Aarau

Die Stadt möchte Migranten künftig besser informieren

Aurélie Payrastre von der Anlaufstelle Integration erklärte, wie Aarau die Informationsarbeit verbessern kann.

Aurélie Payrastre von der Anlaufstelle Integration erklärte, wie Aarau die Informationsarbeit verbessern kann.

Gestern fand im Rathaussaal Aarau die erste Plattform Integration statt. Im Bereich der Kommunikation mit Migranten besteht noch Verbesserungspotential, so die Erkenntnis.

Aus dem nahen Frankreich ist Aurélie Payrastre in die Schweiz gezogen. Trotz räumlicher und kultureller Nähe gab es einiges, was sie für das Leben in der Schweiz lernen musste. «Über gewisse Dinge wurde ich nicht informiert», sagt sie. Zum Beispiel erfuhr sie erst spät, dass ihr französischer Führerschein nur ein Jahr lang gültig ist in der Schweiz. «Zum Glück konnte ich ihn noch rechtzeitig umwandeln lassen. Doch es gibt einige andere wichtige Informationen, die ich gänzlich verpasst habe.»

Heute arbeitet Payrastre in der Anlaufstelle Integration Aargau. Diese wurde von der Stadt Aarau mit einer Studie beauftragt. Es galt herauszufinden, wie die Stadtverwaltung die in Aarau wohnhaften Migranten besser informieren kann über Dinge rund um das Alltagsleben in der Schweiz – die korrekte Abfallentsorgung etwa oder wie das Schulsystem funktioniert. Gestern Nachmittag stellte Payrastre im Rathaussaal am ersten Treffen «Plattform Migration» die Ergebnisse der Studie vor.

«Mein Mann wusste nicht, dass man eine Sperrgutmarke braucht, um ein altes Bett zu entsorgen», berichtete eine Migrantin in der Studie. «Ich wurde operiert, ohne zu wissen wozu. Ich hatte nicht verstanden, an was ich erkrankt war.» Solche Sätze hätten Migranten der Anlaufstelle Integration mitgeteilt. Diese bemühte sich vor allem mit schwer zu erreichenden Migranten Kontakt aufzunehmen . «Wir wollten herausfinden, was ihre Informationskanäle sind.»

Das Ergebnis:

Migranten erfahren wichtige Informationen mehr über Freunde und Angehörige und weniger über die Behörden. Aufseiten der Stadt hapere es unter anderem daran, dass sie zu kantonalen Belangen keine Informationen habe. Dabei sei gerade die Stadtverwaltung die erste Anlaufstelle für Neuzuzüger, so die Studie. «Es gibt keine Vertikalität zwischen Stadt und Kanton. Dass mit meinem Führerschein zum Beispiel konnte mir die Stadt nicht sagen.»

Verbesserungspotenzial gäbe es gemäss der Studie auch bei den Informationsbroschüren. Die Texte seien oft zu kompliziert geschrieben. Als Lösung schlägt die Anlaufstelle Integration simpleres Informationsmaterial mit mehr Bildern vor.

Der städtische Entsorgungskalender zum Beispiel sei von Migranten als sehr verständlich gelobt worden. Die Stadt solle Migranten zudem nicht nur schriftlich, sondern auch mündlich informieren. «Wichtige Dinge könnte man mit den Neuzuzügern gleich mündlich besprechen, mithilfe einer Checkliste», sagte Payrastre den zahlreichen Zuhörern im Rathaussaal. Künftig soll alle zwei Jahre eine solche Plattform Migration stattfinden.

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