«Ich bin erleichtert», sagt Gemeinderat Tobias Leuthard, «es besteht keine Gefahr – weder für Natur und Umwelt, noch für die Menschen.» Das heisst: Die Kicker des Fussballclubs Küttigen können das Spielfeld, das im November letzten Jahres gesperrt werden musste, in zwei Wochen wieder benutzen. Was war geschehen: Das Fussballfeld liegt über einer Deponie. Untersuchungen hatten ergeben, dass dem Deponiekörper Gas entweicht und sich das Terrain absenkt. Das Areal musste gesperrt werden.

Der Kanton führt die Deponie im Kataster der Altlasten mit allfälligen Sanierungsbedarf. Dies verpflichtet die Standortgemeinde Küttigen, das Gefährdungspotenzial zu untersuchen und den allfälligen Sanierungsbedarf zu bestimmen.

Im Zuge dieser Abklärungen ist der Deponiekörper angebohrt worden. Dies hat dazu geführt, dass sich der mit Wasser gesättigte Deponiekörper entleerte. Der Wasserspiegel senkte sich ab – und mit ihm auch das Terrain. Die Absenkung des Wasserspiegels beschleunigte den Zersetzungsprozess in der alten Deponie und die Bildung von Gas. Und deshalb zogen die kantonalen und kommunale Behörden auf Anraten der Experten die Notbremse: Sie sperrten das Areal, zum Leiwesen der Fussballer und ihres Präsidenten, Robert Rütimann.

«Schon vorher uneben»

«Der Fussballplatz war schon vor den Bohrungen nicht eben», sagt Robert Rütimann, seines Zeichens auch Gemeindeschreiber. «Dass der Ball auch mal zurückrollt, daran hatten wir uns gewöhnt.» Doch wenn der Platz, auf dem trainiert wird und die Junioren ihre Spiele austragen, aufgegeben werden müsste, brächte das den Club in grosse existenzielle Schwierigkeiten. Nun, Rütimann und die rund 330 Fussballer und Fussballerinnen seines Vereins können aufatmen.

«Die vertieften Abklärungen sowie die Gespräche mit Experten und den massgeblichen Stellen beim Kanton haben ergeben, dass das Areal Ritzer Ende Februar freigegeben werden kann», erklärt Tobias Leuthard. Der Gemeinderat geht davon aus, dass die Nutzung des Areals auch langfristig gewährleistet ist. «Der Gemeinderat will an der Nutzung des Platzes für Sport und Freizeit festhalten», sagt Leuthard. Zudem soll das marode Gebäude des Fussballclubs möglichst bald durch einen Neubau an einem Standort ausserhalb des Deponiebereichs ersetzt werden.

«Wir sind schon erschrocken, als wir vom Gasaustritt in Kenntnis gesetzt wurden», sagt Leuthard, «auch wenn man ja davon ausgehen musste, dass sich aufgrund des verstärkten Zersetzungsprozesses Gas bilden würde.» Es sollen nun Massnahmen geprüft werden, wie man dieses Problem nachhaltig in den Griff bekommt. Davon wird denn auch die Sanierung des Spielfeldes abhängig gemacht. Mittelfristig sollen sich die FC-Junioren nicht mehr ärgern müssen, wenn der Ball den Weg des geringsten Widerstands in die Senken im Spielfeld sucht.

Leitung muss saniert werden

In einer ersten Phase gehe es nun darum sicherzustellen, dass das Deponiewasser nicht ins Grundwasser versickert, sondern in die Kanalisation abfliesst, erklärt Leuthard. Dies bedingt, dass die teilweise defekte Leitung, mit der das Deponiewasser gesammelt wird, saniert werden muss. In den nächsten Monaten werde ein Projekt ausgearbeitet, das nach Möglichkeit im Jahr 2016 realisiert wird. «Eine Gefährdung der Umwelt besteht zum heutigen Zeitpunkt nicht, Grenzwerte werden nicht überschritten.»

Der Gemeinderat geht nach heutigem Kenntnisstand nicht davon aus, dass in der ehemaligen Grube der Jura Cement Fabriken (JCF) problematische Stoffe deponiert worden sind. «Aufgrund der vorliegenden Dokumente nehmen wir an, dass vornehmlich Schutt und Hauskehricht, vor allem aus den Gemeinden Aarau und Küttigen, deponiert wurde.» Allerdings gab Leuthard im Herbst gegenüber der az auch zu bedenken, dass die Deponie teilweise unbetreut war und die Abfalllieferungen, wie damals üblich, nicht dokumentiert wurden.

Ein Indiz dafür, dass die Deponie mehrheitlich verantwortungsvoll betrieben worden ist, sieht Leuthard im Umstand, dass die Grube im Ritzer Anschauungsobjekt für Interessierte aus Gemeinden im Kanton und in der ganzen Schweiz war.

Im Tauschhandel erworben

Das Areal im Ritzer hat die Gemeinde Küttigen von den Jura Cement Fabriken (JCF) im Jahr 1957 im Rahmen eines Tauschhandels erworben. Interesse hatte auch die Stadt Aarau gezeigt. Sie verzichtete unter der Bedingung, den ehemaligen Steinbruch als Kehrichtdeponie nutzen zu dürfen. Die JCF als Eigentümerin war damit einverstanden und knüpfte an den Handel selber die Bedingung, dass nicht nur Aarau, sondern auch sie den Ritzer als Deponie nutzen kann. Die Gemeinde Küttigen willigte ein mit der Absicht, nach dem Auffüllen des Steinbruchs hier einen Sportplatz anzulegen, was dann auch erfolgt ist.

Grundsätzlich stehen bei Sanierungen von Altlasten die Standortgemeinden in der Pflicht, auch wenn, wie im vorliegenden Fall, die Stadt Aarau die Deponie betrieben hat. Der Gemeinderat Küttigen hat dennoch bereits im Herbst letzten Jahres angekündigt, dass er für eine allfällige Kostenbeteiligung das Gespräch mit der Stadt suchen werde.

«Die Sanierungskosten dürften verkraftbar sein», sagt Leuthard. Bund und Kanton haben einen Fonds geäufnet, mit dem die Gemeinden bei der Sanierung von Deponien namhaft unterstützt werden. Gemeinderat Leuthard erwartet für seine Gemeinde Subventionen in der Höhe von gegen 70 Prozent.