Gut möglich, dass die Implenia AG am Dienstag ein paar künftige Lernende gewonnen hat. Die Baufirma, die seit letztem Sommer direkt neben der Schul- und Kindergartenanlage Gysimatte die Strasse saniert, hatte die Schüler zu einem «Sicherheitstraining» eingeladen. «Wir wollen so Unfälle auf der Baustelle verhindern und den Kindern zeigen, was wir hier überhaupt machen», erklärt Thomas Senn, der bei Implenia für den Strassenbau im Aargau zuständig ist. Und bei der Schule sei man damit auf grosse Begeisterung gestossen.

Toten Winkel selber erlebt

Tatsächlich sorgt der Pneubagger, der am Dienstag auf dem Pausenplatz stand, für rege Diskussionen unter den Schülern. Wie viel so einer denn koste, will etwa ein Bub von Jörg Häller wissen. Der Sicherheitsbeauftragte von Implenia gibt geduldig Auskunft zu allen Fragen. Der grösste Bagger, so sagt er zum Erstaunen der Kinder, sei so gross, dass eine ganze Schulklasse in der Schaufel Platz hätte. Häller lässt jedes Kind einmal auf dem Baggersitz Platz nehmen. Ziel der Übung: Die Kinder sollen direkt selber erfahren, was ein toter Winkel ist. «Achtet darauf, dass ihr Blickkontakt mit dem Maschinisten aufnehmt, damit er euch wirklich sieht.»

Danach nimmt Thomas Senn die Schüler mit zur eigentlichen Baustelle – nachdem sie sich mit orangen Warnwesten, Helmen und Brillen einkleiden durften («Ich bin Bauschtellmaa, Mann»). Senn zeigt auf die Risse im Belag der Gysistrasse. «Die Strasse ist schon ganz kaputt. Hier läuft das Wasser rein, wenn es regnet. Und wenn es dann gefriert, ‹verjagts› das Ganze. Deshalb ist es nun höchste Zeit, die Strasse zu sanieren, bevor sie ganz auseinanderfällt.» Eifriges Kopfnicken bei den Schülern, sodass die zu grossen Helme tief in die Stirn rutschen. Ein paar Meter weiter klafft ein tiefes Loch in der Strasse. «Seht ihr das blaue Rohr? Da läuft euer Trinkwasser durch», erklärt Senn. 280 Kinder aus 16 Klassen – es war ein langer Tag für die Implenia-Angestellten. Solche Einsätze sind für sie nicht alltäglich; und sowohl Senn als auch Häller konstatierten lachend, sie merkten jetzt, wie anstrengend der Lehrerberuf sei.

«Wir sind im Zeitplan»

Die Baustelle auf der Gysistrasse besteht seit dem letzten August. Die Strasse erhält nicht nur einen neuen Belag, sie wird auch baulich stark verändert. Etwa, indem das Trottoir breiter und die Fahrbahn schmaler wird. Ausserdem gibt es eine neue Beleuchtung, neue Kanalisation, teilweise neue Wasserleitungen.

Im Schnitt arbeiten täglich zehn Personen auf der Baustelle. «Wir sind im Zeitplan», betont Projektleiter Roberto Santangelo. «Das Wetter hat gut mitgespielt; es war praktisch immer trocken und bisher nicht allzu kalt.» Das bedeutet, dass die Baustelle im Juli 2019 abgeschlossen werden kann, falls nichts dazwischen kommt. Gebaut wird einspurig – erst die Spur auf der Schul-Seite, dann die andere – und von Norden nach Süden. Derzeit werden Arbeiten an der Kanalisation und der Elektrik (Bauherrin: Eniwa) ausgeführt.

Das einspurige Verkehrsregime – die Gysistrasse ist nur von Süden her befahrbar, von Norden herkommend wird man durchs Quartier geleitet – funktioniere mittlerweile gut, so Projektleiter Santangelo.