Brandbekämpfung
Die Neue der Feuerwehr Aarau hat jetzt auch einen Knick

Die neue, fast eine Million Franken teure Autodrehleiter wurde an einem Tag der offenen Tür eingeweiht. Sie ist bereits die dritte Drehleiter, welche die regionale Feuerwehr besitzt. Jedoch die erste, welche durch Hydraulik abgeknickt werden kann.

Urs Helbling
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Die Schulung läuft. Dominik Brändli (r.), Chef 1. Zug, und Reto Heiz, stv. Chef Chauffeure, vor der neuen Autodrehleiter.

Die Schulung läuft. Dominik Brändli (r.), Chef 1. Zug, und Reto Heiz, stv. Chef Chauffeure, vor der neuen Autodrehleiter.

Urs Helbling

Es ist das Prunkstück einer Feuerwehr. Nur die wenigsten besitzen eine Autodrehleiter (ADL). Wer eine grosse hat, ist wichtig in der Welt der Brandbekämpfer. Als letzte der elf Aargauer Stützpunktfeuerwehren bekommt jetzt auch Aarau eine ADL der modernsten Generation. Die Aarauer Leiter wird am Samstag um 11 Uhr eingeweiht. Dann beginnt auch ein Tag der offenen Tür mit spektakulären Feuerwehr-Demonstrationen.

Seit 1963 eine Autodrehleiter

Die Feuerwehr Aarau besitzt seit 1963 eine ADL. Die erste bestand im Wesentlichen aus einem handelsüblichen Lastwagen (Magirus Deutz Mercur 125), auf dem eine Leiter montiert war. Sie wurde 1992 ausser Betrieb genommen, blieb aber im Besitz der Stadt – quasi als Museumsobjekt.

Die zweite ADL stammt aus dem Hause Iveco und wurde 1992 gebaut. Ihre Drehleiter ist 30 Meter lang und das Fahrzeug wesentlich vielfältiger ausgerüstet. Unter anderem mit einem Sprungretter. Die zweite ADL ist seit Mittwoch offiziell nicht mehr im Besitz der Feuerwehr Aarau. Sie ging an den Lieferanten zurück und wird von Iveco künftig als Ersatzfahrzeug verwendet.

ADL kostet fast eine Million

Jetzt ist die dritte da: auch sie wieder in Niederflurbauweise. «Die Abmessungen sind genau gleich wie bei der zweiten. Die ADL ist damit voll altstadttauglich», sagt Michael Gautschi, der seit 2015 Feuerwehrkommandant ist. Die Leiter ist wieder 30 Meter, hat aber gegenüber dem Modell aus dem Jahr 1992 einen entscheidenden Vorteil: «Dank einer Hydraulik kann sie im oberen Teil geknickt werden», so Gautschi. Das kann insbesondere bei Arbeiten über den Dächern ein entscheidender Vorteil sein.

Die neue Autodrehleiter kostete 950 000 Franken. Gut zwei Drittel übernimmt die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV), den Rest muss die Stadt Aarau zahlen. «Solche Geräte tun ihre Arbeit mindestens 20 Jahre», sagt Gautschi. Seit zwei Wochen wird die Feuerwehr auf das Hantieren mit der neuen Leiter geschult. Die Stützpunktfeuerwehr Aarau hat einen Bestand von 135 Personen.

Rund zehn Prozent des aktuellen Korps sind Frauen. Die Feuerwehr Aarau hat kein Nachwuchsproblem. Aber: «Die Rekrutierung von neuen Leuten wird immer schwieriger», sagt der 40-jährige Kommandant Michael Gautschi. Die Gründe dafür seien vielfältig, hingen etwa mit dem gesellschaftlichen Wandel zusammen. Zudem täten sich immer mehr Arbeitgeber schwer damit, dass ihre Angestellten wegen der Feuerwehr im Job fehlten.

Die nächste Rekrutierung findet im Oktober statt. In der Feuerwehr kann man ein schönes Sackgeld verdienen – sofern der Sold nicht bei der Nachbesprechung in der Beiz heruntergespült wird. Für eine reguläre Übung gibts 50 Franken (zwei Stunden à 25 Franken). Bei einem Ernstfalleinsatz verdient der Feuerwehrsoldat 45 Franken pro Stunde.

Mit 110 Einsätzen war 2016 für die Aarauer Feuerwehr bisher ein Durchschnittsjahr. Grösster Einsatz war ein Dachstockbrand im Gönhardquartier vor den Sommerferien. In einem normalen Jahr rechnet die Feuerwehr mit etwa 200 Einsätzen.

Weitere Grossinvestition

Was kommt nach der Autodrehleiter als nächste Grossinvestition? Ein Schlauchverlege-Fahrzeug. Die Ausschreibung läuft, die Inbetriebnahme ist für 2017 geplant. Es wird rund 400 000 Franken kosten.