefertigt aus alten Fensterrahmen der Liegenschaft Graf am Rain (1909), dahinter alte Suppentöpfe, Karaffen, Blechtrichter. Durch eine Tür – um 1870 hergestellt und von einem alten Haus in der Vorstadtstrasse übernommen – gehts rein ins Refugium. Der Blick fällt als erstes auf einen Hochzeitsschrank von 1755, dann auf einen Leiterwagen, der an der Decke hängt.

Fred Schlatter, Präsident der Kommission Kulturgut Küttigen, mit einem Rechen-ähnlichen Gegenstand, der den Verantwortlichen Rätsel aufgibt.

Fred Schlatter, Präsident der Kommission Kulturgut Küttigen, mit einem Rechen-ähnlichen Gegenstand, der den Verantwortlichen Rätsel aufgibt.

Die über Jahre gesammelten historischen Alltagsgegenstände, die hier zu sehen sind, stammen zu einem grossen Teil aus Hausräumungen. Sie waren bis 2012 in einem gemieteten Raum am Stichweg aufbewahrt. Das wurde der Gemeinde zu teuer, sie ordnete die Züglete in den gemeindeeigenen Zivilschutz-Raum an.

Jahrelang hat die Kommission die kahlen Räume in Eigenregie renoviert, die Exponate in einen präsentablen Zustand gebracht und inventarisiert. Für Letzteres war Richard Wehrli zuständig, der, so erzählt er lachend, mehr von Datenbanken versteht als von Kultur.

Viel lesen muss man nicht

Die rund 1000 Ausstellungsstücke sind thematisch geordnet, liegen und hängen teils auf massgefertigten Holzregalen, die dem kühlen Zivilschutzraum etwas Heimeliges geben. Schnell wird klar, warum sich die Anlage «Schaulager» und nicht «Museum» nennt – es fehlt nämlich die didaktische Komponente. Nur wenige Objekte sind mit kleinen Infotafeln versehen. Das macht aber nichts – bei den meisten Gegenständen kann man sich denken, wofür sie einst gebraucht wurden. So kommt man ohne viel Lesen aus und spinnt sich die Geschichten zu den ausgestellten Werkzeugen, Spielsachen oder Möbeln einfach selber zusammen.

Fragt man Richard Wehrli und Fred Schlatter nach ihrem Lieblinsstück, zieht es die beiden Herren in den hinteren Teil der Ausstellung. Dort stehen Backsteine, gefertigt von der Klosterziegelei St. Urban, später verbaut in einem heute nicht mehr existierenden Portal der Kirche auf dem Küttiger Kirchberg. «Sie stammen aus dem 12. Jahrhundert und sind unsere ältesten Ausstellungsstücke», sagt Schlatter. Allerdings nur ausgeliehen von der Kirchgemeinde.

Seltsamer Rechen gibt Rätsel auf

An den Ausstellungstagen wird immer ein Mitglied der Kommission im Schaulager zugegen sein und Fragen beantworten. Es gibt allerdings Gegenstände, die den Schaulager-Verantwortlichen Rätsel aufgeben. Da ist zum Beispiel ein hölzernes Objekt. Eine Art Rechen wird es wohl sein mit dem langen Stil und den hölzernen Zinken. Aber diese sitzen auf einem Kasten. «Wir wissen nicht, was es ist und wozu es benutzt wurde», sagt Fred Schlatter, der bis zu seiner Pensionierung für die Aargauer Denkmalpflege gearbeitet hat. «Deshalb hegen wir auch die Hoffnung, dass uns Besucher etwas über die Gegenstände erzählen können, zu denen wir noch wenig Informationen haben.» Diese wertvolle Geschichtsschreibung durch Erzählungen von Zeitzeugen nennt sich «Oral History».

Bisher war das Schaulager nur für ganz wenige Besucher geöffnet. Zum Beispiel für die Gemeindeammänner des Bezirks Aarau. «Die Rückmeldungen waren überraschend positiv», sagt Richard Wehrli bescheiden. «Dabei ist das ja kein richtiges Museum hier, was sind wir schon im Vergleich mit dem Aarauer Schlössli?»

Stadtpräsidentin Jolanda Urech sieht das ein bisschen anders: «Küttigen darf stolz sein auf sein Schaulager. Mit Herzblut und Fachwissen hat die Kulturgutkommission vielfältige Gegenstände aus der Küttiger Vergangenheit zusammengetragen und einen Ort der Dorfgeschichte und Erinnerung geschaffen. Der Besuch hat mich sehr beeindruckt.»

Öffnungszeiten Schaulager historische Sammlung Küttigen: 21. Mai, 4. Juni, 18. Juni. Jeweils 14 bis 17 Uhr. Eintritt frei.