Kurz vor den Sommerferien: Zum letzten Mal führen die Sechstklässler des Schulhauses Gysimatte den Kiosk auf dem Pausenplatz. Zum Abschied gibt es eine besondere Leckerei: rosa Zuckerwatte am Stiel, handgedreht von Klassenlehrer Emanuel Dössegger.

Vor gut zwei Wochen feierte die Kreisschule Buchs-Rohr Jugendfest. Im Gegensatz zu Aarau und Lenzburg steht es nicht am Ende des Schuljahres, auf das Fest folgt der Gang zurück ins Klassenzimmer. Die Zeugnisnoten stehen bereits fest, die Ferien sind zum Greifen nah. Eine undankbare Zeit für Schüler und Lehrer? Ganz und gar nicht, findet Schulleiter Beat Maurer, der selber auch unterrichtet. «Eigentlich ist es eine schöne Zeit. Wir haben das ganze Jahr gearbeitet, jetzt können wir ernten.» Nach dem Jugendfest sei nicht einfach fertig mit dem regulären Schulbetrieb. «Wir machen sauber fertig, die Lehrer halten die Stange bis zum Schluss», sagt er, während er zusammen mit seinen Schülern das Klassenzimmer ausräumt. Auch das gehört zum Abschliessen.

Einordnen und aufräumen

Fragt man die Sechstklässler, ob sie sich auf die Ferien freuen, ist die überraschende Antwort ein bestimmtes Nein. Die bevorstehende Trennung der Klasse beim Übertritt in die Oberstufe lässt viele sogar das eine oder andere Tränchen vergiessen. Trotzdem ist die Stimmung ausgelassen. Nach der Pause muss der Kiosk aufgeräumt werden, die Schüler führen etwas im Schilde, es wird eifrig getuschelt.

Plötzlich stürmt ein Knabe auf den Pausenplatz: «Herr Dössegger, es ist etwas passiert, das ganze Schulzimmer ist voller Omelettenteig.» Der Lehrer setzt ein besorgtes Gesicht auf und lässt sich brav ins Zimmer führen, wo er mit einem Abschiedsgeschenk überrascht wird. Dann müssen die Schüler sich nochmals an ihre Pulte setzen und die Prüfungen des vergangenen Jahres einordnen.

«In der sechsten Klasse ist es schwierig, die Schüler nach dem Jugendfest nochmals zu motivieren», sagt Dössegger. Dass die Einteilung in die Oberstufe schon vor einem halben Jahr geschehen sei, mache die Sache nicht einfacher. Trotzdem wird auf Ordnung beharrt. Die Hoffnung der Schüler, durch die läutende Glocke vom Aufräumen erlöst zu werden, ist vergebens.

Einen Stock höher herrscht eine andere Stimmung. Das Zimmer der Drittklässler ist leer, doch nicht lange. Im Eiltempo rasen die Kleinen die Treppe hinauf, kaum sitzen sie auf ihren Stühlen, sind die Hefte aufgeschlagen und die Köpfe gesenkt. Wer die Hausaufgaben schon in der Schule löst, kann den freien Mittwochnachmittag geniessen. Für Klassenlehrerin Martina Stoop ein gewohnter Anblick, auch so kurz vor den Ferien.

«Der Schulunterricht findet gleich statt wie bisher», sagt sie. Einen grossen Abschluss gebe es nicht, Schüler und Lehrerin werden nach den Ferien zusammen ansetzen, wo sie dieses Schuljahr aufgehört haben. Den Drittklässlern scheint das nichts auszumachen, sie rechnen mucksmäuschenstill vor sich hin. Eine kleine Abwechslung gab es an diesem Mittwochmorgen aber trotzdem, die Klasse durfte eine Theaterprobe besuchen.

Theater statt Pflichtprogramm

Die Zweitklässler haben die Zeit zwischen Jugendfest und Ferien genutzt, um ein Theater einzustudieren. Ein Projekt, das von den Lehrerinnen Daniela Iten und Nicole Kiechtl ins Leben gerufen wurde. «Die Schüler kommen nach den Ferien in die Mittelstufe, wir wollten zum Abschluss etwas Spezielles machen. Und so konnten wir diese Zeit sinnvoll nutzen», sagt Iten. Die Schüler seien sehr motiviert gewesen. Ein bisschen Rechnen und andere Fächer mussten schon noch sein, doch das Theater stand im Vordergrund. Gespannt sitzen die kleinen Schauspieler nach der Hauptprobe im Kreis und hören zu, wie ihre Lehrerin den Unterschied zwischen fünf und Viertel vor sechs Uhr für den Treffpunkt zur Premiere erklärt.

In Dösseggers Schulzimmer wird derweil das letzte Lied im Klassenverband angestimmt, zwei Schüler fahren schon am Donnerstag in die Ferien. Nach dem Singen verabschieden sich die Schüler eilig und stürmen filmreif aus dem Schulhaus. Als gäbe es kein Morgen und keine Zeugnisse.