Gut Ding will Weile haben: Drei Jahre ist es her, seit sich die Planungskommission zur ersten Sitzung traf. Im Frühjahr 2017 war die Planung, wie Franz von Matt, Leiter Bau, Planung und Umwelt, an einer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend sagte, so weit, dass sie dem Kanton zur Vorprüfung vorgelegt werden konnte. «Das Ergebnis», so von Matt, «war verheerend für uns: Wir mussten vieles überarbeiten.» Mit ständig neuen Vorschriften, machte Gemeindeammann Peter Stirnemann klar, «hat uns der Kanton immer wieder viel Arbeit beschert». Natürlich wird damit auch alles teurer: Zu den bereits bewilligten 186'000 Franken muss die Gmeind im Juni einen Zusatzkredit von 113'000 Franken sprechen.

Doch nun ist die Zangengeburt wenigstens so weit, dass die Entwürfe des Bauzonenplans , der Kulturlandplans, des Änderungsplans, des Hochwasserschutzplans sowie der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) zur Mitwirkung vorgelegt werden können. Vom 28. Mai bis zum 26. Juni ist es möglich, die Dokumente im Foyer der Gemeindekanzlei einzusehen. Bei der Mitwirkung können Anregungen und Änderungsvorschläge deponiert werden. Rechtsmittel gibt es, anders als später bei der öffentlichen Auflage, keine.

140 Personen direkt angeschrieben

Wie Peter Stirnemann an der von rund 150 Interessierten besuchten Informationsveranstaltung bekannt gab, wurden etwa 140 Personen auch direkt angeschrieben, da sie von den geplanten Änderungen unmittelbar betroffen sein könnten. Zur Beantwortung individueller Fragen stehen Vertreter des Planungsteams und der Planungskommission den direkt Betroffenen während zweier Sprechstunden (5. und 19. 6., 19–21 Uhr) im Foyer der Gemeindeverwaltung zur Verfügung. Die Unterlagen sind ab kommendem Montag auch auf der Homepage der Gemeinde Gränichen aufgeschaltet.

Zum Inhalt der Revision äusserten sich am Donnerstagabend Jules Fricker und Reto Ribolla vom Aarauer Ingenieurbüro Ackermann + Wernli. Das neue Raumplanungsgesetz, machte Projektleiter Fricker deutlich, lasse nur noch eine «Ausdehnung nach innen» zu. Sprich: Einzonungen sind nicht mehr zulässig, jedenfalls soweit sie nicht kompensiert werden.

Das Raumkonzept Aargau teilt die Gemeinde Gränichen dem urbanen Entwicklungsraum zu. Gestützt auf die aktuellen Prognosen des Kantons zur Bevölkerungsentwicklung erklärte Fricker, dass für Gränichen (Ende 2017: 7766 Einwohner) mit einer Bevölkerungszunahme auf etwa 9500 Einwohner bis 2030 und auf zirka 10'300 Einwohner bis 2040 gerechnet werde. Das Planungsteam, so Fricker weiter, sei zum Schluss gekommen, dass der Platz für so viele Menschen in den heute gegebenen Zonen vorhanden sei. Aber: «Es müssen mehr Leute in den bestehenden Bauzonen angesiedelt werden.»

Gemeindeammann Peter Stirnemann betonte hierzu allerdings, dem Gemeinderat liege nichts an einem Wachstum im prognostizierten Ausmass. «Wir wollen nicht bis 2040 eine Stadt werden.» Persönlich hegt Stirnemann auch Zweifel an den kantonalen Prognosen. Und, so fügte er bei, er hoffe auch nicht, dass sie sich bewahrheiten würden.

«Schlüsselgebiete» definiert

Viel unüberbautes Land gibt es in den Gränicher Bauzonen nicht mehr. Das bestätigte Reto Ribolla, stellvertretender Projektleiter. Die sogenannten «Schlüsselgebiete» in der unüberbauten Bauzone orten die Planer im Gebiet Gänstelfeld, im Raum Ei, an der Eifeldstrasse, am Holtengraben sowie an der Nordstrasse und auf der Niederfeldmatte.

In den zwei letztgenannten Fällen besteht eine Verbindung zum Kauf der einstmals für eine Wynentalschnellstrasse reservierten Staatsparzelle durch die Gemeinde, den die Gemeindeversammlung vom 8. Juni gutheissen soll (AZ vom 18. 5.). Das Teilstück an der Nordstrasse möchte der Gemeinderat später als Ganzes veräussern. Die schmale, gegen die Wyna hin gelegene Teilfläche der Parzelle kann dagegen nur gemeinsam mit der angrenzenden Niederfeldmatte sinnvoll überbaut werden. Mit der Revision des Bauzonenplans soll deshalb die Niederfeldmatte, die sich in der Zone WA2 befindet in WA3 aufgezont werden. Angedacht ist, wie Ribolla durchblicken liess, eine Gesamterschliessung via Nordstrasse.

Gehemmt werden kann die angestrebte «Entwicklung nach innen» oder «Verdichtung» durch Grundeigentümer, die in der Bauzone gelegenes Land nicht überbauen. Dem soll nach Ribollas Angaben eine Bebauungspflicht entgegenwirken: Erfolgt innert einer bestimmten Frist keine Überbauung, kommt eine «finanzielle Abschöpfung» zur Anwendung.

Unter den sogenannten «Fokusthemen», die Ribolla am Donnerstag streifte, nimmt die Ausscheidung eines Gewässerraums eine besondere Stellung ein. Gemäss Gewässerschutzverordnung des Bundes umfasst der Gewässerraum für Fliessgewässer mit einer Gerinnesohle von 2–15 m deren zweieinhalbfache Breite plus 7 m. Wo die natürliche Breite der Wyna 10 m beträgt, ergibt sich so ein Gewässerraum von 33 m Breite. Wo immer möglich wird dieser aber nicht gleichmässig auf die beiden Ufer verteilt, sondern so, wie es am meisten Sinn macht. Neue Bauten in der Gewässerraumzone sind nicht zulässig, doch gilt die Besitzstandgarantie. Für einen offenbar vor allem bei Hündelern beliebten Abschnitt an der Wyna in der Bleien soll ausserdem ein Betretungsverbot gelten.

Öffentliche Auflage im Herbst?

Mit Blick auf das weitere Vorgehen unterstrich Ammann Peter Stirnemann, man wolle mit der Revision der allgemeinen Nutzungsplanung zügig vorwärtsmachen. «Wir sind ein wenig hintendrein.» So lägen beim Gemeinderat auch Baugesuche, die warten müssten, weil die Revision noch hängig sei. Ziel ist es, die revidierten Planungsinstrumente öffentlich aufzulegen. Wunschdatum für die Absegnung durch die Gemeindeversammlung ist Sommer 2019. Stirnemann äusserte allerdings die Vermutung, dass dieser Termin nicht eingehalten werden könne. Er deutete an, dass für die Verabschiedung der Nutzungsplanung eine ausserordentliche Gemeindeversammlung anberaumt werden dürfte.