Zum Publikumserfolg «Blumen für die Kunst» (über 18'000 Besucher) gab es kaum kritische Stimmen. «Wunderbar» fanden sie auch Susi und Lukas Frey aus Baden sowie Marietta Barazetti aus Aarau. Im Leserbrief in der gestrigen AZ kritisieren sie aber «die unsäglichen Handyfotografen», die «ständig die Sicht auf die wunderschönen Blumenkompositionen versperrten». Sie fordern das Kunsthaus Aargau auf, für die nächste Ausgabe der Ausstellung ein Fotoverbot zu erlassen.

Auf Anfrage der AZ bestätigt Kunsthaus-Direktorin Madeleine Schuppli: «Dem Team des Aargauer Kunsthauses ist bereits in den letzten Jahren aufgefallen, dass viele Besucher und Besucherinnen das Handy nutzen, um Erinnerungen an Ausstellungsinstallationen festzuhalten.» Während «Blumen für die Kunst» sei das Thema «besonders virulent» gewesen.

«Viele Leute mögen keine künstlich gefärbten Blumen, aber hier sind sie am richtigen Ort»

«Viele Leute mögen keine künstlich gefärbten Blumen, aber hier sind sie am richtigen Ort»

Starflorist Solomon Leong macht den letzten Schliff an seinem Beitrag zur Ausstellung und spricht über seine Interpretation.

Für das Kunsthaus muss dies ein zweischneidiges Schwert sein. Einerseits sind Fotos von begeisterten Ausstellungsbesucher, die ihren Weg auf Social Media oder in den Familien-Gruppen-Chat finden, beste Werbung. Andererseits geht vielen Kunstliebhabern das Verständnis für diejenigen, die bei jeder Gelegenheit das Handy zücken müssen, ab. Madeleine Schuppli schreibt denn auch diplomatisch in ihrer Stellungnahme: «Das Team des Aargauer Kunsthauses beobachtet mit dem Aufkommen besserer Kameras in Smartphones eine Zunahme des ‹Betrachtens durch die Handykamera›. Es handelt sich um ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen, jedes besondere (Seh-)Erlebnis mit der Kamera dokumentieren zu wollen. Dass andere sich dadurch gestört fühlen können, dafür haben wir Verständnis.»

Dennoch: Ein Fotoverbot zieht das Kunsthaus nicht in Betracht. Weder generell noch für «Blumen für die Kunst». Ausnahmen bilden lediglich besonders gekennzeichnete Werke, die aus urheberrechtlichen Gründen nicht fotografiert werden dürfen; ausserdem ist der Blitz tabu.

Wer sich an den Handyfotografen stört, dem empfiehlt das Kunsthaus-Team für das nächste Jahr einen Besuch vor 10 Uhr oder zwischen 17 und 20 Uhr. Dann habe es weniger Leute, auch habe man zu diesen Zeiten «das Phänomen» Handy-Fötteler weniger beobachtet.