Aarau
Die Stadt hat ein Bürohaus zu viel

Das Bürogebäude, in dem einst 167 Personen arbeiteten, wird zur politischen Zeitbombe.

Nadja Rohner und Urs Helbling
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Stammt aus dem Jahr 1964: Das Bürohaus an der Heinerich-Wirri-Strasse, in dem bis im Frühsommer der Schweizerische Turnverband untergebracht ist (sein Hauptsitz an der Bahnhofstrasse wird saniert). jakob Weber

Stammt aus dem Jahr 1964: Das Bürohaus an der Heinerich-Wirri-Strasse, in dem bis im Frühsommer der Schweizerische Turnverband untergebracht ist (sein Hauptsitz an der Bahnhofstrasse wird saniert). jakob Weber

Jakob Weber

Es klang nicht weiter spektakulär, als der Stadtrat letzte Woche bekannt gab, die Verwaltung werde nicht ins ehemalige Gebäude der Gastro Social (Wirte-Pensionskasse) ziehen. Doch mittlerweile zeichnet sich ab, wie viel politischer Zündstoff im Bürogebäude an der Heinerich-Wirri-Strasse steckt.

Der Stadt droht ein erheblicher finanzieller Verlust. Das Haus, das sie vor knapp zwei Jahren für 7,9 Millionen Franken gekauft hat, droht längere Zeit ganz oder teilweise leerzustehen. Direkt zuständig für das Geschäft ist Stadtpräsidentin Jolanda Urech (SP). Mit kritischen Fragen hält die FDP nun die Finger auf die wunden Punkte.

«Warum nun so zuversichtlich?»

Die Einwohnerrätinnen Martina Suter und Danièle Zatti Kuhn schreiben in einer Anfrage: «Nach dem Kauf der Liegenschaft versuchte die Stadt erfolglos das Gebäude zu vermieten. Das Angebot an attraktiven, freien Büroflächen ist seither gestiegen. Warum ist die Stadt nun derart zuversichtlich, einen Mieter zu finden, der bereit ist, jährlich 500 000 Franken für die Nutzung der Liegenschaft zu bezahlen?»

Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1964. Es erhielt Ende der Siebzigerjahre ein Parkhaus (75 Abstellplätze) und wurde diverse Male leicht renoviert. Aber es entspricht offensichtlich nicht mehr den aktuellen Ansprüchen an moderne Büroräume.

Jedenfalls hätte die Stadt über fünf Millionen Franken investieren müssten, wenn sie gewisse Verwaltungsabteilungen an die Heinerich-Wirri-Strasse verlegt hätte. Eines der Probleme: Es gibt nur ein zentrales Treppenhaus, was eine Vermietung von Teilflächen erschwert.

«Preis auf Anfrage»

Gemäss der aktuellen Ausschreibung können ab Sommer insgesamt 2600 Quadratmeter Büroflächen sowie 900 Quadratmeter Lager- und Archivflächen gemietet werden. «Preis auf Anfrage», so die Stadt.

Wie gross das Haus ist, lässt sich daran ablesen, das Gastro Social vor fünf Jahren 167 Beschäftigte im Gebäude untergebracht hatte.

Die beiden FDP-Einwohnerrätinnen könnten sich angesichts der drohenden Schwierigkeiten bei der Vermietung auch einen städtischen Exit vorstellen. Sie Fragen: «Wäre der Stadtrat auch bereit, das Gebäude zu veräussern, wenn ein Käufer Arbeitsplätze und Steuersubstrat in Aussicht stellt?»

«Ein späterer Abbruch»

Das Gebäude steht auf einer 45 Aren grossen Parzelle in der heutigen Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. In der Vorlage an den Einwohnerrat, in der es um den Kauf der Liegenschaft ging, stand unter anderem: «Schliesslich wäre auch ein späterer Abbruch des Gebäudes zugunsten einer grosszügigen Parkerweiterung für die künftig grösser werdende Stadt Aarau nicht ausgeschlossen.»

Wollten Beamte gar nicht zügeln?

Der Umzug von Stadtpolizei, Steueramt und Sozialen Diensten an die Heinerich-Wirri-Strasse war ursprünglich als Sparmassnahme geplant. Die FDP-Einwohnerrätinnen wollen gehört haben, dass einige Stadtangestellte über den anvisierten Wechsel vom Gebäude der Hauptpost in das weniger zentral gelegene Gönhardquartier nicht glücklich waren.

Die Parlamentarierinnen fragen, inwiefern sich das auf den Verzicht der Verschiebung des zweiten Verwaltungsstandortes ausgewirkt hat: «Was waren die detaillierten, zur Ablehnung führenden Gründe der einzelnen Abteilungen?»