Aarau
Die Stadtpolizisten tagten in den Wirtshäusern

Der Polizeibeamten-Verband Aarau hat sich aufgelöst. Nach 82 Jahren hat der letzte Präsident, Samuel Häfliger, die Akten geschlossen.

Hermann Rauber
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Die Stadtpolizei Aarau 1982 mit (erste Reihe von links) Ernst Senn, Heinz Liniger, Eduard Castelberg, Peter Häusermann, Markus Gauch, Fritz Schenk, Max Belloni, Othmar Moser, Hans Reichensperger;

Die Stadtpolizei Aarau 1982 mit (erste Reihe von links) Ernst Senn, Heinz Liniger, Eduard Castelberg, Peter Häusermann, Markus Gauch, Fritz Schenk, Max Belloni, Othmar Moser, Hans Reichensperger;

zvg

Still und leise aufgelöst hat sich der Polizeibeamten-Verband der Stadt Aarau. Geblieben ist ein Stück lebendige Geschichte, das eng mit der Entwicklung des städtischen Polizeikorps verbunden ist. Die Aarauer Ordnungshüter sind ab sofort und dem Beispiel von Baden (seit 2010) und Zofingen (seit 1998) folgend in der Sektion Aargau Gemeinden organisiert, ein Zusammenschluss, der laut Häfliger ein «Zeichen der Zeit ist» und eine «Stärkung der beruflichen Interessenvertretung» bedeute.

Seit Beginn des letzten Jahrhunderts vertritt der Schweizerische Polizeibeamten-Verband die Interessen dieses besonderen Berufsstandes. Am 12. März 1932 gründete ein Dutzend Stadtpolizisten die Sektion Aarau. Von Anfang an ging es an den zwei bis drei Versammlungen pro Jahr um Lohnfragen oder um die Entschädigungen von Nacht- und Zusatzdiensten, zum Beispiel als «MAG-Wache», bei den Pferderennen oder bei Zirkusgastspielen im Schachen. Immer wieder diskutiert wurde auch die Beschaffung neuer Uniformen, wobei die Stadtpolizisten mit Erfolg für ein angenehmeres «Sommer-Tenue» kämpften.

Gratis am Maienzug-Bankett

In den 30er-Jahren musste der Präsident Josef Worni mehrmals nicht nur unentschuldigte Absenzen der Mitglieder, sondern auch «die nicht immer einwandfreie Kollegialität» rügen. Einig war man sich hingegen wieder bei einer Petition an den Stadtrat, der die Gratisabgabe von Maienzug-Bankettkarten an die Ordnungshüter und deren Angehörigen zum Thema hatte.

1934 konnte die Rechnung an der Generalversammlung nicht behandelt werden, weil die Revisoren die Unterlagen schlicht zu Hause liegen gelassen hatten. 1946 verlegte man den Tagungsort «versuchsweise» in die Räumlichkeiten des Polizeipostens im Rathaus, kehrte aber nach einem Jahr wieder in die bewährten Wirtshäuser zurück. Denn die Zusammenkünfte dienten nicht zuletzt auch dem geselligen Beisammensein mit Speis und Trank.

Samuel Häfliger, Stadtpolizei: «Die Auflösung ist ein Aufbruch zu einer zeitgemässen und stärkeren Berufsorganisation.»

Samuel Häfliger, Stadtpolizei: «Die Auflösung ist ein Aufbruch zu einer zeitgemässen und stärkeren Berufsorganisation.»

Hubert Keller

Die Aarauer nahmen regelmässig an nationalen Polizeimeisterschaften teil und holten sich manche Auszeichnung, die jeweils gebührend gefeiert wurden. Die Zahl der Mitglieder blieb klein, obwohl Stadtpolizisten, die in «zivile Berufe» wechselten oder in Pension gingen, im Verband bleiben konnten. Die Sektion «Aarau Stadt» zählte 1982 genau 37 Mitglieder, die im Mai mit zahlreichen Gästen das 50-Jahr-Jubiläum im Saal des Hotels Kettenbrücke feierten. Es sei nicht immer leicht, die eigenen (Verbands-) Interessen und die Erwartungen der Bevölkerung an «ihre» Polizei in Einklang zu bringen, stellte der damalige Kommandant Markus Gauch bei dieser Gelegenheit fest.

Damals noch stadtbekannt

Damals allerdings waren Polizisten noch «stadtbekannt», man denke nur an Fritz Schenk, Max Brugger, an den Meisterschützen Max Belloni, Ernst Senn, Sepp Eng, Edi Hürzeler, Sämi Kropf, Peter Häusermann, Edi Castelberg, Ronald Beck oder Othmar Moser. Dieser hatte bereits 1973 das Sektionspräsidium übernommen und bis 1982 ausgeübt. Nach der Jahrtausendwende geriet die kleine Sektion Aarau personell immer mehr in eine Krise. Verbandsarbeit auf unterster Stufe war nur noch bedingt gefragt, es fehlte an Vorstandskandidaten und die Teilnahme an den Anlässen liess zu wünschen übrig. So kristallisierte sich im Verlauf des vergangenen Jahres die Fusion mit der Sektion Aargau Gemeinden als beste Variante für die weitere Wahrnehmung der eigenen Interessen heraus. Diese Lösung wurde im Rahmen einer Urabstimmung denn auch unisono gutgeheissen, «ein Aufbruch zu einer stärkeren und zeitgemässen Berufsorganisation», wie es Samuel Häfliger formuliert. Damit ist wieder ein kleines Kapitel Aarauer Stadtgeschichte abgeschlossen.