Küttigen

Die Schützen im Schiessverein schossen wegen der Kameradschaft

Die Schützengesellschaft Küttigen im Jahr 2010. Die erste Vereinsfahne wurde 1882 angeschafft.zvg

Die Schützengesellschaft Küttigen im Jahr 2010. Die erste Vereinsfahne wurde 1882 angeschafft.zvg

Schützengesellschaft feiert dank guter Nachwuchspflege 150-Jahr-Jubiläum. Dabei begann alles mit 15 militärpflichtigen Männern, die einst die Feldschützengesellschaft gegründet haben.

Es war der 8. August 1863, als im Gasthaus zum Kreuz in Küttigen 15 militärpflichtige Männer zusammenkamen, um einen freiwilligen Schiessverein – eine sogenannte Feldschützengesellschaft – zu gründen. Dieser Sportverein, der sich später den Namen Schützengesellschaft Küttigen gab, kann in diesem Jahr das 150-Jahr-Jubiläum feiern.

Der erste Vorstand wurde in der Versammlung vom 17. August 1863 bestellt und als erster Präsident der in Rombach wohnhafte Infanterie-Leutnant Emil Blattner, nachmaliger Gerichtspräsident von Aarau, gewählt. Die Mitgliederzahl betrug damals schon 21 Schützen.

Erstes Grümpelschiessen

Der Schiessbetrieb war in den Gründungsjahren der SG Küttigen noch militärisch organisiert und dominiert. Entsprechend legte man grossen Wert auf die richtige Handhabung der Waffen und die Förderung des Zielschiessens.

Geschossen wurde auf Mannsfiguren von natürlicher Grösse und Scheiben von 6 Quadratfuss, welche 400 bis 600 Schritte von den Schützen entfernt aufgestellt waren. Nacheinander fanden die Schiessübungen im «Gibel», im «Bollhübel» und im «Fischbach» statt. Als Schiesswaffen kamen nur Stutzer und Jägergewehre zur Verwendung.

Das erste End- und Grümpelschiessen wurde am 7. Oktober 1866 im Berg ob der Gipsmühle auf eine Distanz von 400 Schritt durchgeführt; 17 Mitglieder nahmen teil, im Ganzen wurden 486 Schüsse abgegeben.

Von diesem Zeitpunkt an bis zum Jahre 1880 entwickelte sich die Gesellschaft nur mässig, das Schiessen galt mehr der Pflege der Kameradschaft als dem Sport. Es wurden Schiessübungen, End- und Grümpelschiessen abgehalten und Ausflüge mit den anderen Vereinen im Dorf unternommen, an denen es gemäss Aufzeichnungen im Protokoll «kreuzfidel» zugegangen sein muss, wobei die Schützen immer in ihrem eigenartigen Tenue «Binsenhut und grüne Bluse» ausrückten. Die Anschaffung der ersten Vereinsfahne erfolgte im Jahre 1882.

Hochgeschosse ins Lätt verirrt

Wegen der grossen Reichweite der neuen Waffen und der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit – Hochgeschosse verirrten sich bis ins Lätt – musste die Gemeinde im Jahre 1899 für den Schiessplatz Giebel ein neuer Schiessplatz in der Talmatt angekauft werden.

Zwischen 1899 und 1913 wurden im Frondienst in der Talmatt ein eigenes Schützenhaus und eine Zugscheibenanlage erstellt. Nachdem die neue Schiessanlage gebaut war und gut funktionierte, konnte 1914, ein Jahr verspätet, der 50. Geburtstag mit einem Jubiläumsschiessen gefeiert werden.

Als Meilenstein in der Geschichte der SG Küttigen kann der Totalumbau der Schiessanlage Talmatt im Jahre 1989 bezeichnet werden. Sie wurde damals auch mit zwölf modernen elektronischen Polytronic-Scheiben ausgerüstet und ging in den Besitz der Gemeinde Küttigen über. Im Eigentum der Schützen blieb die damals modernisierte Schützenstube mit Küche, die zum Zusammensein nach den Schiesstrainings für Schützen und Gäste zur Verfügung steht.

Nachdem die Schützengesellschaft Erlinsbach den Schiessbetrieb auf der Anlage «Haslen» in Erlinsbach Ende 2003 einstellen musste, kaufte sich die Gemeinde Erlinsbach in der Schiessanlage Talmatt ein. Gleichzeitig konnten die zwölf elektronischen Scheiben auf den neusten Stand der Technik (Polytronic TG 3002) aufgerüstet werden.

Heute, da den Schützen aus verschiedenen Kreisen ein kalter Wind entgegenweht und die meisten Vereine mit Nachwuchsproblemen kämpfen, ist es keine Selbstverständlichkeit, dass das 150-Jahr-Jubiläum gefeiert werden kann. Im Jubiläumsjahr zählt die SG an die 60 Mitglieder.

Die rund 30 lizenzierten Schützinnen und Schützen nehmen regelmässig an Schützenfesten teil. Früh erkannte die SG Küttigen, dass man den Nachwuchs fördern muss; der erste Jungschützenkurs fand schon 1916 statt. 1938 konnten 70 Jungschützen ausgebildet werden.

Seit einigen Jahren werden im Dorf am Fusse der Staffelegg jedes Jahr rund zehn Jugendlichen zu Schützen ausgebildet. Dass die Nachwuchsförderung Früchte trägt, zeigt sich darin, dass die Schützengesellschaft über einen Vorstand mit einigen jungen Schützen verfügt.

Jubiläumsschiessen Am Freitag,
2. August, und an den beiden Samstagen, 3. und 10. August, findet in der Schiessanlage Talmatt das Jubiläumsschiessen statt. Der Geburtstag wird mit geladenen Gästen am 24. August in der Turnhalle Küttigen gefeiert.

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