Gränichen

«Die Leute überlegen nicht, wenn sie etwas wegwerfen»

..

Vor über zwei Jahren hat die Gemeinde Gränichen dem achtlosen Wegwerfen von Abfall den Kampf angesagt. Sechs Arbeitslose sollten während eines halben Jahres aufräumen. Heute sammelt die Truppe noch immer. Silvio Hochuli leitet die Abfallgruppe.

Herr Hochuli, Sie sind von Anfang an bei dem Projekt dabei. Wie hat es sich verändert?

Wir haben einige Anpassungen vorgenommen. Früher waren wir zwei Mal pro Woche unterwegs. Heute sind es drei Mal, dafür sind die Touren etwas kürzer. Eine Tour dauert etwa zwei Stunden. Ausserdem kamen vorletztes Jahr Frauen zu der Littering-Truppe dazu.

Wie läuft eine Sammelaktion ab?

Wir treffen uns am Montag, Donnerstag und Samstag um 9.30 Uhr. Dann mache ich die Teameinteilung. Wir sind meistens zu zweit unterwegs. Nach zwei Stunden treffen wir uns wieder und entsorgen den Abfall.

Was schmeissen die Leute alles weg?

Am Anfang hatten wir sehr viele Redbull-Dosen. Heute finden wir vor allem PET-Flaschen. Vermehrt laufen wir auch Zellophan-Verpackungen von Zigarettenpäckchen über den Weg. Die sind sehr mühsam, da sie regelrecht am Boden kleben, wenn sie nass sind.

Hat es heute mehr Abfall als vor zwei Jahren?

Ich würde sagen gleich viel. Allerdings fällt es in Gränichen weniger auf, seit wir regelmässig auf Tour sind. Früher hat sich der Abfall bei den Hotspots regelrecht gesammelt, da das Bauamt noch viele andere Aufgaben hat, als Müll einzusammeln.

Macht Ihnen die Arbeit Spass?

Mir persönlich macht sie Spass. Klar, am Samstagmorgen braucht der eine oder andere jeweils ein wenig mehr Motivation. Doch wir sehen auch den Sinn der Arbeit. Ausserdem können wir so einen Teil selbst verdienen und sind nicht nur auf Sozialleistungen angewiesen. In Zeiten, in denen ein regelrechtes Bashing gegen Sozialhilfebezüger stattfindet, sind wir dankbar. So müssen wir uns weniger rechtfertigen und schämen.

Wie reagieren Sie, wenn Sie sehen, dass jemand etwas wegwirft?

Oft sehen wir Eltern, die auf dem Spielplatz Zigarettenstummeln wegwerfen. Dann weisen wir darauf hin, denn das hat auf einem Spielplatz nichts zu suchen.

Ich denke aber, dass die wenigsten Leute absichtlich Littering betreiben. Sie überlegen einfach nicht, was für eine Arbeit es ist, den Abfall wieder einzusammeln.

Wie sieht es in Zukunft aus?

Wir haben von der Gemeinde positive Rückmeldungen erhalten. Vielleicht wird dieses Jahr zum ersten Mal ein kleines Team im Winter unterwegs sein. Das Projekt wird also weitergeführt.

Meistgesehen

Artboard 1