Die IBAarau plant die Neukonzessionierung und Erneuerung ihres Aarekraftwerks. Noch wartet sie auf den Entscheid des Kantonsrats Solothurn. Hans-Kaspar Scherrer, CEO der IBAarau, geht aber davon aus, «dass auch der Kanton Solothurn der mit den Kantonen ausgehandelten Neukonzessionierung bald zustimmen wird».

Gleichzeitig mit der Kraftwerkserneuerung beabsichtigt die IBAarau, den Landstreifen zwischen Erlinsbacherstrasse und dem Aarekanal bis hin zur Gemeindegrenze Erlinsbach neu zu überbauen. Die zwei zum Teil über 100 Jahre alten Häuser an der östlichen Parzellengrenze, wo demnächst der Installationsplatz für die Bauarbeiten am Kraftwerk eingerichtet werden soll, stehen bereits leer.

Der Stadtrat hat deren Abbruch bewilligt. Die Mieter der weiteren Häuser müssen ihre Wohnungen bis Herbst 2015 verlassen. Die IBAarau beabsichtigt, entlang der Erlinsbacherstrasse bis 2020 eine «Mehrgenerationensiedlung mit mittleren Mietpreisen» realisieren.

Zur Veranschaulichung hat die IBAarau eine Testplanung veranlasst. Vier interdisziplinär zusammengesetzte Teams mit Kernkompetenzen aus Städtebau und Architektur, Verkehr und Landschaftsarchitektur haben ihre Lösungsvorschläge unterbreitet. Ein Gremium mit Fachexperten und Vertretern der IBA und der Stadt haben diese beurteilt.

Am Samstag hat Hans-Kaspar Scherrer die Ergebnisse präsentiert. Rund 40 Personen, vor allem betroffene Bewohner der Erlinsbacherstrasse und Anwohnern aus der Nachbarschaft, zeigten Interesse. Eine weitere Präsentation im Hauptsitz der IBA an der Oberen Vorstadt 37 findet am Montag (17 bis 19 Uhr) statt.

Das Konzept der Berner Architekten Aebi und Vincent hat das Fachgremium am meisten überzeugt. Als Einzige orientieren sie die Höhe der geschwungenen dreigeschossigen Häuserzeile am Verlauf des Wasserspiegels der aufgestauten Aare. Vor- und Rücksprünge strassenseitig und vier Unterbrüche gliedern das Gebäude. Da die Strasse Richtung Stadt abfällt, bekommt die Häuserzeile im östlichen Bereich ein Sockelgeschoss und erscheint deshalb viergeschossig, während sie im Westen gegenüber der Strasse tiefer liegt und nur zweigeschossig wahrgenommen wird.

Parkähnlicher öffentlicher Raum

Zwischen den privaten Gärten auf der Rückseite der Häuser und der Aare entsteht ein parkähnlicher offener Raum, der Richtung Westen in den Erlinsbacher Schachen übergeht. Bäume und geschwungene Wege führen die Passanten in die unbebaute Aareebene.

«Die Bauzone wird um über 6000 Quadratmeter reduziert», erklärte Hans-Kaspar Scherrer, «die Grünzone mehr als verdoppelt.» Das Areal ist im Westen noch in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen und soll nun der Wohnzone W3 zugeteilt werden. Der Stadtrat begrüsst die Umzonung in Anbetracht der Renaturierung und des Wegzugs des Werkhofs der IBAarau auf der Kraftwerksinsel und hat die nun vorliegende Testplanung angeregt.

Vorgabe für die Planerteams waren 120 Wohnungen unterschiedlicher Grösse. Das Berner Architektenteam Aebi und Vincent, das mit einer strassenbegleitender, 3-geschossigen Bebauung überzeugt, konnte diese Nutzungsanforderung nur erfüllen, indem ein sechsgeschossiger Kopfbau nicht nur die für das Kraftwerk benötigten Lager und Garagen sowie die Heizzentrale aufnimmt, sondern auch zusätzliche Wohnungen.

«Dieses Gebäude verträgt es so sicher nicht», sagt Scherrer. «Wir müssen auch nicht an die Grenze der möglichen Ausnützung gehen.» Die Testplanung habe aber bezüglich der Ausnützung wertvolle Anhaltspunkte geliefert. «Wichtig ist, dass die Bedürfnisse der Bewohner, der Anwohner und der Erholungssuchenden berücksichtigt werden.» Die neue Überbauung, die Naturwerte und die der Bevölkerung zugänglichen Erholungsgebiete müssten als Ganzes gestalterisch und funktional attraktiv sein.

Das Areal in unmittelbare Nähe des Kraftwerks hat laut Scherrer für die IBA auch strategische Bedeutung im Hinblick auf zukünftige Kraftwerksausbauten. Es soll deshalb im Besitz der IBAarau bleiben. «Ein Verkauf der Wohnungen ist nicht vorgesehen.»