Nach der überraschenden Auftaktniederlage gegen Aufsteiger Aïre-le-Lignon haben die FC-Aarau-Frauen so richtig Fahrt aufgenommen. Sechs Matches in Serie haben die Aarauerinnen in der laufenden NLB-Meisterschaft gewonnen und grüssen mit fünf Punkten Vorsprung von der Tabellenspitze. Entsprechend zufrieden ist Trainer Andreas Zürcher.

Und er kennt auch den Grund für den Erfolg: «Wir haben einen gesunden Konkurrenzkampf in der Mannschaft. Das führt dazu, dass alle Spielerinnen in jedem Training ihr Bestes geben müssen, weil sie sonst nicht spielen. Trotzdem glaube ich, dass sich alle Spielerinnen im neuen Gefäss FC-Aarau-Frauen-Leistungsfussball wohlfühlen.»

Schnell überzeugt

Das scheint insbesondere auf die Aarauer Angriffsabteilung zuzutreffen. Mit 25 Toren haben die FC-Aarau-Frauen am meisten Treffer in der NLB erzielt. Sinnbildlich dafür steht die 20-jährige Stürmerin Julia Höltschi, die in der laufenden Meisterschaft bereits neunmal getroffen hat. Ausgerechnet sie, die vor etwas mehr als einem Jahr noch in den Niederungen der 4. Liga beim FC Meisterschwanden gespielt und sich aus eigenem Antrieb bei Andreas Zürcher um ein Probetraining bei den FC-Aarau-Frauen bemüht hatte. «Es hat mich einfach gereizt, mich auf viel höherem Niveau zu beweisen», sagt Höltschi, die von ihren beiden älteren Brüdern vom Fussballvirus angesteckt wurde.

Von der tiefsten Frauenliga in die Nationalliga B – das ist eine andere Welt. Entsprechend fiel auch die erste Reaktion von Andreas Zürcher aus. «Als Julia mir am Telefon gesagt hat, dass sie in der 4. Liga spielt, habe ich schon nach einer möglichst schonenden Formulierung gesucht, um ihr zu sagen, dass sie keine Chance hat bei uns», gibt der FCA-Coach rückblickend zu. «Doch dann sagte sie mir, dass sie in einer halben Saison 68 Tore geschossen hat. So etwas hatte ich noch nie gehört.»

Das Interesse von Zürcher war geweckt. Höltschi besuchte ein Probetraining und wusste zu überzeugen. «Schon nach zehn Minuten sagte ich ihr, dass sie künftig bei uns spielen wird. Ihr Zug zum Tor und ihr Wille haben mich überzeugt», blickt Zürcher zurück.

Sie arbeitet im Altersheim

Trotzdem brauchte Höltschi, die nun ihre zweite Saison im Dress der FC-Aarau-Frauen spielt, einige Monate, bis sie sich an das höhere Niveau gewöhnt hatte. «Das Tempo war viel schneller und vor allem im taktischen Bereich musste ich noch enorm viel lernen», so Höltschi, die ihren Trainingsaufwand in Aarau mehr als verdoppelt hat. Bis zu fünf Trainings, statt bloss deren zwei – das verlangt einiges an Organisation, denn Julia Höltschi ist als Fachfrau Gesundheit in einem Altersheim in Menziken tätig und arbeitet daher im Schichtbetrieb.

«Ich bin sehr froh, dass mir sowohl mein Arbeitgeber als auch die FC-Aarau-Frauen entgegenkommen und ich so flexibel trainieren kann», sagt Höltschi, die mittlerweile definitiv in der NLB angekommen ist. Gut ein Jahr, nachdem sie die 4.-Liga-Saison mit unglaublichen 103 Toren abgeschlossen hatte, führt sie die Torschützenliste der Nati B an. Doch ihr Ziel hat sie damit noch nicht erreicht. «Für mich gibt es nur eins: Ich will mit den FC-Aarau-Frauen in der Nationalliga A spielen. Am liebsten schon nächstes Jahr.»

Nächstes Spiel: Samstag, 12 Uhr, Heerenschürli in Zürich, FC-Zürich-Frauen U21 – FC-Aarau-Frauen.