Aarau

Die Milchgasse macht den Anfang – diese Sanierung ist dringend nötig

Die Sanierung der Station Milchgasse im Aarauer Pflegeheim Golatti ist offiziell gestartet – Überraschungen beim Bau sind einkalkuliert.

Im Stationsbüro stapeln sich die Radiatoren. Der Boden ist mit Holzplatten bedeckt, über die Wände winden sich pinke Linien. Es ist laut, es ist umtriebig. Die Beschaulichkeit des Pflegeheims ist weggefegt, wer hier durch die Gänge läuft, trägt nicht Dauerwelle, sondern Bauhelm. Sie wird zurückkommen, die Beschaulichkeit, mitsamt den Bewohnern. Aber zwischenzeitlich wird hier kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Die Altstadthäuser Station Milchgasse des Pflegeheims Golatti (Nummer 29, 33 und 35) werden in den nächsten gut eineinhalb Jahren für 7,8 Millionen saniert. Gestern war offizieller Baustart.

Nicht alle Zimmer hatten bislang eine eigene Dusche

Wie dringend nötig diese Sanierung ist, zeigte Rupert Studer, Abteilungsleiter Pflegeheime, auf einem Rundgang: Die Nasszellen haben die Grösse von Telefonkabinen, nur die wenigsten haben eine Dusche. Sich hier mit einem Rollstuhl zu bewegen, ist unmöglich. Unter anderem deswegen erfüllt die Station Milchgasse die Anforderungen nicht, die der Kanton heute an ein Pflegeheim stellt. Die letzte Sanierung liegt 50 Jahre zurück.

«Künftig werden alle Bewohner ähnlich grosse Zimmer haben», so Studer. Ausserdem werden 25 der 27 Zimmer mit rollstuhlgerechten Nasszellen mit WC und Dusche ausgestattet. Ein weiteres Zimmer wird künftig als «Ferienzimmer» genutzt, das über die historische Laube begehbare Dependence- Zimmer wird nicht verändert. Verschoben werden die Gänge, zur Altstadt-Seite hin. Heute eng und dunkel, werden sie nun breiter und bieten so Platz für Aufenthaltsbereiche. Durch dieses Verschieben werden künftig auch alle Zimmer Blick auf den Schachen bieten. Um die Erdbebensicherheit zu gewährleisten, sind Verstärkungen des Tragwerks nötig. Haus Nummer 29 wird gar ausgehöhlt, die bestehenden neuzeitlichen Decken werden durch Beton­decken ersetzt.

In der Station Milchgasse soll künftig mehr Leben einziehen: Im bisherigen Stationszimmer im Erdgeschoss beispielsweise wird das «betreute Wohnen» eingerichtet. Bislang hielten die Bewohner sich ausserhalb der Zimmer in der Station Golatti auf. «Wir wollen die Station Milchgasse im Alltagswesen stärken», so Studer.

Dass der Stadtrat anstrebt, die Station Milchgasse nur noch die nächsten 15 bis 20 Jahre als Pflegeheim zu nutzen, hat Auswirkungen auf den Bau: «Wir bauen so, dass wir flexibel sind», sagte die zuständige Stadträtin Angelica Cavegn Leitner. So werden beispielsweise die Trennwände zwischen den Zimmern in Gipsständerbauweise erstellt. «So könnten wir dereinst aus den kleinen Zimmern geräumigere Studios machen», so Cavegn weiter. Vor dem Hintergrund der zeitlich begrenzten Nutzung hat der Kanton übrigens auch verschiedene Zugeständnisse gemacht; so zum Beispiel, dass sich vereinzelt Zimmer eine Nasszelle teilen.

Mit Überraschungen muss man rechnen

Mitten in der Altstadt Häuser umzubauen, ist eine Herausforderung. Die Platzverhältnisse sind eng, drinnen wie draussen, denkmalgeschützte Substanz muss bewahrt werden. Ausserdem muss man bei mittelalterlichen Häusern mit Überraschungen rechnen: «Wir wissen viel über diese Häuser, aber wir wissen nicht alles», so Stadtbaumeister Jan Hlavica.

Während drinnen praktisch alles neu wird, gibt es aussen nur kleine Veränderungen: Der alte Putz wird ersetzt, ebenso die Fenster. Künftig wird der offizielle Zugang über den zur Milchgasse hin offenen Hof erfolgen. Am geschlossenen Hof, über den man auch zur Neuen Galerie 6 gelangt, wird nichts verändert.

Die Sanierung der Station Milchgasse löst eine Kettenreaktion aus, die in zehn Jahren abgeschlossen sein soll: Ab 2023 sollen das Pflegeheim Herosé neu gebaut (Volksabstimmung Mitte 2022), 2025 das Herzog-Haus umgenutzt und 2026 die Alterssiedlung Herosé (Abstimmung Mitte 2024) neu gebaut werden. Die Finanzierung erfolgt jeweils nicht mit Steuergeldern, sondern mit Mitteln aus einem Investitionsfonds.

Für die Station Golatti besteht kein Sanierungsbedarf. Erneuert werden muss aber die Liftanlage, so Rupert Studer. «Und auch die Cafeteria werden wir etwas auffrischen.»

Beim Umzug im November wurde für die Milchgasse-Bewohner im Herosé ein roter Teppich ausgerollt.

Beim Umzug im November wurde für die Milchgasse-Bewohner im Herosé ein roter Teppich ausgerollt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1