Rund und eckig. Der Gegensatz zwischen den beiden Formen könnte grösser nicht sein. Trotzdem, oder gerade deshalb, haben sich Laura Ender und Joséphine François an genau diesen Kontrast herangewagt und aus «rund» und «eckig» zwei Charaktere geschaffen. Die Eckige, Laura Ender, ist geradlinig, denkt abstrakt, weiss genau, was sie will. Bald trifft sie auf die spielerische Runde, Joséphine François. Von hier an kurven die beiden um die Kante, nähern sich gegenseitig an, entfernen sich voneinander und versuchen, sich irgendwie zu finden – ganz ohne Worte. «Wir wollen dem Publikum ermöglichen, innere Konflikte und das Ringen mit sich selber zu entdecken», sagt Ender.

Nach drei Aufführungen in St. Gallen, dem Wohnort von François, hat das Stück nun sein «Heimspiel» im Theater «Fabrikpalast», in Aarau, dem Entstehungsort. Durch Improvisationen sind zahlreiche Situationen entstanden, welche die «Runde» und die «Eckige» zeigen. Dank des mitwirkenden Regisseurs Tom Greder sind viele internationale Aspekte in das Stück eingeflossen.

«Aarau ist mein Nest», erzählt Ender. Sie möge die Grösse von Aarau, weil man hier kreativ mitgestalten könne. «Gleichzeitig liebe ich aber auch die Anonymität von grossen Städten wie Berlin, wo ich mich für Inputs öffnen kann.» Diese Erfahrungen könne sie anschliessend umsetzten und in ihrem «Nest» etwas bewirken.

Ideen aus dem Rucksack

«Für mich war seit meiner Jugend klar, dass ich Theater machen will», sagt Ender. Schon während der Kantizeit in Aarau hat sie ihre ersten eigenen Projekte realisiert. «Ich wusste, was ich wollte und habe meine Ziele gesucht. So ist mein ganz eigener Weg entstanden.» Dieser Weg führt Ender nun zurück nach Aarau. «Es ist speziell, wenn man die Leute und den Ort so gut kennt, aber ich spiele gerne hier», sagt sie.

«Um die Kante kurven» hat eine lange Reise hinter sich. Ender und François haben sich an der Scuola Teatro Dimitri im Tessin kennen gelernt. «Durch unsere langjährige Zusammenarbeit entstand ein Rucksack voller gemeinsamer Ideen und Dinge, die wir ausprobiert haben», sagt Ender. Für das neue Stück des Duo Bildhübsch haben sich nun verschiedene Inhalte des Rucksacks herauskristallisiert und eine Form angenommen. «Das Stück ist quasi die Ernte von Dingen, an denen wir schon lange arbeiten», sagt sie.

Das Duo Bildhübsch spielt in der Bildwelt. «Das lässt viel mehr Platz für die eigene Wahrnehmung, und es lohnt sich, den Fokus auf die Sinnesebene zu legen», erklärt Laura Ender.

Aufführungen Fabrikpalast Aarau, Duo Bildhübsch, «Um die Kante kurven», Freitag, 1. November, 20 Uhr, 3. und 10. November, jeweils 19.30 Uhr.