In Auenstein und Veltheim liegen noch bis zum 16. April die Unterlagen für die Erweiterung des Steinbruchs Jakobsberg-Egg öffentlich auf. Derzeit geht es um die die Teiländerung der Nutzungsplanung (Abbauzone). So soll der Materialabbau zugunsten der Jura Cement Fabriken AG (JCF) für eine weitere Abbauetappe sichergestellt werden.

Konkret handelt es sich um eine Erweiterung des Materialabbaugebiets um eine Fläche von rund 10,5 Hektaren, auf denen über die nächsten Jahre (beginnend ca. 2022, bis etwa 2050) etappenweise ungefähr 9 Millionen Kubikmeter Rohmaterial – Kalk und Mergel – für die Zementproduktion abgebaut werden. Der Rohstoff wird via Förderband ins Zementwerk ennet der Aare transportiert.

Im letzten Herbst hatte das Mitwirkungsverfahren dazu stattgefunden. In Auenstein gingen fünf einzelne Eingaben und eine Sammeleingabe mit 122 Unterschriften ein. Letztere kam von der Vereinigung «Pro Auenstein» um Angélique Flach und Sämi Richner.

Bis 200 Meter ans Wohngebiet

Im Zuge der Auflage ist nun der Mitwirkungsbericht einsehbar. Er zeigt, dass die Bedenken vielfältig sind und die Teiländerung der Nutzungsplanung wohl nicht ganz ohne Einsprachen über die Bühne gehen wird.

Unter anderem hatten Anwohner im Mitwirkungsverfahren moniert, das neue Abbaugebiet komme viel zu nahe an die Wohnzone. In der planerischen Beurteilung heisst es dazu, eine gesetzliche Grundlage zum Abstand zwischen Steinbrüchen und Wohngebieten fehle, weshalb ein Abstand von 200 Metern zulässig sei.

Der Gemeinderat und die JCF stellen sich beide auf den Standpunkt, dass mit dem privatrechtlichen Vertrag, den sie abgeschlossen haben und der die JCF zur Begrenzung der Emissionen (Erschütterungen, Lärm, Staub) verpflichtet, sichergestellt ist, dass die Grenzwerte eingehalten werden – unabhängig von der Distanz zum Steinbruch. Der Fachbericht definiert ausserdem weitere Massnahmen; etwa, dass Tagabbaugeräte nur unterhalb der Geländekante eingesetzt werden dürfen, wodurch der Lärm eingedämmt wird.

In der Mitwirkung wurde auch eingebracht, eine weitere Zerstörung der Landschaft sei nicht zu verantworten. «Wir haben dem Jurapark zugestimmt», wird eine Eingabe im Mitwirkungsbericht zitiert. Der Gemeinderat findet, von Zerstörung könne keine Rede sein, es finde einfach eine weitere Veränderung der Landschaft statt.

Die JCF argumentiert, sie verpflichte sich mit einem Rekultivierungskonzept zum Landschaftsschutz: «Nach erfolgter Rekultivierung befinden sich auf dem Steinbruchgelände wieder Landwirtschaftsflächen, Wald sowie ökologische Ausgleichsflächen wie Magerwiesen, Biotope und Felswände für Gämsen.» In einer Mitwirkungseingabe hingegen wird das Rekultivierungskonzept als «reines Wunschdenken» bezeichnet: Die Rekultivierung sei bereits heute vorgeschrieben, werde aber nicht umgesetzt.

Mehrverkehr wegen Rekultivierung

Eine Eingabe fordert einen hohen Anteil an Fruchtfolgeflächen nach der Rekultivierung. Dazu sagt die JCF, im Gebiet Oberegg seien keine Fruchtfolgeflächen vorgesehen, sondern «hochwertiges Naturareal ohne intensivlandwirtschaftliche Nutzung» Der Gemeinderat fordert aber auch hier Fruchtfolgeflächen. Im Gebiet Jakobsberg-Unteregg seien rund 14 Hektaren Fruchtfolgeflächen geplant.

Ein Thema ist auch der Werksverkehr. In ihrer Stellungnahme schreibt die JCF, dass sie in den letzten ein bis zwei Jahren «zugegebenermassen Mehrverkehr auf dem umliegenden Strassennetz generiert» habe – dass Kalk für die Zementproduktion von ausserhalb zugeführt werden musste. Dies werde wegfallen. Mehrverkehr, der vor allem das Wohngebiet Au betreffe, werde es im Zuge der Rekultivierung geben, weil Bodenmaterial zugeführt werden müsse.

Gefordert wird in der Mitwirkung auch ein direkter, auch mit schwerem Erntegerät befahrbarer Feldweg von der Au ins Landwirtschaftsgebiet rund um die Oberegg. Die JCF sagt zumindest, das werde möglich sein. Die Erschliessungsplanung passiere aber später.

In der Mitwirkung wird von verschiedener Seite gefordert, dass die JCF für Erschütterungs-Schäden an Liegenschaften aufkommt. Die JCF sagt dazu, für nachweislich von ihr verursachte Schäden würde sie aufkommen, für den behaupteten Wertverslust der Liegenschaften durch die Erweiterung bestehe kein Entschädigungsanspruch.

Eine komplette Umweltverträglickeitsprüfung wird im Rahmen des konkreten Abbaugesuchs, das später eingereicht wird, gemacht. Die kantonale Umweltfachstelle hat aber bereits zweimal Stellung zur Steinbrucherweiterung genommen und Anregungen gemacht. Sie fordert unter anderem weitere Erwägungen zu den Emissionen und Immissionen.