Innovation
Die Raiffeisenbank Aarau-Lenzburg setzt jetzt auf Banker mit Wirtepatent

Den Raiffeisen-Filialen in Aarau, Kölliken und Oberentfelden wird je ein Café angegliedert. Zudem wird die Ein- und Auszahlung von Bargeld in allen Filialen vollständig automatisiert. Drei bis fünf Millionen Franken lässt die Bank sich das kosten.

Urs Helbling
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Auch die Raiffeisenbank an der Kasinostrasse in Aarau wird umgebaut. Automaten übernehmen das Bargeld-Handling, in einem Café gibts Getränke.

Auch die Raiffeisenbank an der Kasinostrasse in Aarau wird umgebaut. Automaten übernehmen das Bargeld-Handling, in einem Café gibts Getränke.

Urs Helbling

Die Raiffeisenbank Aarau-Lenzburg gehört mit ihren rund 90 Angestellten zu den grössten Banken innerhalb der schweizerischen Raiffeisen-Genossenschaft. Und sie ist eine der innovativsten.

Jetzt investiert sie drei bis fünf Millionen Franken in die konsequente, flächendeckende Umsetzung ihres Begegnungsbanken-Konzepts. Zudem wird die Ein- und Auszahlung von Bargeld in allen Filialen vollständig automatisiert.

Die Schalter verschwinden. Und der Standort Muhen wird geschlossen. Bereits in wenigen Monaten hats dort nur noch einen Automaten. Raiffeisen will die nicht mehr benötigten Geschäftsräumlichkeiten verkaufen oder vermieten. Muhen verliert damit seine letzte Bank.

Je ein Banker mit Wirtepatent

Künftig werden alle fünf Filialen der Raiffeisenbank-Aarau-Lenzburg ein angegliedertes Café habe. In jedem Betrieb wird es einen Banker mit Wirtepatent geben. Daniel Lüscher, Vorsitzender der Bankleitung, umschreibt sein Begegnungsbanken-Konzept folgendermassen: «Im Mittelpunkt steht die Begegnungszone. Man soll dort aber auch einen Kaffee trinken können, wenn man nicht mit der Bank geschäftet.»

«Wir sind national gesehen die Konsequentesten in der Umsetzung.» Daniel M. Lüscher, Vorsitzender der Bankleitung

«Wir sind national gesehen die Konsequentesten in der Umsetzung.» Daniel M. Lüscher, Vorsitzender der Bankleitung

Emanuel Per Freudiger

Wichtig ist Lüscher, dass sein Team auch im gastronomischen Bereich «auf professionellem Niveau» arbeitet. In den Cafés werde ein ausgewähltes Sortiment angeboten: nicht nur Latte Macchiato, sondern auch ein Glas Wein.

Damit keine Zweifel aufkommen: «Am Schluss sind unsere Geschäftsstellen immer noch eine Bank», betont Lüscher. Er hat innerhalb der Raiffeisen-Welt das Begegnungsbanken-Konzept erfunden. 2008 in Lenzburg. 2011 wurde die anfängliche Laborbank in ein Definitivum überführt. Die Weiterentwicklung der Idee wurde 2013 in Gränichen realisiert, wo Raiffeisen Teil des Restaurants Postillion ist.

Bargeld nur noch vom Automaten

Jetzt werden die vier anderen überlebenden Geschäftsstellen auf Gränicher Niveau gebracht. Auch, was das Bargeld-Handling anbetrifft. Die Bankangestellten nehmen künftig physisch kein Geld mehr entgegen. Sie zeigen – während der normalen Öffnungszeiten – nur noch, wie der Automat funktioniert.

In jeder Filiale wird ein solches Gerät installiert. Kunden können es an 365 Tagen während 24 Stunden benützen. Die Maschine nimmt und gibt Franken und Euro. Erste Banken der Raiffeisen-Gruppe haben mit diesem System bereits gute Erfahrungen gemacht. Aarau-Lenzburg betritt beim Bargeld-Handling also kein Neuland.

Knacknuss Aarau

Die Umbauten beginnen Anfang nächstes Jahr in Lenzburg und Muhen. An diesen zwei Orten geht es ausschliesslich um den Einbau des Bargeldautomaten. Danach folgen Oberentfelden, Kölliken und Aarau, die moderne Begegnungszonen mit je einem Café erhalten.

Im Fall von Aarau sind die Raiffeisen-Leute erst in der Konzeptionierungsphase. An der Kasinostrasse ist der Platz eng. Die Bank muss sich räumlich neu organisieren, im Parterre hat es nur Platz für die Begegnungszone (mit Café) und die Automaten.

Warum investiert Raiffeisen drei bis fünf Millionen Franken? Die Nachfrage der Kunden nach individuellen, auf sie zugeschnittenen Beratungen sei in den letzten Jahren stetig gestiegen. Gleichzeitig würden Bankgeschäfte zunehmend online abgeschlossen, und das Bedürfnis nach Ein- und Auszahlungen am Schalter habe deutlich abgenommen.

Was heisst das alles für das Personal? Laut Lüscher werden keine Jobs abgebaut.