Einen von vier Vereinen im Aargau, die regelmässig musikalisch-heitere Bühnenstücke aufführen. Die anderen sind in Bremgarten, Rheinfelden und Möriken. In Letzterem haben eben 8500 Personen die «Gräfin Mariza» besucht. Als Operetten-Veranstalter hat Hansrudolf Bürgi neben Hochs auch Tiefs erlebt. Besonders schwierig war es 2008, als die Komische Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» nur 8440 Personen (bei 25 Vorstellungen) anlockte und ein Defizit von 80'000 Franken resultierte. 2014 warf «Der Vogelhändler» (6500 Besucher) bereits wieder Gewinn ab. Und 2016 schlug «Eine Nacht in Venedig» richtig ein. Dank einer Neuerung, die der Operette einen moderneren Touch gab, wie sich Bürgi erinnert. Erstmals standen nicht verschiedene Kulissen auf der Bühne, erstmals blieb der Vorhang immer offen: Es gab ein Bühnenbild mit wechselnder, dynamischer Beleuchtung. Und eine Drehbühne.

Budget von 700'000 Franken

Das Bühnenbild-Konzept kommt auch jetzt beim «Weissen Rössel» wieder zur Anwendung. Auf die Drehbühne wird verzichtet. Das «Weisse Rössel» ist die Erfolgsoperette schlechthin. Die Operette entstand erst 1930. Sie basiert auf einem alten Schwank, der von Ralph Benatzky umgeschrieben wurde. «Fachleute sagen, das ‹Weisse Rössel› sei der Vorläufer des deutschen Musicals», erklärt Bürgi. Die Solisten ständen nicht mehr einfach auf der Bühne und würden Arien singen, sondern sie bewegten sich dazu.

Die Theatergesellschaft Beinwil am See hat mit dem «Weissen Rössel» hervorragende Erfahrungen gemacht. Sie führt es dieses Jahr bereits zum fünften Mal auf. Das erste Mal war 1945 unmittelbar nach dem Krieg – das «Weisse Rössel» galt im Nazi-Deutschland als entartete Kunst. 2004 gabs mit dieser Operette einen Allzeit-Rekord. Es kamen fast 13'000 Zuschauer (bei gegen 30 Aufführungen) in den «Löwen». Ab kommendem Samstag hofft die Theatergesellschaft auf 10'000 Besucher (bei 24 Aufführungen). Zwischen 4000 und 5000 Tickets, also fast die Hälfte, hätten im Vorverkauf bereits abgesetzt werden können, erklärt Hansrudolf Bürgi. «Wir sind zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen.» Das Budget beläuft sich auf 700 000 Franken.

Neben ein paar Profis, den Solisten, wirken vor und hinter der Bühne über 100 Freiwillige mit. Mit einer neuen Produktion beginnt die Theatergesellschaft Beinwil am See immer erst, wenn sie mindestens 100'000 Franken Sponsorenbeiträge beisammen hat. Daran steuert der Kanton 40'000 Franken aus dem Swisslosfonds bei.

Hansrudolf Bürgi hofft auf eine Verjüngung des Publikums. Die Operetten sollen entstaubt werden, indem die Texte neuzeitlicher gemacht und verständlicher werden. In Beinwil am See ist mit Monika Wild zum dritten Mal eine Regisseurin im Einsatz, die vom Sprechtheater herkommt. Sie verlange eine präzisere Arbeit – auch beim Sprechen, sagt Hansrudolf Bürgi. Er versucht zudem, wieder vermehrt einheimische Künstler, ganz speziell junge, in die Produktion einzubauen. Im Chor, aber auch bei den Rollen. So dieses Jahr den 18-jährigen Beinwiler Gelsomino Romer, der den Kellner Piccolo spielen wird.

Premiere ist am kommenden Samstag. Die 24 Aufführungen finden bis zum 18. März statt. Am besten gebucht sind die Vorstellungen am Sonntagnachmittag.