Man sieht es der Suhrebrücke an der Tramstrasse nicht an: Sie und die Brücke über die Wyna nördlich des Möbel Pfister sind die beiden ältesten Brücken im Kanton, über die der Verkehr heute noch rollt. Beide stammen aus dem Jahr 1770, also noch aus bernischer Zeit, und beide sind im Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) verzeichnet. Aber anders als die Wynenbrücke gibt sich jene über die Suhre weniger als historisches Bauwerk zu erkennen.

Das solide Gewölbe aus Kalksteinquadern ist nur vom Flussbett her zu sehen. Das liegt daran, dass die Brücke schon zweimal verbreitert wurde, 1948 auf beiden Seiten. Und nun, im Zuge der gross angelegten Sanierung der Kantonsstrassen in Suhr, steht die dritte Verbreiterung an. Nachdem die WSB-Schienen aus der Tramstrasse herausgerupft wurden, erfolgt in der Nacht von morgen Donnerstag auf Freitag der Hauptakt der Brückenverbreiterung.

Zwei Meter fürs Trottoir

Auf der Nordseite wird ein zwei Meter breites und 34 Tonnen schweres Brückenelement angesetzt. Weshalb diese Massnahme nötig ist und wie der Prozess abläuft, erklärt gegenüber der AZ Roberto Scappaticci, stellvertretender Sektionsleiter Brücken und Tunnel im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU): Nach der Sanierung und Verbreiterung der Fahrbahn fehlt an der Tramstrasse über die Suhre das Trottoir.

«Was wir hier machen», sagt Bauingenieur Scappaticci, «ist an sich keine grosse Sache.» Aber mit Kosten von über 500'000 Franken müsse man trotzdem rechnen. Solange das Gewölbe der Brücke aus dem 18. Jahrhundert belastet bleibe, sagt Scappaticci, halte es quasi ewig. «Nimmt man die Belastung weg, entsteht dagegen ‹Blätterteig›.» Die Brücke zu erhalten mache durchaus Sinn, auch wenn die Denkmalpflege ihr Herz wohl mehr an jene über die Wyna gehängt habe. «Hätte man einen Neubau gewählt», so Scappaticci, «hätte man etappiert bauen müssen.» Sprich: Das Ganze hätte mehr Unannehmlichkeiten für den Verkehr verursacht. Die Brücke wird nun so instand gestellt, so der Fachmann, «dass sie sicher noch 50 Jahre ohne grössere Massnahmen überlebt». Die Widerlager wurden übrigens gegenüber den früheren schon ein wenig abgesenkt. Dies mit Blick darauf, dass längerfristig auch eine Tieferlegung des Flussbetts geplant ist.

Sperrung maximal eine Stunde

Was geschieht nun in der Nacht auf Freitag? Scappaticci zeigt die vorbereiteten Widerlager, auf die das Brückenelement gesetzt wird. Am Donnerstag, ab 22 Uhr wird ein Mobilkran zwischen Suhre und neuer Post in Position gebracht und mit einem 80 Tonnen schweren Gegengewicht belastet. Um 00.01 Uhr wird die Tramstrasse für maximal eine Stunde gesperrt. Scappaticci weiss, dass eine so genaue Zeitangabe erklärungsbedürftig ist: «Dann verkehrt der letzte Bus. Nachher machen wir zu.»

Ist der Verkehr aus dem Gefahrenbereich eliminiert, führt ein Tieflader das Betonelement so nahe an die Brücke heran, dass es für den Mobilkran erreichbar wird. «Sobald das Element am Haken des Mobilkrans hängt und von der Gefahrenzone weg ist», sagt Scappaticci, «fährt der Tieflader weg und die Strasse wird wieder freigegeben.» Dann beginnen die Arbeiten unter der Brücke, wobei in der Nacht nur das Nötigste erledigt wird. Das neue Element wird nach Scappaticcis Angaben so platziert und gesichert, dass es am Freitagmorgen ab 7 Uhr – mit Beton – mit der alten Brücke zu einem einzigen Block verbunden werden kann, dies jedoch ohne Verkehrsbehinderungen.