Aarau
Die Markthalle soll Dreh- und Angelpunkt werden

Die Markthalle steht wie eine Barriere zwischen Innenstadt und Altstadt – eine Arbeitsgruppe will Abhilfe schaffen und loten neue Ideen aus.

Hubert Keller
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Die Nutzung der Markthalle soll verbessert werden.

Die Nutzung der Markthalle soll verbessert werden.

Annika Buetschi

«Die Markthalle ist ein Fremdkörper, der jedem Passanten, der vom Graben her in die Altstadt gelangen will, im Weg steht.» Mit dieser Aussage hatte Peter Kotz die Aarauerinnen und Aarauer im Februar vor drei Jahren aufgescheucht. Der Geschäftsleiter der InterUrban AG hatte im Auftrag der Detaillistenvereinigung Zentrum die Situation der Geschäfte in der Aarauer Altstadt untersucht und Massnahmen vorgeschlagen.

In Erwägung gezogen wurde auch, die Halle abzubrechen. Eine grosse Mehrheit der Aarauerinnen und Aarauer, die sich an einer Online-Umfrage der az beteiligten, sprach sich für ebendiese radikale Lösung aus.

Abbruch steht heute nicht zur Diskussion. Erst recht nicht, nachdem die Halle die Wakker-Preis-Weihe erhalten hat. «Die Markthalle steht. Es gilt aber, sie besser zu nutzen», sagt Andreas Burri, Leiter der städtischen Wirtschaftsfachstelle. Vom Stadtrat hat er den Auftrag erhalten, mit einer Arbeitsgruppe Lösungen zu erarbeiten.

Den Anstoss dazu gab die Detaillistenvereinigung Zentrum. Diese hat vor allem ein Anliegen: Frequenzen von der Innenstadt in die Altstadt bringen, um das Geschäft zu beleben.

Und da wirkt die Markthalle auf dem Färberplatz zwischen den Toren nicht als Schleuse, sondern eher wie eine Barriere. Zudem ist es in der Markthalle im Winter kalt und bisig, im Sommer zieht es durch, was ja nicht immer von Nachteil ist.

Nun gehe es darum, Ideen zu entwickeln, wie die Markthalle besser genutzt werden könne. Und zwar so, dass sie den von den Ladeninhabern in der Altstadt erhofften Mehrnutzen einer Scharnierfunktion zwischen Innen- und Altstadt auch erfüllt, sagt Andreas Burri. Man überlege sich, wie die Nutzungen über das Jahr gesteuert und koordiniert werden könnten. «Wir überlegen uns, ob den Mietern ein Dienstleistungspaket angeboten werden kann», sagt Burri. Dieses könnte Bereiche wie Beleuchtung, Gastro-Einrichtungen oder Toiletten umfassen. Die Mietkonditionen werden überprüft.

Der Arbeitsgruppe gehören nebst Andreas Burri Marcel Suter (Zentrum Aarau), Hans Umbricht (Gewerbepolizei), Melanie Morgenegg (Leiterin Kulturstelle) und Marco Salvini (Projektleiter Stadtentwicklung) an.

110 Tage pro Jahr genutzt

Die Halle wird an rund 110 Tagen genutzt. Beliebte und stark frequentierte Anlässe sind das Kerzenziehen im Advent, der Markt Aarauer Gewerbetreibender MAG, der Rüeblimärt, der Maienzug-Vorabend oder «Musig i de Altstadt». Das eidgenössische Volksmusikfest oder Aqua-Expo, eine Veranstaltung der IBAarau, sind heuer weitere attraktive Veranstaltungen.

Es bräuchte wohl noch mehr solche Anlässe, die Frequenzen in die Altstadt bringen. Dass es an solchen mangelt, daran ist die Markthalle nicht allein schuld. Die Gasse «Zwischen den Toren» war der Hinterhof zum Graben und auch zur Altstadt. Es war schon immer das Quartier «dazwischen».

Nachdem 1982/1983 die Gewerbebauten auf dem Färberplatz abgebrochen worden waren, begann eine langwierige Planungsgeschichte. Wie könnte die Lücke wieder geschlossen werden? Pavillon, Neubau für Stadtbibliothek, Markt, Begrünung – die Ideen schossen wie Frühlingsblumen aus dem Boden.

Die Stadtbibliothek an diesem Ort hätte die von den Ladeninhabern in der Altstadt gewünschte Funktion eines Dreh- und Angelpunkts am besten erfüllen können. Doch 1983, nach dem historischen Markt im Rahmen der Feier «700 Jahre Stadtrecht», hatte sich die Idee festgesetzt, den Platz als solchen bestehen zu lassen. Es wurde ein fünfjähriges Moratorium angesetzt.

Die Markthalle, 2002 eingeweiht, ist das Resultat eines Architekturwettbewerbs. Das Projekt löste kaum grosse Begeisterung aus. Hermann Rauber, langjähriger az-Redaktor und Einwohnerrat, erinnert sich: «Der Tenor war: nicht schön, aber wir wollen endlich etwas.» Vorbehaltlos gelobt wurde die Markthalle dafür von der Fachpresse. Der Feuilleton-Redaktor der NZZ bezeichnete den «skulpturalen Neubau» als ein «Hauptwerk der neusten Schweizer Architektur».

Dass es den Basler Architekten Quintus Miller und Paola Maranta gelungen war, mit einer modernen Holzkonstruktion die Leerstelle im historisch gewachsenen Umgebung angemessen zu füllen, ist denn auch unbestritten.