«Mittelalter im 2018» heisst das Motto der Erlinsbacher Fasnacht. Speuz wird zur «Narrenfestung». Burgfestspiele sind am Schmutzigen Donnerstag angesagt. Erwartet werden etwa, ähnlich wie bei einem Mittelalterfest, buntes Gauklervolk, scharfzüngige Hofnarren, Ritter in quietschenden Rüstungen, Damen von edlem Geblüt, verklärt dreinblickende Nonnen oder eher irdischen Bedürfnissen zugewandte Marketenderinnen.

«Zeige uns, was du im Mittelalter gewesen wärst!», lautet die Aufforderung im Programmflyer des Fasnachtskomitees Speuz. Nach der offiziellen Eröffnungszeremonie (Donnerstag, 19.30 Uhr) geht es am Maskenball im Festzelt auf dem Dorfplatz so richtig ab.

23.30 Uhr kommt es zur Maskenprämierung. Natürlich erfolgt der Start zur Speuzer Fasnacht schon lange vor dem Eröffnungsakt: Mit der ohrenbetäubenden Chesslete, die morgen Donnerstag, 5 Uhr früh beim «Kreuz» ihren Anfang nimmt und bei Gratis-Mehlsuppe auf dem Dorfplatz endet.

Der 40. Speuzer Umzug

Das Highlight der Speuzer Fasnacht ist, wie alle Jahre, der grosse Umzug vom Sonntag, 14 Uhr, der in der Regel um die 8000 Schaulustige anlockt. Es ist der 40. Umzug in Erlinsbach. Sein 40-jähriges Bestehen feiert nächstes Jahr auch das Speuzer Fasnachtskomitee (Fako). Was Fako-Präsident Andreas Kessler bedauert: Am Umzug vom nächsten Sonntag wird einmal mehr kaum eine Schulklasse mit von der Partie sein.

«Schulferien», sagt Kessler mit resigniertem Unterton in der Stimme. «Wir probieren es jedes Jahr aufs Neue.» Es werde wohl eine einzige Kindergartenklasse mitlaufen. An originellen Umzugswagen en masse wird es dagegen nicht fehlen. Die nötigen Vorbereitungen sind wie immer schon im Sommer des Vorjahres angelaufen. Und die eine oder andere auswärtige Gugge wird – akustisch – ebenfalls zum Spektakel beitragen.

Vier Tage dauert die Herrlichkeit, denn anders als in früheren Jahren endet die Speuzer Fasnacht 2018 schon am Fasnachtssonntag oder genauer: am frühen Montagmorgen, 2 Uhr. Traditionell ist das bittere Ende in den solothurnischen Fasnachtshochburgen auf den Dienstag angesetzt, den Tag vor dem Aschermittwoch.

Nur: Am Dienstag blieben nach Kesslers Angaben in den letzten Jahren in Erlinsbach jeweils die Leute aus. Und am Montag war ohnehin nie etwas los. Praktisch überall ist der Montag die Pausennummer während der Fasnacht. An diesem Tag kann man sich von den Anstrengungen des Wochenendes erholen und die letzten Reserven mobilisieren für das Finale vom Dienstag – sofern es ein solches gibt.

Dauert nun die Fasnacht zwei – umsatzschwache – Tage weniger, so der Fako-Präsident, lassen sich Kosten sparen. Heisst: Die Fasnachtsfestung Speuz verteidigt, was sich mit vertretbarem Aufwand verteidigen lässt. Das aber mit voller Kraft.

Aus für Schnitzelbankabend

Eine weitere Verlustanzeige bleibt den Organisatoren der Speuzer Fasnacht 2018 nicht erspart: Früher gab es in der «Trotte», dem Brückenkopf der Speuzer Fasnacht am Aargauer Ufer des Erzbachs, jeweils Schnitzelbankvorträge.

Doch das neue Regime in der «Trotte» zeigte sich dem Vernehmen nach nicht interessiert daran. Bei der Beizenfasnacht macht die «Trotte» aber mit – wie «Teresa», «Freihof» und «Löwen». Und ins Festzelt-Programm, lässt Kessler durchblicken, könne man die Schnitzelbänke nicht auch noch integrieren. «Schade», sagt der Fako-Präsident. Aber es sei so: Den Schnitzelbankabend – letztes Jahr noch am Freitag und am Dienstag durchgeführt – gebe es nicht mehr.

Trotzdem: Während vier Tagen ist im Erzbachtal allerhand los: Beizenfasnacht, Strassenfasnacht, Masken- und andere Bälle. Hier trifft man auf furchteinflössende Wikinger aus dem frühen Mittelalter, dort (am Samstagabend, 20 Uhr in der «Lion’s Bar») auf Love-and-Peace-ergebene Hippies aus dem vorigen Jahrhundert.