Aarau
Die Spitex macht es den privaten Firmen nach

Der Spitex-Verein will seine Dienstleistungen ausdehnen und jene Angebote erweitern, mit denen private Spitex-Firmen gutes Geld verdienen.

Hubert Keller
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Der Spitex-Verein will sein Angebot vor allem im Bereich der Beratung und Betreuung ausdehnen. (Symbolbild)

Der Spitex-Verein will sein Angebot vor allem im Bereich der Beratung und Betreuung ausdehnen. (Symbolbild)

Chris Iseli

Mit einem privatwirtschaftlichen Standbein will die Spitex Aarau neu auch Leistungen erbringen, die der Leistungsauftrag mit der Stadt nicht vorsieht – und damit Geld verdienen. «Es geht doch nicht an, dass private Spitex-Firmen unseren Kunden jene Dienste anbieten, die rentieren, weil sie von den Kunden selber bezahlt werden», sagt Spitex-Präsident Claude Dubois.

Die Spitex Aarau ist eine Non-Profit-Organisation und erbringt seit 70 Jahren Leistungen der ambulanten Pflege. Die in den vergangenen Jahren ausgebauten Leistungen, zum Beispiel Spätdienst oder psychiatrische Hilfe, bietet sie im Rahmen der Leistungsvereinbarung mit der Stadt an. Das heisst: Die Stadt deckt den Fehlbetrag, der durch Leistungen entsteht, die von den Krankenkassen nicht oder nur teilweise gedeckt sind. Das kostet die Stadt jährlich rund eine Million Franken.

Nun möchte die als Verein organisierte Spitex ihre Dienstleistungen zu einem Rundum-Service ausdehnen. Es sind vor allem Leistungen im Bereich der Beratung und Betreuung, die heute im Aargau 61 privaten Spitex-Organisationen anbieten und damit gutes Geld verdienen.

Die erste Spitex im Kanton

Eine ausserordentliche Generalversammlung des Spitex-Vereins hat die Voraussetzungen für einen «privatwirtschaftlich aufgestellten Spitex-Bereich» geschaffen: Die Statuten wurden entsprechend geändert und aus dem Vereinsvermögen ein Betrag von 200 000 Franken zur Finanzierung des Projekts bewilligt.

Beide Beschlüsse wurden praktisch einstimmig gefasst. Dass Non-Profit-Organisationen solche Dienstleistungen anbieten, ist im Aargau neu. In Laufenburg ist man ebenfalls daran, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen. Schweizweit gibt es dies schon in Bern, Burgdorf und Liestal.

Für die Stadt darf die Ausweitung des Angebots keine Mehrkosten verursachen. Dies betonte Vereinspräsident Dubois gleich mehrfach. «Es gibt erheblichen politischen Druck von der Stadt, dass das Defizit reduziert werden soll.»

Wie der Gewinn der privaten Spitex verwendet werden soll, ist noch nicht klar. Gestartet wird das Projekt voraussichtlich Mitte April nächsten Jahres. Bis dann sollen die Strukturen (Personal und Infrastruktur) aufgebaut werden. Claude Dubois stellt sich vor, dass mit einem Teil des Gewinns Härtefälle gelindert sowie weitere Projekte der Spitex finanziert werden. Zudem muss die von der Generalversammlung bewilligte Anschubfinanzierung zurückbezahlt werden.

«Mit unserem zusätzlichen Angebot wollen wir nicht die Bedürfnisse einer Premium-Klasse, die viel Geld hat und sich alles leisten kann, bedienen», sagte Dubois, «Leistungen, die über unseren Dienstleistungskatalog hinausgehen, werden von Menschen aus allen Schichten gewünscht.» Das habe auch eine Studie gezeigt, die letztes Jahr von Studentinnen der Fachhochschule Nordwestschweiz gemacht worden ist:

Begleitung, Beratung, Betreuung – das ist es, was die Spitex-Kunden wünschen und von ihrer Organisation bis anhin nicht geboten bekommen.
Bis jetzt ist es so, dass auch die Dauer der Spitex-Dienste beschränkt ist, auch wenn die Kunden eine längere Betreuung nötig hätten und die Spitex diese erbringen könnte. Künftig werden die Klientinnen und Klienten oder deren Angehörige bei der ihrer Spitex auch solche zusätzliche Leistungen beziehen können.