Aarau

Die Spezial-Parkkarte für die Altstadtbewohner: Stadtrat präsentiert Lösung

Die Jahreskarte gibt es bald auch für Altstadtbewohner. to

Die Jahreskarte gibt es bald auch für Altstadtbewohner. to

Am 1. September 2010 ist das neue Parkierungsreglement in Aarau in Kraft getreten. Das klappt gut. Doch damit hat man die Altstadtbewohner verärgert. Der Stadtrat hält nun eine Lösung bereit, wie die Motion «Aabid» umgesetzt werden kann.

Der Aarauer Stadtrat hat offensichtlich genau gewusst, weshalb er die Motion von Barbara Aabid im Februar 2011 nicht entgegennehmen wollte. Die Umsetzung eines Ansinnens, welches damals auf dem Papier ganz einfach präsentierte und letztlich auch die Mehrheit des Einwohnerrates (die Motion wurde mit 26:20 Stimmen überwiesen) überzeugte, hat sich wie erwartet als aufwändig erwiesen.

Der Reihe nach: Am 1. September 2010 ist in der Kantonshauptstadt das neue Parkierungsreglement in Kraft getreten. Hintergrund des Konzepts war vor allem das Bestreben, die Wohnquartiere vor Fremdparkierern und lästigem Suchverkehr zu schützen. Die getroffene Lösung mit der Einführung einer flächendeckenden Gebührenpflicht für Dauerparkierer auf öffentlichem Grund hat sich bewährt, die gesteckten Ziele sind im ersten Betriebsjahr weitgehend erreicht worden.

Altstadtbewohner unzufrieden

Nicht zufrieden mit der neuen Regelung waren von Anfang an die Bewohner der Altstadt. Ihnen blieb bisher verwehrt, was für die Bewohner von Aaraus Aussenquartieren möglich ist: Diese können mit einer Jahreskarte zum Preis von 300 Franken unbeschränkt parkieren, haben aber kein Anrecht auf einen reservierten Parkplatz.

Altstadtbewohnerin Barbara Aabid reichte deshalb schon im November 2010 eine Motion ein. Damit wollte sie den Stadtrat verpflichten, im Sinne einer Gleichbehandlung auch den Bewohnern der Innenstadt den Erwerb der Parkkarte zu ermöglichen.

Der Stadtrat wehrte sich heftig gegen das Begehren: Die Altstadtbewohner, so seine Argumentation, seien in Sachen Parkieren schon immer ein Spezialfall gewesen. Wer im Zentrum wohne, müsse sich anders organisieren. Man könne ihre Autos nicht einfach in andere Quartiere auslagern. Der Einwohnerrat sah das anders und hat die Motion am 28. Februar 2011 überwiesen.

Komplexe Materie

Nach fast einem Jahr zeigt der Stadtrat in seinem Bericht und Antrag an den Einwohnerrat nun auf, wie er das Ansinnen von Barbara Aabid umzusetzen gedenkt. Wie der Stadtrat schon in der damaligen Debatte zu bedenken gab, ist die Lösung des Problems alles andere als einfach.

Vorerst galt es, überhaupt die Anzahl der Altstadtbewohner zu eruieren, die sich überhaupt für eine solche Parkkarte interessieren könnten. Dazu schätzte man die Zahl der vor dem 1. September 2010 in Aussenquartieren parkierten Fahrzeuge (20), zählte die von Altstadtbewohnern im Flösserplatz gemieteten Plätze dazu (36) und addierte auch jene 29 Parkfelder, die von Altstadtbewohnern genutzten Parkfelder, die bald an der Mühlemattstrasse verloren gehen.

Für die Schaffung der somit nötigen 85 Ersatzparkplätze sind zwei Varianten in Betracht gezogen worden. Die erste Möglichkeit, Platz in den Parkierungsanlagen Flösserplatz oder Sporthalle Schachen und Kettenbrücke zu schaffen, wird vom Stadtrat aus logistischen und finanziellen Gründen nicht favorisiert.

Im Parkhaus Flösserplatz könnten mit einer Jahreskarte zum Preis von 300 Franken nicht einmal die anfallenden Nebenkosten gedeckt werden. Daneben müsste sich die Stadt jährlich gegen 70 000 Franken Einnahmen aus Parkgebühren ans Bein streichen.

Machbar, findet der Stadtrat, sei dagegen eine Zuweisung der Altstadtbewohner in die Parkzonen C (Rössligut und Torfeld Nord), D (Gönhard Nord), I (Weinberg/Hungerberg) und J (Scheibenschachen).

Auch das erachtet die Stadtbehörde jedoch als nicht ganz problemlos: «Fraglich ist, wie die Anstösserinnen und Anstösser der von der Altstadt her gut erreichbaren Aarestrasse in der Zone J reagieren werden, wenn an dieser Strasse zahlreiche oder unter Umständen alle Parkfelder durch Anwohnerinnen und Anwohner der Zone A belegt sind.»

Nicht für Pendler und Besucher

In Abwägung der Vor- und Nachteile schlägt der Stadtrat nun vor, für die Anwohnerinnen und Anwohner der Spezialparkraumzone A (Zentrum) die benachbarten Zonen C, D, I und J als in Betracht fallende Ersatzzonen zu bezeichnen.

Die Stadtpolizei wird im Einzelfall die konkrete Zone zuweisen. Dem Stadtrat, schreibt er in der Botschaft an den Einwohnerrat, scheine dies die vorerst einfachste und am schnellsten realisierbare Lösung zu sein: «Es können Erfahrungen gesammelt werden bezüglich der heute ungewissen Anzahl auszustellender Parkkarten sowie der Auslastung der betroffenen Quartiere.»

Keine Parkkarten für die genannten Ersatzzonen gibt es für Besucherinnen und Besucher der Altstadt sowie für Pendler, die dort arbeiten. Der Stadtrat sieht die Forderung von Barbara Aabid dennoch als erfüllt, weil sie in ihrer Motion ausdrücklich die Schaffung einer speziellen Parkkarte nur für Anwohnerinnen und Anwohner der Altstadt beziehungsweise der Zentrumszone fordert.

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