Wahlen 2015
Die Region Aarau droht bei den Wahlen erneut leer auszugehen

Die Region Aarau ist seit 2009 nicht mehr im Nationalrat vertreten, die kommenden Wahlen werden daran kaum etwas ändern. Es fehlen überregional bekannte Kandidaten.

Pascal Meier
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Der Bezirk Baden prägt die Wahlen: Plakat der Birmenstorfer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel in der Aarauer Telli.

Der Bezirk Baden prägt die Wahlen: Plakat der Birmenstorfer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel in der Aarauer Telli.

Pascal Meier

Seit der Wahl von Nationalrat Urs Hofmann (SP) in den Regierungsrat im Jahr 2009 und dem Rücktritt von FDP-Ständerat Thomas Pfisterer 2007 hat der Bezirk Aarau – immerhin der zweitgrösste im Kanton – keinen Sitz mehr im National- und Ständerat.

Der Bezirk Baden dagegen stellt derzeit mit acht Vertretern über die Hälfte der 15 Nationalratssitze und mit Pascale Bruderer (SP/Baden) und Christine Egerszegi (FDP/Mellingen) zusätzlich beide Ständerätinnen.

Die kommenden eidgenössischen Wahlen dürften daran für die Aarauer kaum etwas ändern: Kein Kandidat aus der Region Aarau belegt auf den Wahllisten einen Spitzenplatz für einen Sitz im Nationalrat, Aussicht auf die Ersatzbank haben nur wenige.

«Realistisch betrachtet sind die Chancen für die Kandidaten aus Aarau eher klein», sagt Marc Bonorand (SVP), der am 16. September das Podium «Schafft Aarau den Einzug ins Bundeshaus?» mit zwölf hiesigen Kandidaten organisiert.

Wo klemmt es? Hört man sich bei Bezirksparteien und Politexperten um, drückt der Schuh an mehreren Stellen. Zum einen fehlen überregional bekannte Köpfe. «Die Region hat kaum Nationalratskandidaten, die kantonal politisch Gewicht haben», sagt der Aarauer Politexperte Silvio Bircher, der für die SP im National- und Regierungsrat sass. Ähnlich tönt es aus den Parteizentralen: «Die meisten Kandidaten aus dem Bezirk sind kantonal noch zu wenig bekannt», sagt SVP-Bezirkspräsident Franz-Udo Fuchs – eine Einschätzung, die andere Bezirksparteien bestätigen.

Nachwuchs zu wenig gefördert?

Dass in der Region Aarau Favoriten fehlen, erstaunt. Denn im Verhältnis zur Bevölkerung stellt der Bezirk Aarau die meisten Kandidaten aller Bezirke. Fast alle sind aber von den Kantonalparteien auf mittlere oder hintere Listenplätze mit geringen Wahlchancen gesetzt worden.

Hat die Nachwuchsförderung der Bezirksparteien versagt? Silvio Bircher glaubt das nicht. «Nationalratskandidaten werden nicht in den Bezirken gemacht. Wenn jemand in der Partei heraussticht, wird er kantonal gefördert – egal, aus welchem Bezirk er stammt.»

Die Listenplätze der Aarauer Kandidaten dürften deshalb nicht überbewertet werden. «Schwankungen zwischen den Bezirken sind normal.» Hier spiele auch der Zufall eine grosse Rolle. «Es gab Zeiten, da hatte der Bezirk Aarau drei Nationalräte.» So Anfang der 1980er-Jahre, als nebst Silvio Bircher der Erlinsbacher Hans Roth (BGB/SVP) und der Aarauer Bruno Hunziker (FDP) in der grossen Kammer sassen.

Aarau gegen Übermacht Baden

Dennoch spielt es im Aargau eine Rolle, in welchem Bezirk ein Kandidat wohnt: Denn Baden ist mit 138 250 Einwohnern der mit Abstand bevölkerungsstärkste Bezirk, auf dem zweiten Platz folgt Aarau mit 74 300 Einwohnern. «Wer im Bezirk Baden bekannt ist, profitiert von einer viel grösseren Stimmenzahl», sagt Silvio Bircher. Das bestätigt Michel Meyer, Präsident der FDP-Bezirkspartei Aarau: «Bezüglich Stimmverhältnis ist Baden eine Übermacht.» Sogar Aarau als zweitgrösster Bezirk werde durch den doppelt so grossen Bezirk Baden dominiert.

Kandidaten, die nicht in Baden wohnen, müssen sich deshalb im Wahlkampf mehr anstrengen. Das sagt Andre Rotzetter, Präsident der CVP-Bezirkspartei Aarau und selbst Nationalratskandidat. «Um den ‹Badener Bonus› aufzufangen, müssen wir Aarauer uns noch stärker engagieren und in anderen Bezirken punkten.» Rotzetter: «Die Wahlen werden nicht in Baden entschieden, aber von dort stark geprägt.»

Längere Dominanz ist «stossend»

Doch ist es überhaupt wichtig, aus welchen Bezirken Parlamentarier stammen, die sich in Bern für die Schweiz und den Kanton einsetzen? «Nein», ist Silvio Bircher überzeugt. «In Bern werden nationale Fragen diskutiert – und wenn der Kanton betroffen ist, spannen die Vertreter aus den Bezirken zusammen.» Dennoch sei es nicht befriedigend, wenn ein Bezirk wie Baden über längere Zeit stark übervertreten ist. «Der Aargau ist ein Kanton der Regionen. Deshalb wird es in der Bevölkerung als störend empfunden, wenn ein Bezirk im Kanton ständig dominiert.»