Aarau
Die Tellianer ticken auch an einem Wahlpodium anders

GZ-Leiter Bischofberger und QV-Präsident Eichenlaub fühlten den Stadtpräsidiumskandidaten auf den Zahn. Am spannenden Wahlpodium glänzten die Telli-Bewohner leider durch Abwesenheit.

Hubert Keller
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Die Telli funktioniere wie eine Stadt in der Stadt, sagt Jolanda Urech.

Die Telli funktioniere wie eine Stadt in der Stadt, sagt Jolanda Urech.

Walter Schwager

Das Stabilo-Programm, mit dem der Aarauer Finanzhaushalt ins Lot gebracht werden soll, lag am Eingang auf. Damit man sich orientieren könne, wo überall gespart werden soll. Wird also auch bei den Schulanlagen in der Telli gespart? Oder an der Tellistrasse, deren Beruhigung der Stadtrat doch für die Zeit nach der Eröffnung des neuen Staffeleggzubringers versprochen hatte?

Das Wahlpodium mit den drei Stadtpräsidiumskandidaten im Gemeindeschaftszentrum GZ Telli moderierten Samuel Eichenberger, Präsident des Quartiervereins Telli, und Hans Bischofberger, Leiter des GZ Telli. Sie schonten Jolanda Urech, Lukas Pfisterer und Martin Häfliger nicht. Sie fragten direkt und ungeschminkt, hakten nach, und wenn ein Kandidat abschweifte, scheuten sie sich nicht zu unterbrechen.

Und da war auch noch der Wirt vom Telli-Egge, Walter Zimmermann, der mit seiner unverblümten Art auf den Busch klopfte: «Ich glaube keine Sekunde daran, dass auf der Tellistrasse der Verkehr weniger wird.» Stadträtin Jolanda Urech war gefordert und konnte selbstverständlich auch nicht versprechen, dass der Verkehr abnimmt. Sie verspricht sich von einem guten Verkehrsmanagement aber, dass die Plafonierung des heutigen Verkehrsaufkommens von rund 15 000 Fahrzeugen eingehalten werden kann.

Wenn man sie in Ruhe lässt

Zur Enttäuschung von Hans Bischofberger nahmen nur wenige Tellianer am Podium teil. Die knapp 30 Gäste hatten sich zu einem grossen Teil aus den anderen Quartieren in die Telli bequemt. Hat es mit der Befindlichkeit der Tellianer zu tun, die, wie Bischofberger meinte, froh sind, wenn man sie in Ruhe lässt, sich aber dennoch von den anderen Stadtquartieren herabgesetzt fühlen?

Er habe auch Kunden in der Telli, meinte Martin Häfliger, aber er wisse von keinem, dass er nicht gerne in der Telli wohnen würde. Häfliger übrigens hatte ein leichtes Spiel. Als Kandidat, der noch nicht als Stadtrat in der Verantwortung steht, konnte er sich mit einem genüsslichen Lächeln im Gesicht zurücklehnen, wenn seine Mitkonkurrenten um schlüssige Antworten rangen.

Locker und präsent

Alle drei machten einen lockeren, präsenten Eindruck. Das Standortmarketing müsse sich stärker dem Telli-Quartier annehmen, meinte Pfisterer, das Quartier habe nämlich ein grosses Entwicklungspotenzial – und funktioniert, wie Urech erklärte, wie eine Stadt in der Stadt: «Es ist mit Einkaufsmöglichkeiten, Kinderbetreuung und Schulen, Gemeinschaftszentrum und Naherholungsgebiet, vorbildlicher Nachbarschaftshilfe und integrativer Kraft autonom.»

Und, wie steht es mit der Schule? Durch den Systemwechsel auf 6 Primar- und 3 Oberstufenklassen ist es auch in den Telli-Schulhäusern eng geworden. Dass sich drei Schulen, Primarschule, Zentrum für Körperbehinderte ZK und Heilpädagogische Sonderschule HPS, die zwei Schulhäuser teilen, macht die Sache nicht einfacher, wie Pfisterer ausführte. «Unterschiedliche Interessen und vertragliche Bindungen verhindern einfache Lösungen.»

Immerhin geht es mit dem Kindergartenanbau vorwärts. Und der Aufstockung der Primarschule dürfte nichts im Weg stehen, auch wenn das Container-Provisorium aus Kostengründen abgelehnt worden ist. «Die lärmigen Arbeiten werden am Nachmittag ausgeführt», versprach Pfisterer.

Tellianer vermissen den Steg

Mit 21 zu 20 Stimmen lehnte der Einwohnerrat im Juni letzten Jahres den Velo- und Fussgängersteg zwischen Aarenau und Telli ab. «Nice to have», unter den gegebenen finanziellen Umständen konnte dieses Argument nicht genügen. Doch die Tellianer vermissen den Steg. Auch Jolanda Urech, die zwar für das Geschäft nicht zuständig war, die Versenkung des 2,6-Mio.-Projekts aber ebenfalls sehr bedauert: «Jetzt ist der Zug abgefahren.»

«Wo sparen Sie als Stadtpräsident, als Stadtpräsidentin sicher nicht?», wollten Bischofberger und Eichenlaub wissen. Diesbezüglich kennt Pfisterer keine Tabuzone: «Auch bei der Bildung kann man sparen, wenn zum Beispiel kostenbewusster gebaut wird.» Urech und Häfliger waren sich einig: Kein Nachgeben bei der Bildung. «Und bei den stützenden Massnahmen wie etwa der Schulsozialarbeit», ergänzte Urech.

«Würde man von Aarau in der übrigen Schweiz reden, wenn es die Telli-Blöcke nicht gäbe, und den FCA, seit er wieder in der obersten Liga spielt?», fragte Bischofberger, ohne eine Antwort zu erwarten. «Die Tellianer», so Bischofberger, «ticken anders als die übrigen Aarauer.» Sie sind offensichtlich auch stolz auf ihr Quartier – und auf Aarau.

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