Aarau
Die nächste Kindergarten-Million kommt in Aarau bestimmt

Drei Projekte sind in der Pipeline – für den Kindergarten im Quartier Binzenhof beantragt Aaraus Stadtrat einen Projektierungskredit.

Hubert Keller
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Dritte Abteilung geplant: Die zwei Kindergärten im Quartier Binzenhof müssen erweitert werden.

Dritte Abteilung geplant: Die zwei Kindergärten im Quartier Binzenhof müssen erweitert werden.

Hubert Keller

«Aufgrund der Einführung des zweijährigen Kindergartenobligatoriums und der wachsenden Kinderzahlen besteht Bedarf für zusätzlichen Schulraum in den Kindergärten.» Ob Telli, Stadtteil Rohr, Scheibenschachen oder nun auch Binzenhof, so oder ähnlich tönt es immer, wenn der Stadtrat dem Einwohnerrat Projektierungs- und Baukredite für neue Kindergarten vorlegt. «Der Grund für den Ausbau ist erfreulich. Es hat vor allem mehr Kinder», sagt Stadträtin Franziska Graf-Bruppacher. Das zweijährige Kindergartenobligatorium wirke sich nicht wirklich stark aus, da die meisten Kinder der entsprechenden Jahrgänge den Kindergarten besucht haben.

Mehr Kinder hat es auch im Schulkreis Gönhard. Bis zum Sommer 2014 befanden sich an den drei Standorten Gönhard, Goldern und Binzenhof je zwei Abteilungen. Als Übergangslösung wurde auf das Schuljahr 2014/2015 am Standort Gönhard ein dritter Kindergarten eingerichtet. Dieser soll durch eine definitive dritte Abteilung im Binzenhof abgelöst werden. Insgesamt hat es im Schulkreis Gönhard somit sieben Kindergartenabteilungen.

Im Sommer 2017 steht die Erweiterung der Schulanlage Gönhard an. Für die sechste Primarschulklasse werden drei zusätzliche Abteilungen geschaffen. Es werden Räume für die schulische Heilpädagogik sowie Gruppen- und Fachräume geschaffen. Die zwei bestehenden Kindergärten werden in neuen Räumen untergebracht. Sobald gebaut wird, dient das Provisorium im Gönhard als Ersatz für die durch den Bau blockierten Räumlichkeiten. «Daher», so Stadträtin Graf-Bruppacher, «muss der Neubau Binzenhof bis Sommer 2017 gebaut sein. «Alle Projekte sind dringlich oder sehr dringlich», fügt sie hinzu.

Weitere Kindergarten-Baustelle

Wie erwähnt, ist der Binzenhof nicht die einzige Kindergarten-Baustelle. Vor bald zwei Wochen hat der Einwohnerrat einen Kredit von 3,9 Millionen Franken für drei neue Kindergärten im Scheibenschachen bewilligt. Die beiden alten werden abgebrochen. Die dritte Abteilung ist provisorisch in der Eingangshalle des Schulhauses untergebracht, wo Wände eingezogen worden sind. 1,3 Millionen pro Abteilung. Angesichts der finanziellen Lage der Stadt zu teuer, meint Hans Ulrich Locher, Bewohner im nahen Aarepark-Quartier. Er sammelt Unterschriften für ein Referendum.

Im Stadtteil Rohr ist ein Schulgebäude mit drei Kindergarten-Abteilungen geplant. Der bestehende stark renovationsbedürftige Holzpavillon wird abgebrochen, die bestehende Kindergartenabteilung «Auenhalle» wird ersetzt, und es bedarf hier einer zusätzlichen Abteilung. Die Stadt Aarau und die Kreisschule Buchs-Rohr arbeiten zusammen und wollen das Grundstück am der Ecke Kirchweg/Hinterdorfstrasse im Stadtteil Rohr gemeinsam für den Kindergarten und die Familien- und Schulergänzenden Tagesstrukturen Fusta nutzen. Die Ergebnisse des laufenden Architekturwettbewerbs sollen im März vorliegen.

Ein neuer Kindergarten, jener in der Telli, ist bereits in Betrieb. Die Kinder haben ihn im August letzten Jahres mit Freude in Beschlag genommen. Sie kümmert es wenig, dass auch diese Abteilung über 1 Million Franken gekostet hat.

Auch dieser zu teuer? «Wollen wir an Schulanlagen sparen, die auf eine lange Lebensdauer angelegt sind?» Franziska Graf-Bruppacher antwortet mit einer Gegenfrage und verweist auf das Oberstufenschulhaus Schachen, das offenbar nicht für hundert Jahre gebaut worden sei, dafür aber bereits teure Sanierungen nötig hat. Gute Qualität zahle sich über die Jahre aus.

Auch der Kindergarten im Binzenhof-Quartier werde über eine Million Franken kosten, sagt Graf. Ein Schulgebäude könne nicht mit einem Einfamilienhaus verglichen werden, an das bezüglich Wärmedämmung, Schallschutz, Lüftung, Beleuchtung und Abnutzung nicht derart grosse Anforderungen gestellt würden. «Man kann billiger bauen, ob das aber auch günstig und vor allem langfristig günstig ist, ist die andere Frage.» Und, sagt sie, in einem Container könne durchaus unterrichtet werden, nur müsse man dann auch die höheren Heizkosten in Kauf zu nehmen bereit sein.