Der Nasen-Rachen-Abstrich dauert nur ein paar Sekunden.

Der Nasen-Rachen-Abstrich dauert nur ein paar Sekunden.

Sandra Ardizzone

Reportage
Die Leute kommen im Zehn-Minuten-Takt zum Coronatest nach Aarau – Ärzte wünschten sich einen grösseren Ansturm

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sollten sich möglichst viele Menschen testen lassen. Im Testzentrum des Kantonsspitals Aarau werden an einem Tag bis zu 350 Tests gemacht. Die AZ hat den Mitarbeitenden über die Schultern geschaut.

Noemi Lea Landolt
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Die meisten Patientinnen und Patienten haben die Augen geschlossen, während ihnen das Stäbchen für den Abstrich in die Nase geschoben wird. Wohl dann, wenn es kurz unangenehm zwickt, kneifen sie die Augen zusammen und verziehen das Gesicht.

Sandra Ardizzone

Ist das Stäbchen draussen, öffnen sie die Augen, blinzeln ein paar Mal. Das war’s. Das Abstrichmaterial kommt vom Stäbchen in ein Reagenzglas mit Flüssigkeit; die Patientinnen und Patienten dürfen nach Hause.

Im Covid-Testzentrum des Kantonsspitals Aarau (KSA) können pro Tag bis zu 350 Personen getestet werden. Sebastian Haubitz leitet das Testzentrum. Er hofft, dass das Angebot genutzt wird.

«Im Moment ist die Empfehlung ganz klar: Testen, testen, testen», sagt Sebastian Haubitz im Videointerview:

Elf Personen arbeiten an diesem Morgen im Haus 26 hinter dem Hauptgebäude. Zwei nehmen die Patientinnen und Patienten in Empfang, überprüfen die Personalien und – ganz wichtig – die Handynummer, damit sie ihnen später das Testresultat mitteilen können. Sie fragen auch nach Symptomen oder Vorerkrankungen.

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Danach begleiten sie die Leute in jenen Raum, wo der Abstrich erfolgt. Die einzelnen Plätze sind durch Stellwände voneinander abgetrennt.

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Nach jedem Patienten wird alles gründlich desinfiziert und der Tester wechselt die Handschuhe, bevor die nächste Patientin auf dem Hocker Platz nimmt und den Kopf nach hinten beugt.

Teamgeist ist Oberarzt Haubitz wichtig und dass man sich gegenseitig unterstützt.

Die Arbeit kann mit der Zeit monoton werden. Deshalb wechseln wir ab.

Wenn jemand zwei Stunden vor dem Laptop Testergebnisse erfasst und ans Bundesamt für Gesundheit (BAG) übermittelt hat, wird er abgelöst und kann die nächsten paar Stunden vielleicht Patientinnen und Patienten in Empfang nehmen oder die Hotline betreuen. «Mir ist wichtig, dass alle alles können und alles machen», sagt Haubitz. Und er hofft, dass die Resultate der Schnelltests bald nicht mehr von Hand erfasst werden müssen, sondern automatisch ans BAG übermittelt werden können.

Der Zeitplan ist straff. Patienten können im Zehn-Minuten-Takt Termine buchen, entsprechend tauchen vor dem Testzentrum alle zehn Minuten neue Patientinnen auf. Zwischen 9 und 18 Uhr. Von Montag bis Samstag.

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Von Fliessbandarbeit will Haubitz aber nichts wissen. «Wir nehmen uns Zeit für alle und da wir gut strukturiert arbeiten, hat auch einmal Unvorhergesehenes Platz, beispielsweise wenn jemand vom Spitalpersonal einen Test benötigt.» Rhythmus sei das Stichwort. Es sei wichtig, dass alles im Fluss bleibe und sich vor dem Testzentrum keine Warteschlagen bildeten. Menschenansammlungen sind in der aktuellen Situation ein Risiko.

Wir wollen nicht, dass sich jemand beim Anstehen ansteckt. Deshalb planen wir über die Online-Anmeldung mit genauen Zeitslots.

Als ob das mit dem Rhythmus untermauert werden müsste, läuft im Testzentrum Musik. E-Gitarren, Schlagzeug, Bass – das volle Programm. Ungewohnt für ein Spital, aber sympathisch. Im Takt der Musik erscheint alles wie eine Choreografie und es ist nie unangenehm still.

Bei ungefähr 40 Prozent der Patienten kommt der neue Schnelltest zum Einsatz. Der Abstrich funktioniert gleich wie beim herkömmlichen PCR-Test. Aber das Resultat liegt viel schneller vor, weil der Test nicht im Labor analysiert werden muss. Das Reagenzglas mit dem Abstrichmaterial landet bei Medizinstudent Cla Beez im Nebenzimmer.

Zwei rote Streifen bedeuten Corona-positiv

Beez trägt wie alle Mitarbeitenden, die mit Patientinnen oder Probematerial zu tun haben, einen blauen Schutzanzug, Handschuhe, Mundschutz und Schutzbrille.

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Vor ihm auf dem Tisch liegen sechs Röhrchen und sechs Testkits. Er öffnet das erste Röhrchen und gibt eins, zwei, drei Tropfen auf das Testkit. Die Flüssigkeit mit dem darin aufgelösten Abstrichmaterial wandert – wie bei einem Schwangerschaftstest – über einen Papierstreifen.

Auf allen Testkits erscheint ein roter Streifen. «Das ist der Kontrollstreifen», erklärt Cla Beez. «Der zeigt, dass der Test funktioniert hat.» Bei einem Test erscheint bereits kurz nach dem ersten roten Streifen ein zweiter Streifen. «Der ist positiv.» Bei den anderen fünf erscheint auch nach 15-minütiger Wartezeit kein zweiter Streifen. Sie sind negativ

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Die Mitarbeitenden sind auch am Sonntag im Testzentrum. «Aber getestet wird dann nicht. Oder noch nicht», sagt Haubitz. «Sobald wir sehen, dass wir an den anderen Tagen voll ausgelastet sind, werden wir auch am Sonntag testen.» Im Moment reichten die Kapazitäten aber.

In der Regel kann jemand noch am gleichen oder spätestens am nächsten Tag einen Termin buchen.

Haubitz würde sich wünschen, dass mehr Leute einen Coronatest machen. «Die aktuell hohe Positivitätsrate von 20 Prozent ist ein Zeichen dafür, dass aktuell zu wenig getestet wird», sagt er.

Die Anzahl durchgeführter Tests ist seit mehreren Wochen rückläufig und bestätigt die Testmüdigkeit der Aargauerinnen und Aargauer:

Dabei sei es in der aktuellen Situation sehr wichtig, sich testen zu lassen, sagt der Oberarzt. Dank der neuen Schnelltests sei das Resultat viel schneller verfügbar. «Die Getesteten haben also viel schneller Gewissheit und können ihre engen Kontakte schneller informieren.» Haubitz wünscht sich, dass sich alle Personen mit Symptomen so rasch wie möglich testen lassen.

Man macht den Test ja nicht nur für sich, sondern auch um die Menschen in seinem Umfeld zu schützen.

Ein Schnelltest liefert das Resultat innert 15 Minuten. Die Patientinnen und Patienten warten nach dem Abstrich aber nicht vor Ort, um Menschenansammlungen rund um das Testzentrum zu vermeiden. Ist der Test negativ, wird ihnen das Resultat per SMS mitgeteilt; positiv Getestete werden angerufen.

«Der Test ist leider positiv», sagt Cla Beez in solchen Fällen in den Hörer. Nach dem Satz macht der Medizinstudent eine Pause, um der Person am anderen Ende der Leitung Zeit zu geben, die Nachricht zu verdauen. Dann informiert er sie, dass sie nun in Isolation müsse und enge Kontaktpersonen informieren soll, damit sich diese in Quarantäne begeben. «Haben Sie noch Fragen?», will er schliesslich wissen, beantwortet diese und teilt dem Patienten mit, dass er online auf www.ksa.ch/positiv auch Antworten auf die wichtigsten Fragen finde und sich über die Hotline melden könne.

Schon bald landet die nächste Ladung Tests auf dem Tisch von Cla Beez. Die Arbeit geht ihm und den anderen so schnell nicht aus. Die Aargauerinnen und Aargauer wollen möglichst schnell wissen, ob es sie erwischt hat.

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