Ein grosses Loch klafft in der Fassade des Gebäudes der Aargauer Zeitung in Aarau. Zehn auf sechs Meter. Seit Wochen. Wie ein riesiger alter Duschvorhang schliesst es bloss ein graues provisorisches Falttor. Meist ist es aber offen. Davor steht, wie ein grosser gelber Wächter, ein Pneukran.

Soeben hievt er erneut ein 15 Tonnen schweres Modul der neuen Druckmaschine der AZ Medien aus einem Lastwagen auf ein blaues Gerüst aus massiven Stahlträgern. Ein Zettel an der Druckeinheit besagt: «Versandfertig konserviert.»

Christian Stuker fotografiert die Hubaktion fasziniert mit dem Handy; sein «erweitertes Gedächtnis», einrotes Notizheft, unter den Arm geklemmt. «Wir verbauen knapp 600 Tonnen», sagt der 43-jährige Baselbieter. Als externer Projektleiter sorgt er seit Anfang Jahr für den reibungslosen Abbau einer der zwei alten Druckmaschinen. Vor knapp drei Wochen konnte endlich der Einbau der 20-Millionen-Investition beginnen: eine Hightech-Druckanlage vom Typ Commander CT, gefertigt von König & Bauer (KBA) in Würzburg.

Die Druckerei der AZ Medien befindet sich gleich neben dem Newsroom, dem weitläufigen Grossraumbüro der Journalisten. Dort ist es hingegen eng. «CT steht für kompakt», erklärt Christian Stuker, und das sei auch nötig. Denn die hintere, mit einer Staubwand abgetrennte Hälfte der Halle ist von der zweiten rund 15-jährigen Druckmaschine belegt. Trotz Kompaktheit und Modulbauweise, für den Einbau musste eine Hallenwand komplett entfernt werden.

«21 050 auf 8000 auf 13 000 und ein paar Zerquetschte», kommentiert der deutsche Montageleiter Udo Eyrich trocken. In Millimeter beziffert er den Platz, der den neun KBA-Monteuren zur Verfügung steht, es sei wortwörtlich Millimeterarbeit.

«Höhe reicht?» – «Reicht!» – «Brauche noch fünf, Axel!» – «Geben Mirko!» – «Gut!» Die Handgriffe des Teams sitzen und fügen sich nahtlos ineinander. Soeben haben die Männer die 14. von 20 Druckeinheiten auf dem Podest des Stahlträgergerüsts abgesetzt. Per Kettenzug und Handratsche ziehen sie die 15 Tonnen auf Panzerrollen Zentimeter für Zentimeter in die Halle.

Die Plattform braucht es, da die Druckerhalle im Hochparterre liegt. Zudem werden die Druckeinheiten aus Platzgründen aufeinander platziert. «Stapeln ist eigentlich nicht üblich», sagt Udo Eyrich. Daher ist es auch für den erfahrenen Montageleiter – nächste Woche feiert er sein 33-jähriges Dienstjubiläum – «ein aussergewöhnlicher Einsatz in Aarau».

«Langsam Aufdrehen!» – «Let’s go!» Wegen des Lärms der zweiten Druckmaschine beschränken sich die Monteure auf kurze Zurufe und Handzeichen. Die schwere Last hängt nun am Haken eines extra eingebauten Portalkrans, der langsam auf zwei meterbreiten Schienen fährt.

«Der Hallenkran unter der Decke kann nur fünf Tonnen heben», erklärt Stuker. Der Boden ist für die
zusätzliche Last des Portalkrans aber nicht ausgelegt – Einsturzgefahr. Beim Gang durch das Untergeschoss, in dem die meterdicken Papierrollen eingespannt und gewechselt werden, weist Christian Stuker mit dem Kugelschreiber auf die Lösung: Ein Wald aus Baustreben im eh schon engen Raum stützt die Betondecke.

Dahinter versteckt sich die gekappte Stromzufuhr. Kein Kabel, sondern ein 15 Zentimeter grosses Rohr; dicke Kupferstifte ragen heraus. Für beide Druckmaschinen gibt es nur eine Leitung, sodass das Abhängen der alten im März zu einer Auslieferungspanne führte. Auch die neue Druckanlage wird später hier angehängt. «Wir sind vorgewarnt, ein zweites Mal passiert das nicht», sagt Stuker.

«Mühsam, aber ist halt so», sagt der Monteur achselzuckend. Die Druckeinheit wurde kurz nach dem provisorischen Tor wieder abgesetzt, obschon sie ganz nach hinten in die Halle gehört. Der Hallenkran ist im Weg. Mehrmals täglich müssen die beiden Kräne so umständlich aneinander vorbeimanövriert werden.

Zwei Elemente werden täglich eingebaut. Ambitiös nennt dies Stuker, «aber wir sind im Zeitplan». Nächste Woche sollen alle Module montiert sein, dann machen Techniker und Elektriker die Maschine bis zum 29. August betriebsfertig. Bereits am 5. Juni trifft der letzte Lastwagen aus Würzburg ein. «Den nennen wir Lumpensammler», lacht Udo Eyrich, «er bringt alle restlichen kleinen Teile.» Er nickt und verschwindet in die Mittagspause. «Mahlzeit.»