Aarau

Die Meyer-Stollen werden vorerst nicht geschützt

Auch für Konzerte muss der Meyersche Stollen mitunter herhalten, hier spiele vier Cellisten der argovia philharmonic.

Auch für Konzerte muss der Meyersche Stollen mitunter herhalten, hier spiele vier Cellisten der argovia philharmonic.

Ein juristischer Streit zwischen der Stadt und dem Kanton über die Eigentümerschaft der Meyerschen Stollen verhindert deren Unterschutzstellung.

Die Interessengemeinschaft (IG) Meyersche Stollen hat seit 1999 das Ziel, diesen einmaligen Zeugen der Aarauer Industriegeschichte zu erhalten und den öffentlichen Zugang zu gewährleisten. Der Weg ist allerdings steinig, denn die staatliche Unterschutzstellung lässt weiter auf sich warten. Grund ist ein juristischer Streit zwischen Stadt und Kanton über die Eigentümerschaft. Immerhin eröffnete die Stadt Aarau im Jahre 2010 im Untergrund des neuen Bahnhofs mit einem «Aufschluss» den öffentlichen Zugang zu einem kleinen Teil der Meyerschen Stollen.

Sicherungsmassnahme nötig

Jetzt zeichnet sich ein weiterer Silberstreifen am Horizont ab: Die kantonale Denkmalpflege, die das Dossier 2013 von der Kantonsarchäologie übernommen hat, und das Aarauer Stadtbauamt haben im vergangenen Jahr für den Nordteil des Stollensystems gemeinsam eine Zustandsanalyse und einen Unterhaltsplan erstellt. Im Moment laufen noch geotechnische Untersuchungen, die dann in einen Massnahmenplan münden sollen. Die bisherigen Untersuchungen des zuständigen Ingenieurbüros haben gezeigt, dass ein Abschnitt des Wasserstollens unter der römisch-katholischen Kirche an der Poststrasse sowie ein Vertikalschacht unter dem benachbarten Pfarrhaus vorderhand nicht begangen werden dürfen. Im Bereich unter der Laurenzenvorstadt und des Freihofwegs ist an einer Stelle eine provisorische Sicherungsmassnahme erforderlich.

Vereinsvermögen geht drauf

Eine umfassende Sanierung dieses Teils würde die bescheidenen finanziellen Mittel der IG laut Präsident Andreas Zimmerli «bei weitem übersteigen». Bei den besonders gefährdeten Stellen will die private Interessengemeinschaft aber nicht länger zuwarten und hat deshalb für bauliche Massnahmen an der Generalversammlung einstimmig einen Kredit von 24 000 Franken beschlossen. Dieser Betrag entspricht fast genau dem gesamten liquiden Vereinsvermögen.

Tätig geworden ist der Vorstand aber auch im Hinblick auf die laufende Totalrevision der Aarauer Bau- und Nutzungsordnung (BNO). Im Entwurf werden die Meyerschen Stollen nicht einmal erwähnt. Deshalb fordert die IG, dass das unterirdische Denkmal «integral als Objekt mindestens von kantonaler Bedeutung» geschützt und als «archäologische Fundstelle» aufgeführt werden muss. Gleiches soll auch im Gestaltungsplan Bahnhof Süd verankert werden. Unterstützung erhält die Interessengemeinschaft bei diesem Anliegen vom Aargauer Heimatschutz, von der Aargauischen Naturforschenden Gesellschaft, vom Naturama, vom Forum Schlossplatz und vom Aarauer Bachverein.

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