Es ist in der schnelllebigen Gastronomie ein ausserordentliches Ereignis, wenn ein Gasthof 25 Jahre lang von einer Familie geprägt wird. Wenn er den Generationenwechsel schaffte – und ihm in all der Zeit ein Teil des Personals treu geblieben ist.

Im «Schützen» Aarau haben sich die Schneiders mit ihren treusten Angestellten zum Gruppenbild versammelt. Aus Anlass des Jubiläums «25 Jahre Familie Schneider im ‹Schützen›». Am 1. Januar 1994 haben Ruth (64) und Hans «Hausi» Schneider (63) den operativen Betrieb im Schachen aufgenommen – nachdem sie das Lokal im Jahr vorher käuflich erworben hatten. Die Schneiders kamen vom «Aarehof» in Wildegg. Dort waren sie während dreier Jahre tätig gewesen. Und zuvor sieben Jahre in der «Seerose» Meisterschwanden.

Von Beginn weg lief es gut

Der «Schützen» hatte nicht nur eine bewegte Geschichte hinter sich, sondern er war 1993 auch heruntergekommen: der Umsatz tief, die Zahlen waren rot. Das Lokal ist im vorletzten Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Bahnbau Olten–Aarau (noch ohne Stadttunnel) als «Cantina» eröffnet worden. Zwischen 1937 und 1943 war das Restaurant in den Händen des Bruders des Grossvaters von Hausi Schneider. Er hat es in «Schützengarten» umgetauft. Irgendwann übernahm die Firma Kern das Lokal und betrieb es als Kantine – unter dem neuen Namen «Schützen». Nachdem das Unternehmen faktisch aus Aarau verschwunden war (Verkauf 1988), kam das Restaurant in die Hände von fünf Privatpersonen, deren Betriebsmodell mit einem Geschäftsführer allerdings nie richtig funktionierte.

«Die tiefste Fluktuation»

Die Schneiders gaben dem «Schützen» einen richtigen Kick, bauten Restaurant und Terrasse aus, übertrafen schon im ersten Jahr die Umsatzerwartungen – bei weitem. Das alles mit Rund-um-die-Uhr-Einsatz der Wirtsleute. «Wenn man Erfolg hat, hat man auch Kraft», erinnert sich Hausi Schneider. Er begann im «Schützen» mit 16 Angestellten (heute sind es über 90 Vollzeitangestellte und bis 60 Aushilfen). In den ersten drei Monaten sei praktisch das ganze Personal ausgewechselt worden, weil die bisherigen Mitarbeiter den Rhythmus nicht ertragen hätten, berichtet Schneider.

Heute ist das im «Schützen» anders. «Wir haben, was die Gastronomie betrifft, weit und breit die tiefste Fluktuation», erklärt Hausi Schneider. Und Manuela Schmid Schneider ergänzt: «Wer ein Jahr lang bei uns war, bleibt meistens sehr lange.» Man fühlt sich im patronal geführten Betrieb offensichtlich wohl. Dass es ein gegenseitiges Geben und Nehmen sei, habe man besonders in der Zeit nach dem Brand Ende 2012 erlebt, erklärt Hausi Schneider.

Buchhalterin Silvia Bucher ist 1993 mit den Schneiders in den «Schützen» gekommen. Sie arbeitete schon in der «Seerose» mit ihnen. Vier weitere Angestellte sind auch bereits 25 Jahre dabei. Die Langzeit-Mitarbeiter wurden im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten speziell geehrt. Mit dem Anlass «25 Stunden Gastroerlebnis für 25 Jahre» – es ging an die feinsten Adressen.

Millionen investiert

Dieses Jahr ist es nicht nur 25 Jahre her, seit die Schneiders den «Schützen» übernommen haben, sondern auch fünf Jahre, seit die die Eltern den Betrieb und die Aktien an ihrer Kinder Manuela (35) und Peter (37) weitergegeben haben. Fünf Jahre sind in einem Gewerbe, in dem viele bereits nach kurzer Zeit scheitern, schon sehr lange – also ein Erfolgsausweis.

Die Schneiders haben in den 25 Jahren, in denen ihnen der «Schützen» gehört, jedes Jahr zwischen 500'000 und 600'000 Franken investiert. Auch in diesem Sommer wird wieder gebaut, wie Peter Schneider erklärt. Allerdings weniger im Bereich, in dem es die Restaurantbesucher wahrnehmen. Letztes Jahr gab es wegen des Küchenumbaus zwei Wochen Bauferien.

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