Bise, 10 Grad, Nebel. «Das beste Wetter, um Marroni zu verkaufen», sagt Marroniverkäufer Domingos Baiao und reibt sich die Hände.

Pünktlich zum Herbstbeginn hat er sein Budeli neben dem KV-Schulhaus in Aarau wieder aufgeschlossen.

Baiao gehört zum Stadtbild wie die Kirche zur Altstadt. Sei elf Jahren röstet er vom September bis März seine Marroni in der grossen Pfanne, wägt sie sorgfältig ab und übergibt das warme Papiertütchen seiner Kundschaft.

Meistens macht der Marroni-Mann mit portugiesischen Wurzeln gute Geschäfte. Doch scheint die Sonne oder regnet es, eilen die Leute an seinem Stand vorbei und er bleibt auf seinen Früchten sitzen. Passanten würden nicht gerne warten, der Marronikauf sei etwas Spontanes, meint Baiao. «Am Sonntag aber, da haben die Leute Zeit und sie kommen zu mir.»

Schlechter Winter 2014

An der Einrichtung des Marronistands von Domingos Baiao hat sich im letzten Jahrzehnt kaum was geändert. Zu seinem Inventar gehören: grosse Marronipfannen, alte Waage, Kasse, Holzkelle. Papiertüten, Kaffeemaschine, Abfalleimer. «Der ist wichtig, da drin landen die schlechten Marroni», sagt Baiao.

Solche stechen ihm schnell ins Auge und er fischt sie heraus, während sie noch brutzeln. Weisen die Früchte dunkle Stellen auf, seien sie von einem Schädling befallen und dadurch ungeniessbar, sagt Baiao. Mit einem Schild vor seinem Stand weist er darauf hin, dass mal eine schlechte Kastanie unter den guten dabei sein kann.

Ungern erinnert sich der Marroniverkäufer an den Beginn der letzten Saison: Die Qualität der Marroni sei wegen der schlechten Ernte und Schädlingen schlecht gewesen und er musste 30 Prozent der Früchte wegschmeissen.

Dann wurden auch noch die Parkplätze vor dem Pestalozzischulhaus aufgehoben und die Kunden, die früher mit dem Auto direkt vor seinem Stand parkiert und eine grosse Familienportion gekauft hatten, kamen bis jetzt nicht wieder.

Sommer in Portugal verbracht

Doch jetzt beginnt eine neue Saison und Domingos Baiao ist nicht nur braun gebrannt, sondern auch gut gelaunt.

Er verbrachte den Sommer in seiner Heimat in Portugal, wo er am Meer faulenzte und ausgiebig fischte. Er habe ein gutes Leben, findet er.

Vom Marroniverkauf könne er leben, ohne dass er im Sommer arbeiten müsse. «Ich bin selbstständig und habe keinen Chef.»

Doch jetzt stehen dem Portugiesen lange und harte Wintermonate in seinem Marronistand bevor: Er arbeitet von morgens bis abends, dies an sieben Tagen. Was isst er da am meisten? «Natürlich Marroni, schauen Sie nur meinen Bauch an», sagt er und lacht.

Domingos Baiao ist ein ruhiger, netter Mensch. Wenn es aber um die Qualität seiner Marroni geht, wird er energisch: «Ich nehme nur die besten, das wissen meine Lieferanten.» Etwas mehr als tausend Kilogramm verbraucht er in einer Saison.

Am meisten Marroni bezieht er aus dem Tessin, aus Italien und aus Portugal. Nur Marroni? «Natürlich auch Kastanien», sagt der Marroniverkäufer. «Doch der Unterschied zwischen Marroni und Kastanien ist so gering, dass man ihn kaum sieht oder schmeckt.» Baiao bevorzugt die Kastanie, sie sei etwas runder und bissiger im Geschmack.

Was kümmerts den Marroniliebhaber: Hauptsache, die Früchte schmecken.