Suhr

Die Suhrer Schule profitiert seit Jahren von einem Koffer voll Geld

Robert Jost sucht dringend neue Genossenschafter.

Robert Jost sucht dringend neue Genossenschafter.

Mit dem grossen Batzen der Genossenschaft Ferienhilfe Schule Suhr geniessen die Suhrer Kinder ein kantonsweites Privileg. Das Geld stammt aus dem Verkauf des Ferienhauses im Bündnerland.

Schneetag, Klassenlager, ein Ausflug ins Papillorama – die Liste der Ferien- und Freizeitveranstaltungen der Schule Suhr ist lang. Und exklusiver als an den meisten anderen Aargauer Schulen. Möglich macht diese Ausflüge zu einem grossen Teil die Genossenschaft Ferienhilfe Schule Suhr. Sie unterstützt die Schule seit 1988 jedes Jahr mit 25 000 Franken. Der Geldhahn könnte aber bald zudreht werden: Finden sich nicht mehr junge Genossenschafter, droht die Auflösung; das Genossenschaftsvermögen würde an die Gemeinde übergehen.

Doch der Reihe nach: Zu verdanken hat die Schule diesen grossen Batzen rund 160 Suhrer Bürgern, die anno 1960 unter der Federführung von Schulpflegepräsident Hermann Däster und Gemeindeschreiber Adrian Ingold die «Genossenschaft Ferienhaus der Gemeinde Suhr» gründeten. «Es war die Zeit, in der sich fast alle Gemeinden ein Ferienhaus leisteten», sagt Präsident Robert Jost. Weil die Gemeinde sich aber kein solches Haus leisten wollte, wurden Private, Unternehmen, Vereine und Ortsbürger aktiv.

Hoch emotionale GV

Für wenig Geld kaufte die Genossenschaft in Madulain im Oberengadin ein altes Wohnhaus und in der Nachbargemeinde 10 000 Quadratmeter Land. Nach der Sanierung des Hauses fuhren 1963 die ersten Schüler ins Skilager, in den schwachen Betriebsmonaten wurde es dem Militär vermietet. So ging das bis Mitte der Achtzigerjahre.

1987 beschloss die Genossenschaft an der Generalversammlung mit grosser Mehrheit, das Haus zu verkaufen. Das Militär hatte eine eigene Kaserne gebaut, die Mieteinnahmen fielen aus. Ausserdem waren die Ansprüche der Schüler gestiegen und die Infrastruktur des Skigebietes zu schlecht, um die Kinder noch in die Lager zu locken. Dazu kamen dringliche bauliche Massnahmen, die hätten durchgeführt werden müssen. Kostenpunkt: rund 1,2 Millionen. Geld, das die Genossenschaft nicht hatte und auch nicht auftreiben konnte. An der Generalversammlung ging es hoch emotional zu und her, erinnert sich Jost. Fünf von sieben Vorstandsmitgliedern traten sofort zurück. Jost – anhin Genossenschafter und Lagerkoch – wurde überraschend zum Präsidenten gewählt und die «Genossenschaft Ferienhaus der Gemeinde Suhr» zur «Genossenschaft Ferienhilfe Schule Suhr».

Mit einem Zmittag im Bauch nach Hause

1988 verkaufte die Genossenschaft Haus und Land an eine private Bündner Investorengruppe, die auf dem Land Wohnraum für junge Familien baute. «Dem Vorstand war wichtig, dass der Flecken für ein Projekt ohne Profitgedanken genutzt wird», sagt Jost. 1,9 Millionen Franken blätterten die Investoren bar auf den Tisch, Jost und Kassiererin Lisbeth Häusermann packten es in einen Koffer und fuhren heim. «Wir haben nur Zmittag gegessen und sind sofort wieder zurück gefahren, um das Spesenkonto nicht noch mit einer Übernachtung zu belasten», sagt Jost und lacht. Nach Abzug diverser Darlehen, Gewinn- und Handänderungssteuern blieb ein Betrag von 1,2 Millionen übrig, der in 23 Anlagen angelegt wurde.

Privileg ist gefährdet

Seit damals ist das Vermögen auf 1,9 Millionen angewachsen, und jährlich – so sehen es die Statuten vor – werden mit den Zinsen schulische und Jugendveranstaltungen unterstützt. Bis heute wurden Zahlungen in der Höhe von 750 000 Franken geleistet. Damit geniesst die Suhrer Schuljugend ein absolutes Privileg. Die Genossenschaft ist laut Präsident Robert Jost ein Unikum in der Aargauer Schullandschaft. «Die Schule Suhr kann Sachen machen, die sich keine andere Schule im Kanton leisten kann.»

Doch jetzt ist dieses Privileg gefährdet: «Wir brauchen dringend neue Genossenschafter, die einen einmaligen Anteilsschein zeichnen», sagt Jost. Waren es einst rund 300, ist der Bestand auf 85 im Jahr 2012 zusammengeschrumpft. «Ausgetreten ist kaum jemand, es sind alle gestorben.» Dank viel Werbung habe sich die Zahl wieder auf 130 erholt, es braucht aber noch mehr, insbesondere für den Vorstand. Denn wird die Genossenschaft aufgelöst, geht das Geld abzüglich der Genossenschaftsanteile an die Einwohnergemeinde Suhr über.

«Werk nicht sterben lassen»

Das will Jost verhindern, auch wenn die Gemeinde das Geld nur zur Unterstützung Schüler und Jugendlicher einsetzten dürfte. Dieses kantonsweit einzigartige Werk dürfe man nicht sterben lassen, sagt Jost. «Auf den Computerbildschirmen und aus den Schulzimmerfenstern sehen die Kinder nicht die Welt. Wenn wir ihnen durch die Finanzierung von Ausflügen und Projekten eine Horizonterweiterung ermöglichen können, ist das doch wunderbar.» Und was springt für die Genossenschafter heraus? Jost lacht. «Eine gute Tat fürs Gemüt und ein feines Znacht an der GV.»

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