Man könnte sie für den grössten Abfallkübel der Stadt halten, die beiden Rinnen, die durch die Rathaus- und die Metzgergasse führen und in denen in den warmen Monaten Wasser fliesst.

Wie viele Kaugummipapierli, Scherben und vor allem Zigarettenstummel jeweils darin landen, sieht man bei Frühlingsbeginn, wenn die Rinne aus dem Winterschlaf geholt und wieder geflutet wird. Dann fahren wie gestern die Männer vom Werkhof vor, heben die schweren Abdeckgitter aus Gusseisen mithilfe eines Baggers hoch, stapeln sie und führen sie weg – bis auf ein paar wenige Gitter, die liegen bleiben müssen, damit man dem Bus ausweichen oder für den Warenumschlag parkieren kann.

Die Rinnen werden jeweils nach dem Night-Shopping im Advent trockengelegt und eingedeckt. «Um Ostern herum legen wir sie für die Sommermonate wieder frei», sagt Rolf Strebel, verantwortlich für die Gewässer der Stadt Aarau. Nur für den Maienzug und den Bachfischet werden die Wasserrinnen wieder mit den Eisengittern verschlossen.

Aufwendige Reinigungsarbeiten

Etwa einen Tag brauchen die Werkhofmitarbeiter, um die Altstadtrinnen vom Abfall zu befreien, der sich in den letzten Monaten angesammelt hat. «Weil die Altstadtrinnen in den Stadtbach münden, können wir den Unrat nicht einfach runterspülen», sagt Rolf Strebel. Dass insbesondere die Raucher ihre Stummel einfach durch die Abdeckgitter werfen – oder im Sommer direkt ins fliessende Wasser – , ist augenfällig. Besonders schlimm ist es direkt vor den Restaurants und Bars, obwohl deren Besitzer Aschenbecher bereitstellen.

Spektakuläre Funde hat der Rinnen-Reinigungstrupp beim Frühjahrsputz übrigens noch nie gemacht. Strebel weiss zwar von einer Frau zu erzählen, der beim Velofahren der Schlüssel runtergefallen ist – präzise ins Pickel-Loch in einem Schachtdeckel. Aber in der Rinne, nein, da ist laut Strebel kein aussergewöhnlicher Fund bekannt – vielleicht abgesehen von den Shirts, Pullovern oder Schuhen, die mitunter den Durchfluss verstopfen. Auch viele Dosen, Becher oder Flaschen bleiben hängen.

Wasser kommt aus Stadtbach

Heute werden die Rinnen erst einmal kräftig durchgespült und das ablaufende Wasser gesiebt, um Restabfall aufzufangen. Im Anschluss wird die Pumpenstation durch die IBAarau AG in Betrieb genommen. Dann wird das Wasser wieder den Sommer lang in den Altstadtrinnen vor sich hinplätschern. Dafür müssen die Rinnen aber regelmässig unterhalten werden.

Das Wasser stammt aus dem Stadtbach; der Bach selber fliesst unterirdisch in den Altstadtgassen. Der Pumpenschacht, der das Wasser in die Rinnen befördert, befindet sich in der Kronengasse nahe der Kreuzung Rathausgasse. Das Wasser der drei Brunnen über den Rinnen komme nicht aus dem Stadtbach, erklärt Rolf Strebel: «Es ist frisches Trinkwasser.»