Naturschutzgebiet

«Die Stadt hat versagt»: Zwei Aarauer wollen die verbotenen Sandbänke zurück

Andreas Holenstein und Fiona Wiedemeier.

Andreas Holenstein und Fiona Wiedemeier.

Zwei Aarauer fordern ein Aare-Konzept vom Stadtrat. Die beliebten Sandbänke zwischen Erlinsbach und Wöschnau sollen der Bevölkerung wieder zugänglich gemacht werden.

Die Aarauer verstanden die Welt nicht mehr, als im Frühjahr – mitten im Shutdown – erstmals so richtig bekannt wurde: Der Kanton Solothurn hat das Gebiet «Grien» zwischen Erlinsbach und Wöschnau, gleich an der Kantons- und Stadtgrenze, unter strengen Naturschutz gestellt.

Neben Velofahrverbot und Leinenzwang machte vor allem das Betretverbot für zwei Bereiche Schlagzeilen. Es bedeutet nämlich, dass beliebte Badeplätze – die «Sandbänke» – ab sofort tabu sind.

Wer sich trotz Beschilderung und Absperrketten nicht an die Verbote hält, wird angezeigt. Das kostet 150 Franken. Die meisten der an die 200 Gebüssten kommen aus Aarau und den angrenzenden Aargauer Gemeinden. Warum, konnten sich die Verantwortlichen beim Kanton Solothurn auch nicht recht erklären – die Kommunikation war wohl nicht optimal.

Petition lanciert

Viele Aarauer waren zwar empört über die neuen Regeln, nahmen sie jedoch hin. Bis jetzt. Nun haben die grünliberalen Politiker Fiona Wiedemeier und Andreas Holenstein, beide aus Aarau, auf www.petitio.ch eine Petition lanciert. Darin fordern sie den Stadtrat auf, ein Konzept zu entwickeln, wie die Aare «als Naherholungsraum zurückgewonnen werden kann», schreiben sie in einer Mitteilung. Dabei sollen insbesondere auch Möglichkeiten gesucht werden, die beliebten Badestrände der Sandbänke wieder für die Bevölkerung zugänglich zu machen.

«Wenn wir an den Sandbänken sünnele und brötle, werden wir gebüsst. Mit dem Mitteldamm wird die Location abgerissen, wo wir für den perfekten Aareschwumm starten können. Das Türmli beim Eniwa-Kraftwerk, welches seit Jahrzehnten unser Stadtbild prägt, muss einem Betonblock weichen», zählen die jungen Aarauer auf und kommen zum Schluss: «Bei der Gestaltung unseres Naherholungsraumes hat die Stadt versagt!» Deshalb brauche die Stadt ein Konzept, wie der Aareraum so gestaltet werden könne, dass Natur, Energiegewinnung und die Menschen wirklich nebeneinander Platz haben, so die Petitionäre weiter.

Die beiden grün schraffierten Flächen des Naturreservats Grien-Wöschnau dürfen nicht mehr betreten werden.

Die beiden grün schraffierten Flächen des Naturreservats Grien-Wöschnau dürfen nicht mehr betreten werden.

Das Naturschutzgebiet an den Sandbänken sei völlig an den Realitäten vorbei gebaut worden. «Ein Naturschutzgebiet auf den Sandbänken ist genauso absurd, wie wenn man auf der Chinawiese in Zürich plötzlich ein Vogelschutzgebiet eröffnen würde. Es ist schlichtweg am falschen Ort», so Andreas Holenstein.

Man mag nun argumentieren, die Petition sei sehr viel mehr liberal als grün. Das stellen die beiden jungen Politiker in Abrede: Der Naturschutz liege ihnen am Herzen. «Naturschutz heisst aber nicht nur Reservate für bedrohte Vögel. In der Natur soll auch Platz für die Menschen sein», findet Fiona Wiedemeier. «Darum wollen wir der Aarauer Bevölkerung, welche kaum in die Neugestaltung ihres Naherholungsraums einbezogen wurde, mit dieser Petition eine Stimme geben.»

Auf der verbotenen Insel im Grien bei Erlinsbach/Wöschnau:

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