Aarau
Die teuerste Villa der Stadt: Aarauer Schönheitschirurg würde gerne verkaufen

Schönheitschirurg Jürg Schiffmann besitzt eines der teuersten Häuser der Stadt Aarau. Jetzt will er die Villa an bester Lage neben dem Binzenhof verkaufen. Kein einfaches Unterfangen. Schiffmann ist aber zuversichtlich.

Samuel Schumacher
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«Am liebsten eine Familie mit drei Kindern»: Das Ehepaar Jürg und Marie-Thérèse Schiffmann vor der Villa, in der es seit 28 Jahren wohnt.

«Am liebsten eine Familie mit drei Kindern»: Das Ehepaar Jürg und Marie-Thérèse Schiffmann vor der Villa, in der es seit 28 Jahren wohnt.

Samuel Schumacher

Jürg Schiffmann, frisch pensionierter Schönheitschirurg und Besitzer einer Zehneinhalb-Zimmer-Villa an bester Aarauer Lage neben dem Binzenhof, steht auf dem frisch gemähten Rasen seines Gartens und zeigt auf die Krone einer riesigen Blutbuche. «Da oben irgendwo hängt meine Drohne, die hab ich aus Versehen dahin verfrachtet», so Schiffmann. «Beim nächsten Gewitter fällt sie sicher wieder runter.»

Würde Schiffmann nicht das Gewitter abwarten, sondern zu seiner Drohne hochklettern, dann hätte er einen wunderbaren Rundumblick über das Anwesen, das er mit seiner Frau und den beiden Kindern 28 Jahre lang bewohnt, belebt und bewirtschaftet hat. Er sähe die 5000 Quadratmeter Land mit den alten Bäumen und grünen Matten, er sähe den Pool und das dazugehörige Häuschen, er sähe seine Villa, Baujahr 1917, und den Kieselstein-Wendeplatz vor dem Eingang, und er sähe die Gärtner, die unten im Garten den Sommerflor in Schuss bringen. Die Gärtner seien nur ab und zu hier, betont Schiffmann. «Meine Frau und ich machen das allermeiste in und rund um das Haus selber.»

Das Haus sei für ihn ein wahres Liebhaberobjekt, wie für andere ihr Oldtimer oder ihre Stradivari. «Ich habe eine Verantwortung für dieses historische Anwesen, gegenüber mir selbst und auch gegenüber der Stadt Aarau», sagt Schiffmann. Er hat viel Arbeit und Geld investiert. Jetzt aber möchte er diese Verantwortung abgeben, am liebsten an eine junge Familie, die – genau wie er damals Ende der 80er-Jahre – hier einziehen und dem Schmuckstück am Waldrand Sorge tragen wird. Schiffmann will das Haus verkaufen, für 3,94 Millionen Franken.

Junk-Makler und Anstand

Damit ist Schiffmanns Villa das teuerste und grösste zum Verkauf stehende Haus in Aarau, mit Abstand. Seit drei Jahren ist es auf dem Markt, ernst gemeinte Angebote hat Schiffmann bis heute keine erhalten. Kein Wunder bei dem Preis, mag man sich denken. Doch Schiffmann macht klar: «Das ist kein Fantasiepreis, sondern ein anständiger Verkaufspreis.» Ein offizieller Schätzer habe das Haus einst auf knapp sechs Millionen Franken geschätzt. Ein befreundeter Makler aus Zürich habe ihm aber gesagt, dass sich in Aarau nichts verkaufen lässt, was mehr als eine Drei vor dem Komma habe. Also hat Schiffmann den Verkaufspreis nach unten korrigiert, hat «schweizerischen Anstand» walten lassen, wie er sagt. Seither wartet er auf einen Käufer. Dass einer kommen wird, davon ist er fest überzeugt. Villen wie seine sind schliesslich wahre Raritäten.

Schiffmann erinnert sich gut daran, wie er selbst vor 28 Jahren nach Aarau kam, in der Stadt seine Praxis eröffnete und sich nach einer schönen Bleibe umsah. Das Haus gehörte damals einer Pensionskasse. «Man hat mir das Haus mehrmals zum Kauf angeboten», erinnert sich der prominente Schönheitschirurg. Die Besitzer brauchten dringend jemanden, der einziehen und das Grundstück unterhalten würde. Auch aus Sicherheitsgründen. «Wenn dieses Haus nicht bewohnt ist, geht es nicht lange und Vandalen und Einbrecher stehen vor der Tür», erklärt Schiffmann. 1988 zügelte er mit seiner Familie an den Landhausweg, vorerst allerdings nur als Mieter. «Den Mietpreis konnte ich selbst bestimmen», erinnert sich Schiffmann. Nach einer Weile kaufte er das Haus, «für einen vernünftigen Preis», und genau so, zu einem «vernünftigen Preis», soll es nun an die nächsten Besitzer übergehen.

Wenn sich Schiffmann seine Nachfolger auswählen könnte, dann hätte er am liebsten eine Familie mit drei kleinen Kindern, einem hohen Einkommen, einem Flair für Technik und einem grünen Daumen. «Wenn wir so jemanden finden, dann verhandeln wir natürlich gerne über den Preis und können uns auch einen Zahlungsmodus vorstellen, bei dem die Familie das Haus zuerst mietet und dann allmählich abzahlt», betont Schiffmann.

Gibts eine Altersresidenz?

Übers Ohr hauen lasse er sich aber keinesfalls. «Wir haben immer wieder Anrufe von Immobilienprofis, die uns einen tieferen Verkaufspreis aufschwatzen wollen.» Solche Angebote empfindet Schiffmann als «Frechheit», genau wie die Schätzungen gewisser «Junk-Makler», die «Spottpreise» für das Haus vorschlagen, in der Hoffnung, möglichst rasch einen Käufer zu finden und mit möglichst geringem Aufwand ihre Provision von ein paar Prozent des Verkaufspreises einzustreichen. «Einen von denen hatten wir mal an unserem Esstisch zu einem Gespräch», erzählt Schiffmann. Nach zehn Minuten habe er die Verhandlung abgebrochen. «Schweizerischer Anstand», sagt Schiffmann, sei das Minimum, was er von all den Maklern, die ihr Glück versuchten, erwarte.

Die Villa sei ihre 3,94 Millionen jedenfalls wert. Nicht nur das grosse Grundstück und die historische Bausubstanz (u.a. mit Original-Malereien des Aarauer Malers Gerold Hunziker) würden den Preis rechtfertigen, auch die unsichtbaren Faktoren wie die moderne Technik und die à jour gehaltenen Leitungssysteme hätten ihren Preis.

Doch was, wenn sich kein privater Käufer finden lässt? «Dann wäre auch eine Umnutzung beispielsweise als Klinik oder als Schulungszentrum für den an unser Grundstück angrenzenden Schaubauernhof denkbar, auf dem die Ortsbürger den Kindern zeigen wollen, dass die Milch nicht aus dem Tetrapack kommt», sagt Schiffmann. Schulungsräume wären für dieses Projekt ein Bedürfnis und sein Haus eigentlich der ideale Ort dafür. Das Haus am Landhausweg wäre zudem bei weitem nicht die erste historische Villa in der Stadt, die aus dem Besitz oft reicher Industrieller in die Hände der Stadt übergingen und inzwischen öffentlich genutzt werden.

Ideal wäre dieses Schicksal aber nicht, meint Schiffmann. «Es wäre schade, den authentischen Innenausbau, die Stuckatur-Decken und die Kunst im Haus zu opfern, was bei den Umbauarbeiten für eine öffentliche Nutzung wohl nicht zu verhindern wäre.» Trotzdem: Gewisse Umnutzungs-Projekte würden grossen Anklang finden. Das weiss Schiffmann. Die Idee, das Haus als Altersresidenz umzunutzen, zum Beispiel: «Wir haben bereits eine Interessentin, die uns definitiv zugesagt hat, dass sie eine Alterswohnung auf unserem Grundstück kaufen würde.»

Auch er selber hat sich mit seiner Frau vor einiger Zeit eine Alterswohnung erworben. Doch bevor er seine Villa nicht verkauft hat, bleibt er am Distelberg. «Dieses Haus darf man nicht alleine lassen, man muss es hegen und pflegen. Alles andere wäre jammerschade», sagt Schiffmann. Und so ist die Situation des Ehepaars Schiffmann gar nicht so unähnlich wie jene der Drohne in der Blutbuchenkrone: Beide sind sie derzeit gefangen, die eine im Geäst, die anderen in ihrem teuren Liebhaberobjekt.

«Stimmt nicht ganz», meint Schiffmann zu dem Vergleich. «Wir sind nicht gefangen, sondern sind in der komfortablen Situation, auf den richtigen Moment und den richtigen Käufer warten zu können.» Und auch die Drohne stört sich wohl kaum über ihre momentane Situation. Das Gewitter, das sie zurück auf den Boden bringen wird, kommt wahrscheinlich sogar noch etwas früher als der Käufer von Schiffmanns Villa. Besonders in einem Sommer wie diesem.

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