Aarau

Die Musiklektionen werden bald teurer und kürzer

Die Musikschule soll in Aarau teurer werden.

Die Musikschule soll in Aarau teurer werden.

Endlich liegt dem Einwohnerrat das neue Musikschulreglement vor – für Schüler und Eltern ändert sich einiges. Das müssen Sie wissen.

Es war ein langer Weg bis zum neuen Reglement der Musikschule Aarau. Schon 2005 hatte die Schulpflege den Beschluss gefasst, das Reglement zu überarbeiten. Anfang 2013 wurde ein «Reglement über die Musikschule und das Anstellungsverhältnis der Musiklehrpersonen» vom Einwohnerrat zurückgewiesen. Daraufhin verlangten Christoph Waldmeier (EVP) und Peter Roschi (CVP) mit einer Bürgermotion, es seien dafür zwei separate Reglemente zu machen. Schon wenige Monate später kam das Reglement zur Anstellung der Musiklehrpersonen im Rat durch – das eigentliche Musikschulreglement liess aber auf sich warten. Bis jetzt: Am Montagabend wird die totalrevidierte Version im Einwohnerrat behandelt. Sicher ist: Auch diese Version wird im Einwohnerrat nicht einfach durchgewunken. Bereits liegen Abänderungsanträge vor.

Lehrer arbeiten gratis

Ganz kippen will das Reglement aber niemand. Die Neuauflage ist dringend. Unter anderem, weil die Musikschullehrer nicht für ihre volle Leistung bezahlt werden. Denn das alte Reglement sieht eine Lektionsdauer von 50 Minuten vor. Seit bald drei Jahren werden die Musikschullehrer aber nach dem «Gesetz über die Anstellung von Lehrpersonen» entlöhnt – und dort wird von einer Lektionsdauer von 45 Minuten ausgegangen. Einwohnerrat Christoph Waldmeier, selber Oberstufenlehrer, erklärt: «Bei jeder Lektion arbeiten die Musikschullehrer folglich fünf Minuten gratis, sozusagen als Dienst am Kunden. Das muss sich dringend ändern.»

Mit dem neuen Reglement dauert eine Lektion also nur noch 45 Minuten, nicht mehr 50. Weil gleichzeitig die Elternbeiträge erhöht werden, heisst das: Eltern zahlen mehr Geld für weniger Unterrichtszeit. Bisher kostete eine Lektion pro Woche jährlich 600 Franken für alle Schulstufen. Neu sind es 875 Franken (1. bis 5. Klasse) respektive 725 Franken (6. bis 9. Klasse). Weil der Kanton 15 Minuten Musikunterricht für Oberstufenschüler bezahlt, finanzieren deren Eltern ein Stück weit den Unterricht für die Primarschüler mit. Der Stadtrat argumentiert, die neuen Elternbeiträge würden einen Mehrertrag von jährlich rund 116 300 Franken bringen und damit die Stabilo 2-Vorgaben erfüllen.

Sehr kurze Lektionen

Beim alten Reglement konnten die Schüler aus drei Lektionen-Längen wählen: eine volle Lektion (50 min), eine halbe Lektion (25 min) oder eine Zweidrittels-Lektion (35 min). Mit dem neuen Reglement sollen die Schüler nur noch zwischen einer ganzen (45 min) und einer halben Lektion (22,5 min) wählen dürfen. Und genau das sei pädagogisch nicht sinnvoll, sagt Christoph Waldmeier. «Die Lektion beginnt, sobald der Schüler das Zimmer betritt. Je nach Instrument dauert es relativ lange, bis der Schüler vorbereitet und eingespielt ist – dann sind die 22,5 Minuten schon bald um.»

Unter diesen Umständen sei es auch fast unmöglich, die Schüler adäquat auf den «mCheck», eine sechsstufige Musikprüfung, vorzubereiten. Dazu müsse auch der Gehörbildung und der Musiktheorie Unterrichtszeit eingeräumt werden, so Waldmeier. «Der erfolgreiche Abschluss möglichst vieler Schüler beim mCheck ist notabene ein Leistungsziel, das in der Botschaft zum Budget 2016 festgehalten ist.» Zudem sei der Sprung zwischen einer halben und einer ganzen Lektion sehr gross. Ein Abänderungsantrag – eingereicht von SP, Grüne, Pro Aarau/EVP/GLP und CVP – sieht deshalb vor, wie bisher eine Zweidrittels-Lektion anzubieten.

Unterricht ab erster Klasse?

Das neue Reglement sieht zwar eine Ausweitung des Instrumentenangebots vor, und gewisse Instrumente sollen neu bereits ab der ersten Klasse angeboten werden. Das sind jedoch nur Klavier, Cembalo, Akkordeon, Cello, Violine und Blockflöte. Wer ein Blasinstrument lernen will, kann das frühestens ab der zweiten Klasse tun, Saxophon gibt’s erst ab der dritten, Sologesang ab der fünften Klasse.

Im Umfeld der Musikschule ist diese Auswahl umstritten. Möglich, dass dieser Unmut obsolet wird: Die FDP-Fraktion stellt nämlich einen Abänderungsantrag, wonach Musikschulunterricht weiterhin erst ab der zweiten Klasse angeboten werden soll.

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