Der ungarische Komponist Zoltán Kodály (1882 bis 1962) schöpfte aus den Möglichkeiten der Musik, einer Erzählung Stimmungen zu verleihen und, umgekehrt, einer einzelnen Geste eine Geschichte zu schenken. Drei seiner Werke präsentierte das 2008 gegründete Vokalensemble ChorTon zusammen mit Hauptorganist Daniel Willi am Sonntagabend zum Bettagskonzert in der katholischen Kirche Peter und Paul.

Ergreifende Atmosphäre in grossem Raum

Der in ungarischer Sprache verfasste Psalm 114 («Als Israel aus Ägypten auszog») für Chor und Orgel erinnert mit hoffnungsvollen, hellen Stimmen und in zuletzt euphorischen Anrufungen an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Mit dem sich stetig verdichtenden Gesang schuf das Vokalensemble unter der Leitung von Gerhard Unternährer im grossen Kirchenraum eine ergreifende Atmosphäre.

Für eine Vortragssituation aussergewöhnlich war der Umstand, dass sich die 19 Sängerinnen und Sänger für die überwiegende Zeit der Aufführung bei der Orgel auf der Chorempore befanden. Das Publikum hatte damit im besten Sinne die Musik vor Augen und diese Konzentrierung des Zuhörers auf sich selbst und sein von geistlicher Musik begleitetes Denken findet eine Entsprechung in eben der Glaubenstätigkeit, die der Anlass des Kirchenkonzerts war – das Gebet.

Pausen in kaum gekannter Schwere

Einen besonders eindringlichen Zwischenakt spielte Daniel Willi, der auch für die aktuelle Konzertreihe der Pfarrei Peter und Paul verantwortlich zeichnet, mit der Komposition Quattro pezzi profani für Orgel von René Karlen. Im düsteren, beunruhigenden Vortrag entluden sich gar die zehrenden Pausen in kaum gekannter Schwere.

Für den anschliessenden Psalm 121 für Chor a capella von Zoltán Kodály stellte sich das Vokalensemble auf den Treppenstufen zum Altar auf. Den Klängen folgend, liessen die Sängerinnen und Sänger eine beruhigende Erzählung voller Zuversicht sich entfalten, die mit einem gefühlvollen Decrescendo aus und weiter strahlte.

Das beeindruckende Bettagskonzert endete mit Zoltán Kodálys Missa Brevis für Chor und Orgel, das in strahlenden Passagen die Kraft des Glaubens feierte. Das Publikum in der katholischen Kirche bedankte sich bei Chor, Dirigent und Organist mit einem langen Applaus.